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Smartphone-Verbot ab 2018
Französische Schule als handyfreie Zone

Im Klassenzimmer sind Smartphones schon Tabu. Aber jetzt sollen sie auch vom Schulhof verschwinden.
Im Klassenzimmer sind Smartphones schon Tabu. Aber jetzt sollen sie auch vom Schulhof verschwinden. FOTO: Sebastian Kahnert / dpa
Paris/Saarbrücken. Der Bildungsminister will Smartphones aus Grund- und Mittelschulen verbannen. Die Umsetzung dürfte schwierig sein. Von Hélène Maillasson
Hélène Maillasson

Kaum hat die Pausenglocke geklingelt, schon stürmen die Schüler den Pausenhof. Die beste Ablenkung zwischen anstrengenden Unterrichtsstunden: die Fotos vom Wochenende anschauen und kommentieren. Auf Instagram versteht sich. Doch damit könnte ab September in Frankreich Schluss sein. Bereits im Wahlkampf hatte Emmanuel Macron dazu aufgerufen, Handys von den Grundschulen und der Unterstufe zu verbannen. Jetzt macht sein Bildungsminister Jean-Michel Blanquer ernst.


Ganz neu ist diese Forderung nicht. Bereits am Ende des vergangenen Jahrzehnts entstand eine öffentliche Debatte über die Nutzung von Handys in Bildungseinrichtungen. Seit 2010 verbietet das Bildungsgesetz (Code de l’éducation) Handys in den Klassenzimmern der Kindergärten, der Grundschulen und der Mittelschulen (collèges, entspricht der Unterstufe von 6. bis einschließlich 9. Klasse).

Dabei verfügten laut einer Studie des Forschungsinstituts Credoc im Jahre 2011 nur 20 Prozent der Jugendlichen in Frankreich über ein eigenes Gerät. Heute sind es 80 Prozent. Und laut Blanquer sollen die Geräte nicht nur im Klassenraum verboten werden, sondern in der ganzen Schule. Sprich auch auf dem Schulhof, in den Fluren und in der Kantine. Diese Maßnahme begründete der Bildungsminister in der Radiosendung „Le Grand Jury“ von RTL mit zwei Aspekten. Dass Schüler auf dem Schulhof nicht mehr Fußball oder Fangen spielen, sondern nur noch an ihrem Smartphone kleben, sei aus pädagogischer und erzieherischer Sicht ein Problem. Außerdem gehe es um die Gesundheit der Schüler: Kinder, die jünger sind als sieben Jahre, sollten besser kaum Kontakt mit Bildschirmen haben.



Rückendeckung dafür erhält Blanquer von der Elternvertretung Peep. „Dieses Verbot wird helfen, ein paar Probleme zu regeln, die mit der Smartphonenutzung zu tun haben“, sagte Peep-Pressesprecher Samuel Cywie im Gespräch mit der SZ. Dabei denke er an Cybermobbing und die Verbreitung pornografischer Inhalte, die durchaus auf den Schulhöfen vorkämen. Es sei ihm natürlich klar, dass dies auch außerhalb des Schulgebäudes geschehe, „aber wenn man das zumindest aus der Schule heraushalten kann, wäre es schon ein Fortschritt. Außerdem besitzt nicht jedes Kind in diesem Alter ein Smartphone. Wenn Eltern sich weigern, ihrem Kind eines zu kaufen, sehen sie ungern, wie es in der Schule die Geräte von Klassenkameraden doch benutzt“, so Cywie.

Anders klingt es bei der größten Elternvertretung FCPE. Deren Vorsitzende Liliana Moyano ist von den Plänen nicht begeistert. Sie gibt zwar zu, dass es auch durch die Handynutzung zu Fällen von Cybermobbing kommt, dennoch „handelt es sich dabei nicht um ein allgemein verbreitetes akutes Problem“. Viel mehr könne in der Mittelschule das Handy zu pädagogischen Zwecken eingesetzt werden, während es in der Grundschule nicht selten für die Eltern wichtiger sei als für die Schüler. „Oft handelt es sich für die Eltern, deren Kinder alleine zur Schule gehen, um eine Möglichkeit, den Kontakt zu halten“, sagte Moyano auf Nachfrage. „Von der Umsetzung ganz zu schweigen, wie soll das funktionieren?“

Denn darüber, wie diese tatsächlich aussehen soll, hat sich das Bildungsministerium noch nicht geäußert. Deshalb stößt der Vorschlag auch bei den Lehrern auf Skepsis. In einem Interview mit dem Radiosender France Info sagte Valérie Sipahimalani von der Lehrer-Gewerkschaft Snes-FSU: „Dieses Verbot ist kaum umzusetzen, denn das Schulpersonal ist nicht befugt, Schüler zu durchsuchen.“ Auch die Idee von Spinds, in denen die Schüler beim Ankommen und Verlassen der Schule ihre Handys einsperren, hält sie für utopisch: „Sollen Mitarbeiter jeden Morgen überprüfen, ob alle 400 Schüler ihre Handys dort wirklich deponierten?“ Was in den Schulen fehle, sei Personal, keine Spinds.

In saarländischen Schulen wird die Nutzung von Smartphones über die Hausordnung geregelt. Das Ministerium für Bildung und Kultur erachtet einen Einsatz von internetfähigen Mobiltelefonen in der Schule für sinnvoll, wenn er unterrichtlichen Zwecken dient. „Aber nicht für jede Aufgabe und für jeden Unterrichtszweck ist das Smartphone das passende Mittel“, heißt es vom Ministerium weiter. Grundsätzlich gehe es darum, dass alle Schüler, unabhängig von Herkunft und Geldbeutel der Eltern, lernen, Informationen einzuordnen, zu bewerten, sozial zu kommunizieren und kreativ mit den Medien umzugehen.