Eine Tresor-Tür schützt die Internet-Wolke

Datenschutz aus deutschen Landen : Eine Tresor-Tür schützt die Internet-Wolke

In der sogenannten Cloud können Nutzer ihre Dateien grenzenlos speichern – bei Web.de und GMX nun auch verschlüsselt.

Musik, Fotos und Filme brauchen viel Speicherplatz. Große Datenmengen bringen den oft knapp bemessenen Speicher des Smartphones an seine Grenzen. Erweitern lassen sie sich, indem die Daten und Anwendungen auf die Festplatten eines Internet-Dienstleisters ausgelagert werden – in die sogenannte Cloud (englisch für „Wolke“).

Die Vorteile dieser Online-Speicher liegen auf der Hand. Der Speicherplatz lässt sich auf diese Weise fast beliebig vergrößern und alle Daten sind unterwegs auf dem Smartphone verfügbar. Voraussetzung dafür ist, dass eine Anwendung, zum Beispiel ein Musik-Player, sich direkt mit dem entsprechenden Speicher verbinden lässt. Die dort abgelegten Dateien lassen sich dann auf dem Smartphone nutzen. So haben Anwender Zugriff auf große Mengen von Dateien, etwa Musik oder Fotos.

Wer seine Daten in Online-Speichern ablegt, geht jedoch auch Risiken ein. Private oder geschäftliche Daten werden in die Obhut eines Dritten gegeben. Der Standort des Cloud-Anbieters entscheidet, welchem Datenschutzrecht die Daten unterworfen sind. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfiehlt Anbieter mit Serverstandort in Deutschland, da hier strengere Datenschutzbestimmungen greifen als zum Beispiel in den USA.

Unternehmen in Deutschland nutzen inzwischen mehrheitlich die Online-Speicher. Laut einer Erhebung des Digitalverbandes Bitkom sind es 65 Prozent. Zwei von drei Unternehmen haben laut Bitkom jedoch keine Strategie, wie sie die Sicherheit ihrer Daten in der Cloud gewährleisten können.

Um die Sicherheitsbedenken privater Nutzer zu zerstreuen, bieten die E-Mail-Dienste Web.de und GMX, die beide zum Unternehmen 1&1 gehören, ihren Kunden nun die Möglichkeit, Daten und Dokumente verschlüsselt im Online-Speicher abzulegen. Das über die Apps GMX Tresor und Web.de Tresor zugängliche Angebot soll einfach zu nutzen sein. Beide Programme sind kostenlos im Google Play Store und im Apple Store erhältlich.

Nachdem Anwender die Apps auf ihrem Smartphone installiert haben, werde im sogenannten Mediencenter des Nutzerkontos ein gesicherter Tresor-Ordner angelegt, in den Dateien hochgeladen werden können, erklärte das Unternehmen. Die Verschlüsselung der Daten erfolge bereits auf dem Smartphone oder Computer, auch die Übertragung sei verschlüsselt. Sowohl unter iOS als auch in Android sei die Datensicherung über die Tresor-Apps nach der Installation bereits in die Optionen des jeweiligen Betriebssystems integriert.

Nach Unternehmensangaben nutzt etwa die Hälfte der rund 35 Millionen Kunden von GMX und Web.de bereits den Online-Speicher ihres Mail-Kontos. Komplett verschlüsselt soll das Speicher-Angebot auch künftig nicht sein. Die Daten-Tresore böten sich etwa für besonders persönliche Dateien wie Rechnungen, medizinische Unterlagen, Verträge, Ausweiskopien oder private Fotos an, so das Unternehmen.

Die in den Tresor hochgeladenen Dateien könnten von GMX und Web.de laut den Anbietern nicht eingesehen werden. Nutzer müssen deshalb ihr bei der Installation der Tresor-Apps angelegtes Passwort gut verwahren. Im Verlustfall wären die im Netz gespeicherten Daten nämlich zwar weiterhin verschlüsselt, aber trotzdem unrettbar verloren.

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