Einige unerwünschte Pakete finden derzeit ihren Weg zu Verbrauchern

Verbraucherschützer rätseln : Wenn unerwünschte Pakete an der Haustür landen

So mancher bekommt derzeit überraschend Waren in Kartons von Amazon zugeschickt. Bestellt hat die Sendungen niemand. Wo sie herkommen, ist unklar.

(mtn) Ein kurioser Fall beschäftigt derzeit die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Immer wieder landeten in Briefkästen Pakete mit dem Logo des Amazon-Konzerns, die Waren enthielten, welche die Adressaten nie bestellt hätten. Die Pakete seien nicht aus Versehen verschickt worden, sagen die Verbraucherschützer. Ebenso fehle meist ein Hinweis auf den Absender, obwohl in den Sendungen schon mal ein neues ­Smartphone für 200 Euro liege.

Bislang könnten sowohl die Verbraucherzentralen als auch der Amazon-Konzern über die Hintergründe nur spekulieren. Die Pakete kämen nicht von dem Unternehmen selbst, sondern von Anbietern des Amazon-Marktplatzes, auf dem sich tausende Händler tummeln.

Eine mögliche Erklärung der Verbraucherzentrale lautet so: Händler könnten so angeblich kostengünstig ihr gemietetes Lager bei Amazon leeren. Statt Unverkauftes teuer wieder zurück nach China zu verschiffen, schicken sie es einfach an willkürlich gewählte Adressen in Deutschland. Diese Masche passe zwar auf Billigartikel, jedoch weniger auf gut verkaufte, teure Smartphones.

Nach Ansicht von Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen geht es bei dem Fall gar nicht um die Kunden. Aus dem Verhalten der Absender lasse sich schließen, dass diese die verschickten Waren gar nicht wieder haben wollten.

Amazon selbst versichert, dass der Konzern mit diesen Sendungen nichts zu tun habe. Weder Namen noch Adressen hätten die Verkäufer von Amazon erhalten, heißt es in einer Mitteilung. Händler könnten nicht auf Kundendaten zugreifen, stellte ein Sprecher des Unternehmens klar. Es sei denn, ein Kunde hätte bei dem Anbieter etwas bestellt.

Laut Amazon ist dieses Phänomen nicht neu. Der Konzern erhalte derzeit nicht mehr Beschwerden über unerwünschte Pakete als in den vergangenen Monaten. Es handele sich um Einzelfälle. Oft käme es auch vor, dass Empfänger ein Paket zunächst für unerwünscht hielten und sich beschwerten. Später stelle sich jedoch heraus, dass diese den Artikel doch bestellt hätten, oder dass es sich um ein Geschenk von Freunden oder Verwandten handele. Öfter seien Menschen davon betroffen, deren Adressen frei im Internet zugänglich seien, so Amazon. Das Unternehmen ist laut eigener Aussage bemüht, den Fall aufzuklären. Sollte ein Händler tatsächlich ohne Bestellung Pakete an Kunden verschickt haben, sei dies jedoch äußerst schwierig nachzuweisen, sagt Amazon.

Ein Problem liege für die Empfänger unerwünschter Pakete jedoch nicht vor, darin sind sich Amazon und die Verbraucherzentrale einig. Es handele sich eher um ein Kuriosum. Einige ärgerten sich zwar über diese Sendungen, juristisch habe das aber keine Folgen, versichern die Verbraucherschützer. Wer ein Paket erhalte, dass er nicht bestellt habe, müsse die erhaltene Ware weder bezahlen noch aufbewahren oder zurückschicken.

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