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Entscheiden Darmbakterien über die Lebensdauer?

Am Türkisen Killifisch untersuchen Biologen biologische Prozesse des Alterns. Foto: Vinken/MPG
Am Türkisen Killifisch untersuchen Biologen biologische Prozesse des Alterns. Foto: Vinken/MPG FOTO: Vinken/MPG
Köln. Biologen des Kölner Max-Planck-Instituts für Alternsforschung entdecken einen verblüffenden Effekt bei der Untersuchung des Türkisen Killifischs.

Köln (np) Der Türkise Killifisch lebt sein Leben im Zeitraffer. Die Tiere durchlaufen in wenigen Wochen die Entwicklung von der Larve zum Greis. Ihre Haut verliert ihre Pigmente, die Tiere bauen körperlich und mental ab, bekommen Krebs. Mit anderen Worten: Sie kämpfen mit Alterserscheinungen wie viele andere Lebewesen, nur verläuft der Prozess bei íhnen rasend schnell. Weil der Fisch die kürzeste Lebenserwartung aller im Labor gezüchteten Wirbeltiere hat, untersuchen Wissenschaftler an ihm weltweit Auslöser und Folgen des Alterns.


Forscher des Max-Planck-Instituts für Alternsforschung in Köln haben nun herausgefunden, dass Darmbakterien ihre Lebenserwartung beeinflussen. Alte Tiere seien länger aktiv geblieben und hätten länger gelebt, wenn sie Darmbakterien junger Artgenossen erhielten.

Die Darmflora des Türkisen Killifischs ähnelt in vieler Hinsicht der des Menschen, erklären die Forscher. Im Alter verändere sich bei den Fischen, ganz ähnlich wie beim Menschen, die Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaft im Darm. Während in jungen Tagen viele verschiedene Bakterienarten den Darm besiedeln, schrumpfe diese Vielfalt im Alter und die Zahl der Krankheitserreger nehme zu, erklären die Wissenschaftler um Dario Valenzano.



Wenn mittelalten Killifischen Darmbakterien von Jungtieren übertragen wurden, seien sie auch im für diese Spezies greisen Alter von 16 Wochen noch agil wie Jungtiere gewesen. Wie genau Mikroben die Lebensdauer eines Organismus beeinflussen, ist nicht bekannt, erklären die Forscher. Möglicherweise könne ein alterndes Immunsystem die Mikroorganismen im Darm auch schlechter schützen, sodass mit der Zeit Krankheitserreger überhand nehmen. "Die Darmflora aus einem jungen Organismus könnte dies verhindern, indem sie das Immunsystem unterstützt und Entzündungen blockiert", vermutet Valenzano.