Elektronische Patientenakte und E-Rezept von Mehrheit erwünscht

Digitalverband Bitkom veröffentlicht Studie : Internet verändert den ärztlichen Alltag

Bald könnten Ärzte Rezepte digital übermitteln. Der Digitalverband Bitkom hat die Akzeptanz hierfür untersucht.

Wird nach dem Arztbesuch ein Rezept ausgestellt, geht es damit meist zur nächstgelegenen Apotheke oder es wird an eine Online-Apotheke geschickt. Das elektronische Rezept (E-Rezept) soll die Übermittlung von ärztlichen Verordnungen auf Papier ablösen. Der Informationsaustausch zwischen Arzt, Patient, Apotheke und Krankenkasse verläuft dann vollständig elektronisch. Jeder zweite Deutsche hat laut einer Studie des Digitalverbandes Bitkom keinen Zweifel daran, dass das eine gute Idee ist.

Zwei Drittel wollen das E-Rezept sowie die elektronische Patientenakte nutzen. Besonders hoch sei die Bereitschaft bei den 16- bis 29-Jährigen mit 74 Prozent. Aber auch in der Altersgruppe 65 und älter würden sechs von zehn Befragten auf die E-Akte zugreifen, lautet ein Ergebnis. Die Befürworter wollen dabei mehr als nur die Speicherung der gesamten Behandlungshistorie nutzen, auch Funktionen, wie ein digitaler Impfpass, ein digitaler Medikationsplan mit automatischer Wechselwirkungsüberprüfung sowie ein Vorsorgeplaner sehen sie als wünschenswert. Das wichtigste Kriterium bei E-Rezepten und E-Akten sei für die Teilnehmer der Studie die Datenhoheit. 61 Prozent der Deutschen verlangten Kontrolle über ihre Daten, 59 Prozent legten großen Wert auf Datenschutz und Datensicherheit.

Laut der Bitkom-Studie bringen neben E-Rezepten auch Gesundheits-Apps den Nutzern einen Mehrwert. Jeder zweite Deutsche ist der Meinung, mit Hilfe dieser Anwendungen seine Fitness verbessert zu haben. Zudem bewege sich ein gleicher Anteil der Befragten aufgrund der Apps mehr und habe ein größeres Wissen über den eigenen Körper und Gesundheitszustand. Zusätzlich ernähre sich jeder Dritte dadurch gesünder. Zu diesem Ergebnis kommt auch die Hochschule Fresenius in Köln bei ihrer Studie „Wearables und Gesundheits-Apps – Motive, Konsequenzen und Herausforderungen“. Bei der Erhebung wurde untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen Gesundheits-Apps und einem besseren Wissen über die eigene Gesundheit gibt. Die über 500 Teilnehmer haben angegeben, aufgrund der Apps sportlicher zu sein und stärker auf eine gesunde Ernährung zu achten. Studiendekan Thomas Teyke von der Hochschule Fresenius betont jedoch: „Nutzer kennen zwar häufiger ihren Blutdruck, aber Blutzucker- und Cholesterinwerte sind nur etwa jedem Fünften bekannt und damit nicht häufiger als den Nicht-Nutzern.“

Dabei bietet laut Bitkom die digitale Technik mehr Möglichkeiten für die Prävention, Diagnose und Behandlung von Krankheiten. Ein Beispiel sei Diabetes. Laut Bundesministerium für Gesundheit (BMG) leiden in Deutschland 7,2 Prozent aller Erwachsenen im Alter von 18 bis 79 Jahren an der Krankheit. Viele Diabetiker nutzen Gesundheits-Apps, die sie zum Beispiel regelmäßig an die Einnahme ihrer Medikamente erinnern, sagt das BMG. Solche Programme könne sich der Patient in Zukunft auch auf Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung von seinem Arzt verschreiben lassen. Zwei von drei Befragten der Bitkom-Studie würden solche Apps ebenfalls nutzen.

Doch nicht jede App sei für jeden Diabetiker geeignet, betont die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG), die laut eigener Aussage mit über 9000 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland ist. Um die passende Anwendung zu finden, hat die DDG zusammen mit vier weiteren Diabetes-Hilfsorganisationen die Initiative „Diadigital“ gegründet. Dabei handelt es sich um ein Qualitätssiegel für Diabetes-Apps, das den tatsächlichen Nutzen der Anwendung für Arzt, Patient und Hersteller beurteilt. Sieben Apps haben das Gütesiegel bisher erhalten. Die Bewertung der Anwendungen ist auf der Internetseite www.diadigital.de abrufbar.

Auch die Telemedizin sei eine Verbesserung der medizinischen Versorgung, sagt Bitkom mit Blick auf die eigene Studie. Laut der Bundesärztekammer (BÄK), einer Arbeitsgemeinschaft der 17 Deutschen Ärztekammern, diene die Telemedizin in den Bereichen Diagnostik, Therapie und Rehabilitation sowie Beratung zur schnellen Kommunikation zwischen Arzt, Apotheker und Patienten. Jeder Vierte würde laut Bitkom-Studie für einen ärztlichen Rat per App extra zahlen. Jeder Siebte wäre sogar bereit, 250 Euro für ein Jahres-Abonnement zu zahlen, um sich Online von Medizinern Ratschläge einzuholen. „Vielerorts sind Arztpraxen überlaufen, ältere Patienten sind nur eingeschränkt mobil – aber auf eine ausreichende medizinische Versorgung angewiesen, auch in abgelegenen Regionen. Ergänzend zur Regelversorgung können telemedizinische Angebote den Ablauf im Gesundheitswesen erheblich verbessern“, erläutert Bitkom.

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