Facebook will seinen Messenger mit Whatsapp und Instagram verknüpfen

Milliarden Nutzer betroffen : Facebook will seine Chat-Dienste verknüpfen

Der Internet-Konzern plant, den Nachrichtenaustausch zwischen dem sozialen Netzwerk, Whatsapp sowie Instagram zu ermöglichen.

Facebook will seine Chat-Dienste Whatsapp und Messenger sowie die privaten Nachrichten, die sich Nutzer der Fotoplattform Instagram schicken können, laut Medienberichten technisch verbinden. Das Online-Netzwerk bestätigte der „New York Times“ und der „Financial Times“, dass es Überlegungen in diese Richtung gibt. Derzeit gebe es interne Diskussionen darüber, wie das am besten umzusetzen sei.

Den Nutzern sollen gemäß den Plänen zwar weiterhin verschiedene Apps angeboten werden. Die Anwendungen würden aber auf einer gemeinsamen technischen Infrastruktur laufen, schreiben die beiden Zeitungen unter Berufung auf Beteiligte. Bisher sind die Systeme weitgehend voneinander getrennt. In Zukunft könnten Nutzer eine Nachricht zum Beispiel direkt von Instagram zu Whatsapp schicken.

Der Umbauplan werde von Facebook-Chef Mark Zuckerberg persönlich vorangetrieben, hieß es. Die Gründer von Whatsapp und Instagram, die nach der Übernahme ihrer Unternehmen durch Facebook zunächst weitgehend eigenständig agieren konnten, hatten im vergangenen Jahr alle den Online-Konzern verlassen. Laut Berichten soll es Spannungen mit Zuckerberg gegeben haben, der verstärkt in die Führung der Dienste eingegriffen habe.

Die drei Plattformen haben jeweils mehr als eine Milliarde Nutzer. Facebook kommt nach eigenen Angaben allein auf mehr als 2,2 Milliarden aktive Mitglieder. Das Wachstum hat sich allerdings zuletzt deutlich verlangsamt, während die Nutzerzahlen der Chat-Dienste weiter steigen.

Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, bei der nur die Gesprächspartner Zugang zum Inhalt einer Unterhaltung haben, setzt derzeit in der Facebook-Welt nur Whatsapp standardmäßig ein. Beim Facebook Messenger kann man sie zum Austausch vertraulicher Informationen zuschalten. Beim Abgang der Whatsapp-Gründer Brian Acton und Jan Koum hatte es noch geheißen, sie hätten sich gegen Pläne zur Aufweichung der Verschlüsselung stemmen müssen. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung – die auch andere Chat-Dienste wie Signal, Wire oder Apples iMessage standardmäßig einsetzen – stößt zugleich bei Sicherheitsbehörden wie der US-Bundespolizei FBI auf Widerstand, weil sie dadurch schlechter an Nachrichten von Verdächtigen herankommen.

Ein ehemaliger Facebook-Manager sagte der „Financial Times“, Zuckerberg wolle verschiedene Dienste des Konzerns zu einer Art „­Whatstabook“ vereinen, um das Wachstum anzukurbeln. Während die Verschlüsselung den Schutz der Daten verbessern würde, sei das wahre Ziel von Facebook vermutlich, an mehr Kontaktdaten heranzukommen, um neue Nutzer zu finden, erklärte er.

Eine gemeinsame Infrastruktur würde einen tiefgreifenden Eingriff in die heutige Funktionsweise der betroffenen Dienste bedeuten. So ist Whatsapp von Beginn an auf die Erfassung weniger Nutzerdaten ausgelegt und erfordert nur die Telefonnummer des Smartphones. Bei Facebook, dem Facebook Messenger und Instagram hingegen legen Nutzer Konten an.

Eines der Versprechen bei der Übernahme von Whatsapp für 19 Milliarden Dollar im Jahr 2014 war, dass die Nutzerdaten weiter getrennt bleiben. Einige Jahre später kündigte Facebook dann an, man wolle die Telefonnummern zwischen dem Mitteilungsdienst und Facebook abgleichen. Das würde es zum Beispiel erlauben, Whatsapp-Nutzer bei Facebook zu finden. Die Idee stieß auf Widerstand von Datenschützern und wurde in Europa ausgesetzt. Die EU-Kommission überzog Facebook 2017 mit einer Strafe von 110 Millionen Euro, weil das Online-Netzwerk bei der Anmeldung der Übernahme noch behauptet hatte, die Daten der beiden Systeme zu verknüpfen, sei technisch nicht möglich.

Eine Zusammenlegung der technischen Infrastruktur hinter den Chat-Funktionen würde zugleich eine Zerschlagung von Facebook erschweren. In der Politik kommen insbesondere seit dem Datenskandal um Cambridge Analytica immer wieder Forderungen auf, Facebook müsse gezwungen werden, sich von den Messaging-Diensten zu trennen. So betonte der demokratische US-Kongressabgeordnete Ro Khanna nach den Medienberichten, die Übernahmen von Instagram und Whatsapp hätten wettbewerbsrechtlich viel härter geprüft werden müssen. „Stellen Sie sich vor, wie anders die Welt aussehen würde, wenn Facebook mit Whatsapp und Instagram konkurrieren müsste“, schrieb der Politiker beim Kurzmitteilungsdienst Twitter.

Facebook versucht derweil, die Politik zu besänftigen. Geschäftsführerin Sheryl Sandberg war gerade erst auf einer Tour in Europa, die sie unter anderem zum Weltwirtschaftsforum in Davos führte. Zuckerberg verteidigte Facebooks Geschäftsmodell Ende der vergangenen Woche in einem Gastartikel im „Wall Street Journal“. Nick Clegg, ehemaliger britischer Vize-Premierminister und aktuell der Politik-Chef des sozialen Netzwerks, zeigte sich in Brüssel offen für die Regulierung seines Unternehmens. Facebook bereite sich darauf vor, in jenen Bereichen, in denen es für ein Privatunternehmen keinen Sinn ergebe, selbst Regeln aufzustellen und mit Regierungen zusammenzuarbeiten.

(dpa)
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