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Festtagsbraten aus dem Internet?

Festtagsbraten aus dem Internet?

Zu Weihnachten Geschenke im Internet einzukaufen ist für viele Menschen heute selbstverständlich. Aber auch die Lebensmittel zum Fest? Da zögert König Kunde in Deutschland dann doch, zeigt die Statistik.

Die Weihnachtszeit steht vor der Tür und das bedeutet neben Glühwein, Lebkuchen und festlicher Stimmung auch jede Menge Stress. Vor den Feiertagen sind die Einkaufsstraßen und Supermärkte hoffnungslos überfüllt. Den Einkauf online von Zuhause aus zu erledigen, scheint da besonders reizvoll. Selbst Lebensmittel lassen sich mit nur wenigen Klicks bestellen und nach Hause liefern. Internetseiten wie Mytime.de oder Food.de, aber auch Supermarktketten wie beispielsweise Edeka und Rewe bieten ein breit gefächertes Online-Sortiment - das in Deutschland jedoch kaum von Kunden genutzt wird. Laut einer Studie des E-Commerce-Centers Köln (ECC Köln ) haben von circa 1 200 Befragten knapp 67 Prozent angegeben, noch nie Lebensmittel online bestellt zu haben. Lediglich sechs Prozent wickeln demnach ihre Essens-Einkäufe online ab.

Das hat ganz unterschiedliche Gründe. Zum einen seien die deutschen Kunden mit dem traditionellen Lebensmittelhandel sehr zufrieden, sagt Sabrina Mertens, Leiterin des ECC-Köln. "Das Filialnetz in Deutschland ist sehr dicht. Dadurch haben wir hier einen hohen Wettbewerb und niedrige Preise". Zum anderen gebe es noch teils erhebliche Schwierigkeiten bei der Lieferung der online bestellten Lebensmittel. "Das Thema Lieferzeitpunkt ist entscheidend wenn es um Lebensmittel geht. Kunden brauchen genaue Zeitangaben, wann ihre Produkte geliefert werden können", so Mertens. So weit seien die Systeme aber noch nicht. Und gerade bei leicht verderblichen Lebensmitteln weise die Qualität der gelieferten Produkte teilweise noch Mängel auf.

Das hat jüngst eine Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien bestätigt. Wie die Hochschule berichtet, wurden 108 Rohmilchkäse, die im europäischen Raum online verkauft werden, untersucht. Das ernüchternde Ergebnis: Nur 19 der untersuchten Produkte erfüllten alle Kriterien. Mehr als die Hälfte der Käse seien bei der Lieferung nicht ordnungsgemäß gekühlt gewesen. Zwei Produkte seien sogar mit dem Krankheitskeim Listeria monocytogenes, der besonders für Schwangere und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem gefährlich werden kann, belastet gewesen.

Trotz der Startschwierigkeiten werde der Online-Lebensmittelmarkt in den nächsten Jahren deutlich wachsen, ist Mertens überzeugt. Nicht zuletzt, weil der Internetriese Amazon angekündigt hat, seinen Lieferservice "Fresh" in Deutschland auf den Markt zu bringen. Bereits heute können Kunden Lebensmittel beim Online-Versandhaus bestellen. Frische Ware ist allerdings bisher nicht darunter. Das soll sich jedoch mit dem neuen Angebot ändern. Auch die großen Supermarktketten sind gerade am Aufrüsten. "Große Unternehmen, wie zum Beispiel Edeka oder Rewe, investieren in diesen Bereich gerade sehr stark. Sie erhöhen ihre Kapazitäten, und bringen neue Pilotprojekte an den Start". Der Online-Handel mit Lebensmitteln habe laut Mertens großes Potenzial, das zur Zeit allerdings noch nicht voll ausgeschöpft werde. Damit bleibt einem der Einkaufsstress kurz vor den Feiertagen doch noch nicht erspart.Die Weihnachtsgans, den Wein und viele andere Lebensmittel können online bei Supermärkten bestellt werden. Montage: SZ