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Mehr Privatsphäre
Mehr Sicherheit beim Surfen mit Firefox

Wer sich ein wenig Zeit nimmt, Firefox mit Erweiterungen zu bestücken, erhält zusätzliche Funktionen, die für mehr Privatsphäre sorgen. 
Wer sich ein wenig Zeit nimmt, Firefox mit Erweiterungen zu bestücken, erhält zusätzliche Funktionen, die für mehr Privatsphäre sorgen.  FOTO: dpa-tmn / Robert Günther
Berlin. Erweiterungen für Mozillas Web-Browser schützen Nutzer vor Spionage und Schadprogrammen. Von Benjamin Krüger (dpa)

Der Webbrowser Firefox, den die Mozilla-Stiftung entwickelt, ist eine gute Alternative für alle, die nicht auf die vorinstallierten Browser bei Windows und Mac zurückgreifen wollen oder Googles Chrome nicht trauen. Mozilla verspricht zwar, viel für Privatsphäre und Sicherheit zu tun. Mit den richtigen Browser-Erweiterungen können Nutzer da allerdings noch nachhelfen.


Werbung auf Webseiten kann nicht nur nerven. In manchen Fällen sei sie auch gefährlich, sagt Matteo Cagnazzo vom Institut für Internet-Sicherheit in Gelsenkirchen. „In Online-Werbung können Schädlinge untergebracht sein, die automatisch heruntergeladen werden.“ Besonders auf zwielichtigen Seiten oder illegalen Download-Portalen sei mit dieser Gefahr zu rechnen. Einfach behelfen könnten sich Nutzer hier mit der Erweiterung uBlock Origin. Cagnazzo zufolge hat dieses Add-on einen geringen Speicherbedarf und belastet den Computerprozessor nur wenig.

Fortgeschrittene Nutzer können auch auf sogenannte Skript-Blocker zurückgreifen. Skripte sind Computerprogramme, die eine Abfolge mehrerer Befehle ausführen und im Netz zum Beispiel der Darstellung von Webseiten und Werbung dienen. Es gibt jedoch auch schädliche Skripte, die Nutzer ausspähen oder Sicherheitslücken haben. uMatrix ermöglicht die Analyse und Blockade solcher Skripte und anderer Anfragen aus dem Netz. Auch die Erweiterung ­­NoScript ­­Security ­Suite stellt zum Beispiel sowohl Skripte als auch Flash ab, das oft für Werbung, Videos und kleine Spiele im Web zum Einsatz kommt, und erhöht so die Sicherheit. Dieses Vorgehen hat allerdings auch Nebenwirkungen. Einige Internetseiten funktionieren ohne Skripte nicht wie gewohnt. Anmeldeformulare verschwinden etwa, oder Videos lassen sich nicht mehr abspielen. Jo Bager vom Computer-Fachmagazin „c’t“ empfiehlt diese Erweiterungen deshalb nur Nutzern, die auch bereit sind, die nötigen Feinabstimmungen vorzunehmen.



Werbedienstleister verstecken in ihren Anzeigen oft auch sogenannten Tracking-Werkzeuge, die Besucher einer Webseite genau registrieren und über die Zeit komplexe Nutzerprofile anlegen. Daher ist es kein Zufall, wenn beispielsweise nach dem Besuch einer Angel-Webseite auf der nächsten besuchten Homepage Werbung für Angel-Produkte erscheint. ­PrivacyBadger soll diese Art der Werbespionage verhindern.

Cookies sind kleine Textdateien, die beim Besuch einer Webseite auf dem Gerät des Anwenders gespeichert werden. Darin sind zum Beispiel Angaben zu den Spracheinstellungen des Nutzers vermerkt, damit dieser beim nächsten Besuch der Seite alles wie gewünscht vorfindet. Durch Cookies lassen sich aber ebenfalls Nutzerprofile anlegen, die Gewohnheiten undKonsumverhalten nachvollziehbar machen. Die Firefox-Erweiterung Cookie ­AutoDelete löscht die Dateien automatisch. Auch die Privatsphäre-Einstellungen des Browsers bieten die Möglichkeit, den Umgang mit Cookies zu regeln.

Gerade bei der Verwendung wichtiger persönlicher Daten ist es wichtig, dass die Internetverbindung verschlüsselt ist. Viele Webseiten bieten diese Sicherheitsmaßnahme an, sie ist erkennbar am „https“ in der Adresszeile im Browser. Bei „http“ handelt es sich um eine unverschlüsselte Verbindung. Firefox steuert jedoch nicht in allen Fällen die verschlüsselte Variante eine Internetseite an. Cagnazzo empfiehlt daher HTTPS Everywhere. Die Erweiterung ruft, wenn möglich, automatisch die sichere Verbindung zu einer Homepage auf.

Mozilla selbst bietet für Firefox die Zusatzfunktion ­Multiple ­Account Container an. Damit lässt sich jeder Tab im Browser von den anderen Tabs abschotten. Das ermöglicht etwa, sich bei dem selben Online-Dienst mit zwei verschiedenen Nutzerkonten gleichzeitig anzumelden. Auch um private und berufliche Aktivitäten zu trennen, ist das Add-on sinnvoll. Bager empfiehlt in dem Zusammenhang auch die Erweiterung „Facebook Container“. Sie hindere das soziale Netzwerk daran, nachzuvollziehen, welche anderen Internetseiten der Nutzer ansteuert.

Die Server, auf die Webbrowser zugreifen, um Netz-Inhalte anzuzeigen, sind in der ganzen Welt verteilt. Sogenannte Content Delivery Networks lenken den Datenverkehr so über den Globus, dass möglichst keine Staus auf den weltweiten Datenautobahnen entstehen. Einige der verwendeten Server können aber auch in Ländern mit zweifelhaften Sicherheitsbestimmungen liegen. Die Erweiterung ­Decentraleyes achtet darauf, möglichst Anbieter in der in der Nähe des Nutzers anzusteuern und so Risiken zu reduzieren.

Unter addons.firefox.org sind alle Plugins zu finden oder über den Firefox-Browser direkt zu installieren. Jo Bager weist aber darauf hin, dass jede Erweiterung auch Auswirkungen auf die Darstellung von Internetseiten haben kann. Das mache es eventuell nötig, die Einstellungen der Add-ons anzupassen.