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Freies Internet für alle

Freies Internet für alle

Kostenloses Surfen für alle: In immer mehr Städten in Deutschland knüpfen private Gemeinschaften offene WLAN-Netze. Allerdings wirft der freie Internetzugang für alle viele rechtliche Fragen auf.

Kostenloses Surfen im Internet: Via Freifunk ist das bereits in vielen Städten Deutschlands möglich. Dahinter stehen keine offiziellen Internetanbieter. Stattdessen bauen lokale Tüftler-Gemeinschaften mithilfe von WLAN-Routern und einer speziellen Software ein offenes Netz auf, das theoretisch für jedermann zugänglich ist.

Im Bielefelder Lokal "Hackerspace" hat Santos (31) sein Hauptquartier, der gemeinsam mit einem Freund die Freifunk-Community der Stadt organisiert. "Wir möchten ein möglichst flächendeckendes, unabhängiges und kostenfreies WLAN-Netz in ganz Deutschland aufspannen", erklärt Santos, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte. Die Tüftler stellen eine kostenlose Software zur Verfügung. "Wir sind ein Netz, das von Bürgern für Bürger betrieben wird", sagt der Freifunker Santos. Jeder, der mitmachen möchte, installiert die Software auf einem handelsüblichen Router. Durch die Software erkennen sich die Router untereinander, verbinden sich und es entsteht ein stetig wachsendes Netzwerk. Darin können die Teilnehmer Daten austauschen und miteinander kommunizieren.

"Hauptsächlich geht es beim Freifunk darum, unabhängig von den Internetanbietern zu sein", erklärt Ralf Jung, Mitglied im Saarbrücker Verein Hackerspace, in dem sich Computerexperten und Tüftler treffen und austauschen. Allerdings kann via Freifunk auch der Zugang zum Internet ermöglicht werden. Teilnehmer eines Freifunk-Netzes können Teile ihrer Internetkapazität freigeben, so dass sich Dritte in das Netzwerk einwählen und so im Internet surfen können. Ein Freifunk-Netzwerk im Saarland gibt es noch nicht. "Wenn jemand Interesse daran hat, ein freies WLAN-Netz im Saarland aufzubauen, ist er im Hackerspace aber immer willkommen", so Jung.

Ein Problem gibt es allerdings: Um einen Internetzugang freizugeben, benötigt man einen herkömmlichen Internetanschluss bei einem kommerziellen Anbieter. Doch dürfen die Freifunker deren Dienste einfach so an Dritte weitergeben?

Thomas Bradler, Referent für Verbraucherrecht der Verbraucherzentrale NRW, mahnt zur Vorsicht: "Es liegt sicherlich nicht im Interesse des Anbieters, dass viele Nutzer über seinen Zugang im Internet surfen." Er empfiehlt, vorher genau die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des jeweiligen Anbieters zu lesen. "Sonst könnten eine Kündigung und entsprechende Schadenersatzansprüche die Folge sein."

So verweist auch ein Sprecher der Deutschen Telekom bei dieser Frage auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Unternehmens. Dort steht unter anderem, dass ein Telekom-Kunde die Leistungen nicht an Dritte weitergeben darf. "Wir verfolgen aber keine kommerziellen Interessen", hält dem Felix Kaechele entgegen. Er ist Sprecher des Vereins Freifunk NRW, ein Zusammenschluss von mehreren Initiativen im Bergischen Land. "Mir ist nicht bekannt, dass die Weitergabe der eigenen Internetkapazitäten über das Freifunk-Netzwerk schon rechtliche Konsequenzen gehabt hat." Das könnte auch daran liegen, dass die meisten Freifunk-Gemeinden bislang noch klein sind. "In ganz NRW gibt es bislang über 1000 Teilnehmer", vermutet Kaechele. Bundesweit sind es schätzungsweise 6000. "Manche Kommunen versuchen, mit den Freifunkern zusammen ein WLAN-Netz zu etablieren, etwa in Burscheid im Rheinisch-Bergischen Land oder in Hückeswagen im Oberbergischen Kreis." Die Stadt Hamburg prüft, wie eine Zusammenarbeit mit privaten Freifunk-Initativen aussehen könnte, um mehr WLAN-Zugänge zu schaffen.

Für Unsicherheit sorgt dabei immer wieder die Frage der sogenannten Störerhaftung. Konkret bedeutet diese juristische Formulierung: Wenn etwa ein Cafébetreiber seinen Gästen sein WLAN-Netz zugänglich macht, dann haftet er auch für eventuelle Straftaten wie illegale Film- oder Musikdownloads, die Gäste damit begehen. "Der Betreiber eines WLAN-Netzwerkes macht sich haftbar, wenn jemand in seinem Netz Unfug treibt, also zum Beispiel illegal Musik herunterlädt", erklärt Ralf Jung vom Saarbrücker Hackerspace.

Der Bielefelder Freifunker Santos leitet deswegen seinen Internetverkehr über Server in Schweden. Dort gibt es die Störerhaftung nicht. "Absurd" finden Freifunker wie Felix Kaechele das Gesetz - sie fordern, dass die Störerhaftung abgeschafft wird. Auch in der Politik wird die Klausel bereits diskutiert: Im Bundestag brachte die Opposition im November einen Gesetzentwurf zur Abschaffung der Störerhaftung ein. Doch bis sich an der Gesetzeslage etwas ändert, leiten die Freifunker ihren Internetverkehr weiterhin über Server , die im europäischen Ausland stehen.

freifunk.net

hacksaar.de