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Fehldiagnose: Medizinische Online-Portale liegen häufig falsch

Fehldiagnose: Medizinische Online-Portale liegen häufig falsch

Millionen Menschen suchen in Deutschland in jedem Jahr bei medizinischen Fragen Rat im Internet. Doch der ist bisher von fragwürdiger Qualität. Die Mehrzahl der Online-Diagnosen ist falsch, zeigt eine Untersuchung.

Medizinische Internet-Portale sind beliebt - aber erschreckend fehlerhaft, warnt die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Rund 15 Millionen Menschen suchen online regelmäßig nach Krankheitsinformationen und Ratschlägen zur Gesundheit. Bei einer tiefer gehenden Analyse der Online-Programme habe sich herausgestellt, dass zwei Drittel ihrer Diagnosen nicht korrekt gewesen seien, so die DGIM.

Am großen Zukunftspotenzial der Internetportale zweifelt Professor Gerd Hasenfuß, Vorsitzender der DGIM, nicht. Die digitale Technik sei in der Medizin nicht mehr wegzudenken. "Auch wir Ärzte nutzen sie ja täglich", so der Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie der Universität Göttingen. Doch müssten Gesundheits-Apps und die Angebote im World Wide Web mit großer Vorsicht genutzt werden, zeige eine Studie des British Medical Journals (BMJ). Sie komme zum Ergebnis, dass die Diagnose eines Arztes durch die Internet-Programme nicht ersetzt werden könne.

In der BMJ-Studie waren 23 internationale Online-Portale der Ferndiagnose eingeschlossen. Die Ergebnisse des Vergleichs seien ernüchternd gewesen. Nur in einem Drittel der Fälle hätten die Portale eine korrekte Diagnose gestellt. Etwas bessere Resultate hätten Programme geliefert, die den Patienten auch Handlungsvorschläge gaben. Hier seien 57 Prozent der Angaben korrekt gewesen. Bei Symptomen eines medizinischen Notfalls steige die Trefferquote weiter. Dabei hätten die Online-Helfer in 80 Prozent der Fälle den Patienten völlig zu Recht ins Krankenhaus geschickt. Das Gesamtergebnis des Tests falle damit schlecht aus. "Wir können nicht dazu raten, die Entscheidung für oder gegen einen Arztbesuch von einer App abhängig zu machen", so Professor Diethelm Tschöpe vom Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen. Er leitet die DGIM-Kommission Telemedizin. In der Internet-Technik stecke zwar das Potenzial, die Behandlung chronisch Kranker zu verbessern. Sie könne Patienten zum Beispiel eine Reihe von Kontroll-Untersuchungen beim Arzt ersparen. Für die Diagnose allgemeiner Krankheitssymptome taugten Internet-Anwendungen heute allerdings nicht, so die DGIM.