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Faltbare Bildschirme könnten die Smartphone-Welt aufmischen, sind aber noch nicht ausgereift

Tablets für die Hosentasche : Was die neuen Falthandys draufhaben

Aufklappbare Bildschirme könnten die Smartphone-Welt aufmischen, doch die Hersteller kämpfen mit Kinderkrankheiten.

Faltbare Smartphones werden in der Technikbranche von vielen als die Mobilfunk-Innovation des Jahres betrachtet. Möglich machen solche Geräte flexible Bildschirme, die aufgeklappt wie Tablets aussehen, aber zusammengeklappt kleiner sind als die heute üblichen Displays. Huawei Mate X und Samsung Galaxy Fold sollen die Erstlinge der neuen Ära bei den Marktführern heißen und teils mehr als 2000 Euro kosten. Der Hersteller Royole hatte zwar schon deutlich früher ein faltbares Smartphone auf den Markt gebracht, das hatte entlang der Faltkante aber noch einen recht großen Buckel. Können es die Branchengrößen besser?

Trotz jahrelanger Entwicklungsarbeit gestaltet sich der Schritt von Prototypen zur Serienproduktion offenbar schwierig: Samsung wollte sein Modell Fold bereits im April auf den Markt bringen, verschob den Marktstart aber, nachdem es bei Tests zu Schäden am Scharnier für den Klappmechanismus gekommen war. Und auch Huawei blies den ursprünglich avisierten Starttermin im Juli ab.

Die Konzepte der Hersteller unterscheiden sich deutlich. Das Samsung Fold funktioniert geöffnet wie ein Tablet mit 18 Zentimeter Bildschirmdiagonale. Klappt man das Gerät wie ein Buch zu, lässt es sich über ein zusätzliches Display an der Außenseite wie ein gewöhnliches Smartphone nutzen. Der Nachteil der Konstruktion ist, dass zwischen den zusammengefalteten Hälften ein Spalt bleibt. Das Huawei Mate X, das offen 20 Zentimeter misst, lässt sich in die entgegengesetzte Richtung, also nach hinten falten. Daran ist nachteilig, dass der komplette Bildschirm ungeschützt außen liegt.

Christian Just von der Fachzeitschrift „Computerbild“ sieht bei den Falthandys noch einige Schwachstellen: „Die Hersteller müssen die Scharniere und die empfindliche Folie über dem Bildschirm widerstandsfähig machen gegen Dreck und Fremdkörper. Sonst ist der Frust bei den Käufern schnell groß.“

Auch abseits der Hardware seien die Herausforderungen groß. „Die Software muss perfekt auf beide Zustände, aufgeklappt und geschlossen, ausgerichtet werden“, sagt Just. Da gebe es noch einiges zu verbessern. Die im Herbst kommende zehnte Version von Googles Handy-Betriebssystem Android soll mit der neuen Technik umgehen können. Sie soll etwa den nahtlosen Übergang einer Anwendung von der kleinen auf die große Anzeige meistern. Beispiel: Auf dem kleinen Außendisplay läuft ein Video im Vollbild. Wird das Gerät nun aufgeklappt, läuft die Wiedergabe unmittelbar und in der richtigen Auflösung auf dem größeren Bildschirm weiter.

Trotz aller Startschwierigkeiten sieht Just gute Chancen für die Falt-Smartphones: „Viele Aktionen beginnen ja auf dem Smartphone, aber der Bildschirm ist dann zu klein, etwa um Fotos oder Landkarten intensiv zu betrachten oder Videos länger zu schauen“.

Die ersten verfügbaren Geräte am Markt seien noch viel zu teuer, doch die nächsten drei Jahre würden zeigen, wie sich das Konzept bewähre und wie die Geräte im täglichen Betrieb nach tausenden Klappvorgängen aussähen, so Just. In jedem Fall seien die faltbaren Smartphones eine Innovation, auf die die Branche seit mehreren Jahren gewartet hatte.

Neben Samsung, Huawei und Royole arbeiten viele weitere Hersteller wie Lenovo, Oppo oder Xiaomi an faltbaren Geräten. Marktforschern zufolge dürften sie in den nächsten fünf Jahren noch ein Nischenprodukt bleiben. Das Marktforschungsunternehmen Gartner sagt für das Jahr 2023 rund 30 Millionen verkaufte Foldables weltweit voraus. Im Vergleich zu erwarteten Verkäufen von rund zwei Milliarden Smartphones wäre das wenig.

Christian Just glaubt dennoch, dass die Technologie Erfolg haben wird: „Als Erstes ist man beeindruckt, wenn sich der Bildschirm nur durch Aufklappen gefühlt fast verdoppelt. Die Chancen der Technik sind enorm, aber die Preise müssen sinken, und es braucht gute Ideen.“ Den Kauf der ersten verfügbaren Geräte könne er noch nicht empfehlen, da die Kombination aus klassischem Smartphone und Tablet günstiger sei. Wenn sich das ändere, könnten Tablets aber überflüssig werden.

(dpa)