Facebook kann trotz aller Probleme milliardenschwere Profite vorzeigen

Trotz aller Krisen : Facebook bleibt milliardenstark

Dem Umsatz und den Nutzerzahlen des sozialen Netzwerks machen die anhaltenden Kontroversen nicht zu schaffen.

Facebooks Profiten tun die schlechten Schlagzeilen der vergangenen Wochen keinen Abbruch. Das ist an den Zahlen, die das Unternehmen veröffentlicht hat, abzulesen. Im Weihnachtsquartal steigerte das soziale Netzwerk laut eigenen Angaben seinen Umsatz im Jahresvergleich um 30 Prozent auf umgerechnet 14,8 Milliarden Euro. Die Zahl der Nutzer, die mindestens einmal im Monat auf der Plattform vorbeischauten, sei innerhalb von drei Monaten um rund 50 Millionen auf 2,3 Milliarden gewachsen. Täglich verzeichne ­Facebook 1,5 Milliarden Besucher.

Nimmt man alle Anwendungen des Unternehmens zusammen, kommt Facebook laut eigenen Angaben auf rund 2,7 Milliarden Nutzer. Dazu gehören der Kurznachrichtendienst WhatsApp und die Fotoplattform Instagram. Das Unternehmen kündigte an, dass es in Zukunft viel stärker diese Zahl in den Vordergrund stellen werde. WhatsApp und Instagram haben laut Facebook jeweils mehr als eine Milliarde Nutzer.

Firmenchef Mark Zuckerberg bestätigte, dass der Konzern vorhabe, die Kurznachrichtendienste ­WhatsApp und Facebook ­Messenger sowie die Nachrichten-Funktion von Instagram zusammenzulegen. Dabei sollten Unterhaltungen unter Nutzern besser verschlüsselt werden, sagte er. Aktuell verschlüssele nur ­WhatsApp seine Nachrichten, so dass nur Absender und Empfänger die Inhalte lesen könnten. Diesen Plan wolle das Unternehmen jedoch nicht vor 2020 umsetzen. Vor allem in Europa sehen Datenschützer eine Zusammenlegung von Daten aus verschiedenen Diensten als Problem.

Unterm Strich erwirtschaftete Facebook im vergangenen Quartal einen Rekordgewinn von rund sechs Milliarden Euro. Ein Vergleich mit den 3,7 Milliarden Euro Gewinn vor einem Jahr ist nicht aussagekräftig, weil damals die einmalige Abgabe auf Auslandsgewinne im Zuge der US-Steuerreform den Überschuss drückte. Facebook hatte zum Quartalsende Geldreserven von 35,7 Milliarden Euro.

Die Zahlen seien besser ausgefallen als erwartet, hieß es von Analysten. Die Börse habe mit einem Plus von mehr als elf Prozent reagiert. Das habe Anleger mehr als erstaunt, berichtete der Finanzdienstleister Bloomberg, da Facebook derzeit unter anderem wegen Verstößen gegen den Datenschutz und Problemen im Kampf gegen Manipulation und Propaganda so stark in der Kritik stehe wie nie zuvor. Zuletzt erregte das Unternehmen ungewollte Aufmerksamkeit, als sich herausstellte, dass der Konzern sich mit einer Marktforschungs-App Zugriff auf den nahezu kompletten Datenverkehr der Smartphones einer Nutzergruppe verschafft hatte.

In Europa hatte Facebook laut eigenen Angaben zum Jahresende 381 Millionen aktive Nutzer. In den Quartalen davor war die Nutzerzahl von 377 auf 375 Millionen zurückgegangen. Der Konzern hatte das unter anderem mit der Umstellung durch die EU-Datenschutzgrundverordnung begründet. In den USA sei die Nutzerzahl gleichgeblieben. Das stärkste Wachstum habe es in Indien, Indonesien und auf den Philippinen gegeben.

Der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer stieg nach Angaben des Unternehmens innerhalb von drei Monaten von 5,3 auf 6,4 Euro. Er sei am höchsten in den USA und Kanada mit 30,3 Euro pro Nutzer. In Europa komme Facebook auf Erlöse von 9,6 Euro pro Nutzer.

Der Konzern warnte in seiner Mitteilung auch ein weiteres Mal, dass sich das Umsatzwachstum in diesem Jahr vermutlich verlangsamen werde. Gerade auf Instagram würden die sogenannten Stories immer beliebter, teilte Zuckerbergs Unternehmen mit.

Als Stories werden Beiträge auf ­sozialen Medien bezeichnet, die nach 24 Stunden wieder gelöscht werden. Diese Beiträge können Bilder oder Videos enthalten und lassen sich so einstellen, dass nur bestimmte Personen, etwa enge Freunde, sie einsehen können. Bei Instagram griffen rund 500 Millionen Nutzer auf die Stories zu. Bei dieser Funktion sei es jedoch schwieriger, Werbung anzuzeigen als auf Facebooks Hauptplattform. Inzwischen schalteten dennoch zwei Millionen der insgesamt sieben Millionen Werbekunden des Unternehmens auch Anzeigen in den ­Stories, ergänzte das Unternehmen.

(dpa)