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Es gibt keine einheitlichen Regeln bei Gütesiegeln für Online-Shops

Käuferschutz beim Online-Handel : Ärger mit gefälschten Gütesiegeln

Die meisten Deutschen vertrauen beim Online-Einkauf auf Prüfzeichen, obwohl diese nicht einheitlich geregelt sind.

Über 60 Millionen Menschen in Deutschland kaufen laut dem Internet-Statistikportal Statista Waren und Dienstleistungen in Online-Shops wie Amazon, Zalando oder Otto ein. Der elektronische Handel, auch E-Commerce genannt, erreicht einen Umsatz von über 50 Milliarden Euro im Jahr. Im Internet einzukaufen, ist aber auch mit Risiken für Kunden verbunden. Was passiert bei Problemen mit der Lieferung oder dem Produkt? Vertrauen spielt eine große Rolle im E-Commerce. Gütesiegel sollen das garantieren. Allerdings gibt es keinerlei gesetzliche Regelungen für die Gütezeichen.

Wie glaubwürdig solche Prüfsiegel wirken, hat die Hochschule Fresenius in Hamburg zusammen mit dem Internet-Statistikportal Statista untersucht. Das allgemeine Vertrauen der Kunden gegenüber Gütezeichen ist hoch, lautet ein Ergebnis. Bei der Untersuchung konnten die Befragten von 0 (kein Vertrauen) bis 100 (höchstes Vertrauen) wählen. Das Ergebnis aller Befragten lag zwischen 64 und 84. Gerade bei unbekannten Online-Shops verlassen sich die Verbraucher auf die Zeichen. Je mehr Gütesiegel ein Online-Shop vorweisen kann, desto eher gewinnt er das Vertrauen von Verbrauchern, zeigt die Untersuchung.

Mit 80 Prozent ist laut Verbraucherreport des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) Stiftung Warentest das Gütesiegel, dem die meisten Deutschen vertrauen. 96 Prozent der Bundesbürger kennen die Stiftung, so der VZBV. Sie testet laut eigener Aussage Waren und Dienstleistungen nach wissenschaftlichen Methoden. Ein gutes Urteil könne den Umsatz eines Produkts fördern, weshalb es Unternehmen gebe, die mit irreführenden oder falschen Ergebnissen werben. Bei rund 300 Fällen pro Jahr treffe das auf das eigene Siegel zu, so die Stiftung Warentest. Auch bei Online-Shops seien der Kreativität keine Grenzen gesetzt: veraltete Urteile, unleserliche Schrift oder Werbung mit rein positiven Aspekten, ohne auf das negative Gesamturteil hinzuweisen. Mit Nachtests versuche die Stiftung Warentest, gegen Betrüger vorzugehen, die mit ihrem Markenzeichen werben.

Siegelklarheit.de ist eine Initiative der Bundesregierung, um die Gültigkeit von Siegeln zu überprüfen. Betreiber der Seite ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Auf Siegelklarheit.de kann gezielt nach einem Gütezeichen gesucht werden. Zudem wird jedes Siegel auf der Seite genau beschrieben und bewertet. Derzeit sind 89 Gütezeichen dort zu finden. Siegelklarheit gibt es auch als App für Android- und iOS-Geräte.

Die Verbraucher Initiative e.V. hat das Portal www.label-online.de gegründet. Die Seite informiert über in Deutschland genutzte Öko-, Sozial- und Dienstleistungslabel und wird vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz gefördert. Rund 700 Labels, darunter Umweltkennzeichen, Prüfzeichen, Gütesiegel und Eigenmarken, werden bewertet. Zu jedem Siegel gibt es eine Erklärung. Die Bewertung reicht von „besonders empfehlenswert“ bis „nicht empfehlenswert“. Untersucht wird etwa, welchen Anspruch Labels formulieren, wie unabhängig ihre Vergabe ist, welche Kontrollen vorgesehen sind und wie transparent dieser Prozess für Verbraucher ist. Label-online ist auch als App für Android, iOS und Windows erhältlich.

Außerdem kann der Verbraucher mit einem Mausklick auf das Gütesiegel des Online-Shops überprüfen, ob es rechtmäßig verwendet wird. Danach wird er auf die Seite des Siegelgebers weitergeleitet, auf der das gültige Prüfzertifikat angezeigt wird. Dieses Zertifikat verweist auf den geprüften Online-Shop und bietet Informationen über die Gültigkeit, Zertifizierung und wie geprüft wurde. Kann das Siegel nicht angeklickt werden oder führt die Weiterleitung auf eine Seite, die nichts mit dem bisherigen Online-Shop und dessen Gütesiegel zu tun hat, könne es sich um eine Fälschung handeln, so die Verbraucherzentrale.

Bisher wurde noch kein einheitliches Siegel für den Online-Handel geschaffen. Die Initiative D21 der deutschen Wirtschaft arbeitet mit dem Bundesministerium für Wirtschaft zusammen, um Qualitätskriterien für Online-Shops festzulegen. Laut D21 werden auf
www.internet-guetesiegel.de die Gütesiegelanbieter angezeigt, die sich verbindlich verpflichtet haben, nach diesen Kriterien zu prüfen. Dazu gehören Trusted Shops Guarantee, S@fer Shopping vom TÜV Süd, Internet privacy standards und das wissenschaftliche Institut für Handel (EHI).