Für den Tod Vorsorgen: Wie man seinen digitalen Nachlass regelt

Für den Tod Vorsorgen : Wie man seinen digitalen Nachlass regelt

Wer stirbt, hinterlässt nicht nur Geld und anderen Besitz, sondern auch digitale Güter. Die wenigsten kümmern sich darum.

Ein großer Teil des Lebens spielt sich heute im Internet ab. In Deutschland sind laut Angaben der Stiftung Warentest 87 Prozent aller Menschen ab zehn Jahren online. Sie kommunizieren über E-Mails, erledigen Bankgeschäfte online, streamen Musik, Filme und Serien aus dem Internet und schließen Kauf­verträge im Netz ab. Auch Fotos und wichtige persönliche Daten sind längst nicht mehr in Alben und Mappen abgelegt, sondern auf Servern und Festplatten, auf Sticks und Speicherkarten. Was aber passiert mit all diesen Daten nach dem Tod? Und vor allem: Wer kümmert sich darum?

„Es ist vielleicht kein schönes Thema, aber wer im Internet aktiv ist, sollte sich frühzeitig damit auseinandersetzen“, meint Jurist Sven Schonhofen. Wie wichtig Datenschutz und Privatsphäre sind, sei den meisten Nutzern zwar bewusst. Aber über die Onlinekonten von Verstorbenen denke kaum jemand nach. Das bestätigt auch eine Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Yougov. 78 Prozent der deutschen Internetnutzer haben noch nicht geregelt, was mit ihrem digitalen Erbe passieren soll. „Dabei hinterlassen wir alle einen Fußabdruck im Internet, der auch den Tod überdauert“, so Schonhofen.

Was also soll man tun, wenn man nicht will, dass man nach dem Tod in den sozialen Medien als lebendige Person erscheint? Oder, wenn Kinder und Enkel nicht bis in alle Ewigkeit die abonnierten Film- und Musikdienste weiterzahlen sollen? Für diesen Fall können Nutzer vorsorgen, und das oft ganz analog.

„Sinnvoll ist es, eine Person des Vertrauens mit allen Aufgaben rund ums digitale Erbe zu betrauen“, meint die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Das sollte schriftlich in einer Vollmacht festgelegt werden. Zudem solle man eine Übersicht aller Konten mit Benutzernamen und Kennwörtern zusammenstellen.

„Am besten speichert man die Übersicht auf einem verschlüsselten oder zumindest mit einem Kennwort geschützten USB-Stick, den man an einem sicheren Ort deponiert, beispielsweise in einem Tresor oder einem Bankschließfach“, raten die Verbraucherschützer. In der Vollmacht solle detailliert geregelt werden, wie mit dem digitalen Nachlass umgegangen werden darf. Nutzer können so entscheiden, welche Daten gelöscht werden und was etwa mit dem Profil in einem sozialen Netzwerk passieren soll.

Alle Informationen, die wir im Internet oder auf Speichermedien hinterlassen, gehören im Todes­fall zur Erbschaft, genauer zum digitalen Nach­lass. „Der umfasst nicht nur gespeicherte Daten, sondern auch online geschlossene Verträge, ob mit Versandhändlern, Reiseanbietern oder Auktions­platt­formen“, betont die Stiftung Warentest. „Rechte und Pflichten gehen auf den Erben über.“ Der müsse bestellte Ware bezahlen, die Kreuz­fahrt stornieren oder die ersteigerte Designer-Uhr abnehmen. Die wenigsten Verträge enden mit dem Tod, erklären die Verbraucherschützer. Auch Nutzer­konten bei sozialen Netz­werken und Versandhänd­lern bleiben erst einmal bestehen.

„Erben sollten den digitalen Nach­lass auf keinen Fall ignorieren“, erklärt die Stiftung Warentest. Nach dem Tod stellen sich vor allem zwei Fragen: „Wo war der Verstorbene online unterwegs?“ Und: „Wie bekomme ich Zugriff auf seine Nutzer­konten?“ Sollte keine entsprechende Übersicht vorliegen, liefere oft der E-Mail-Verkehr entscheidende Hinweise auf laufende Verträge, offene Rechnungen oder Online-Mitgliedschaften. Aber auch dazu ist es erforderlich, Zugang zum E-Mail-Konto zu haben.

Sven Schonhofen empfiehlt drei Varianten, um den digitalen Nachlass in seinem Sinne zu regeln und den Erben die Verwaltung so leicht wie möglich zu machen. Einen digitalen Bevollmächtigten zu benennen, eine digitale Vorsorgemappe anzulegen oder entsprechende Regelungen im Testament zu hinterlegen.

Und dennoch können die digitalen Erben mitunter vor mehr oder minder großen Schwierigkeiten stehen, wenn sie die Online-Verbindungen im Sinne des Verstorbenen beenden wollen, sagt Schonhofen. Deutsche Mail-Anbieter wie GMX und Web.de etwa verlangen für die Übernahme oder Löschung des E-Mail-Kontos die Vorlage der Sterbeurkunde und des Erbscheins. Betreiber im Ausland fordern dazu oft zusätzlich auch noch die beglaubigten Übersetzungen.

Wer im sozialen Netzwerk Facebook aktiv ist, kann dort einen Nachlasskontakt hinterlegen, der das Konto im Todesfall sogar löschen darf. Alternativ kann die Facebook-Seite auch in einen Gedenkzustand versetzt werden.

Wer eine Erbschaft antritt, tritt das digitale Erbe mit allen Verpflichtungen automatisch mit an, auch, wenn es ihm auf den ersten Blick zu unübersichtlich und kompliziert erscheint, mahnt Schonhofen.

Und noch einen Tipp hat er für die digitalen Erben bereit. Selbst, wer eine Liste mit allen Nutzerkonten und Passwörtern habe, solle dem Wunsch des Verstorbenen, sein E-Mail-Konto zu löschen, am allerletzten nachkommen, wenn schon alle anderen Bestandteile des digitalen Nachlasses verwaltet wurden. „Über den E-Mail-Zugang meldet man sich häufig bei anderen Plattformen an“, so der Jurist. Wenn man diesen Zugang verliere, werde man schnell auch aus anderen Konten ausgeschlossen.

Mittlerweile gebe es auch Firmen, die eine kommerzielle Verwaltung des digitalen Nachlasses anbieten. „Die Sicherheit solcher Anbieter lässt sich allerdings nur schwer beurteilen“, erklärt die Verbraucherzentrale. Die Verbraucherschützer raten, sich zunächst nach dem Leistungsumfang und den Kosten zu informieren, bevor man eine Firma mit der Verwaltung des digitalen Erbes beauftrage. In keinem Fall solle man diesem Unternehmen PC, Tablet-Computer oder Smartphone übergeben oder ihnen sogar Passwörter anvertrauen.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat Muster-Listen und Vollmachten für das digitale Erbe zusammengestellt. Den entsprechenden Eintrag finden Nutzer, indem sie auf der Internetseite der Verbraucherzentrale im Bereich „Digitales“ den Suchbegriff „Erbe“ eingeben.

www.verbraucherzentrale.de/
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