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Eine Stimme für alle

Eine Stimme für alle

LetMeTalk ist eine App, die Doreen Kröber, die Mutter eines autistischen Sohnes, mithilfe von Spezialisten entwickelt hat. Die Anwendung soll unter anderem Autisten und Menschen mit Sprachstörungen dabei helfen, sich im Alltag zu verständigen.

Apps helfen im Alltag und dienen dem Vergnügen. Was der Mutter des heute 14-jährigen Max jedoch lange Zeit fehlte, war eine Anwendung für Unterstützte Kommunikation. Denn Max ist Autist. Autismus bezeichnet eine Entwicklungsstörung, die unter anderem Problemen beim Umgang mit anderen Menschen und bei der Kommunikation beinhaltet. "Es sollte eine App geben, die Autisten die Kommunikation erleichtert und ihnen hilft, sich im Alltag zu verständigen", dachte Doreen Kröber. Denn Autisten fällt es häufig schwer, sich ihrer Außenwelt mitzuteilen und ihre Bedürfnisse und Gefühle in Worte zu fassen.

Im Jahr 2012 recherchierte Kröber auf der Suche nach einer geeigneten App im Netz, wurde jedoch nicht fündig. "Für iPhones gab es einige gute Programme - ich besitze aber ein Android-Handy. Die Anwendungen für Android waren schlecht programmiert, zu aufwendig zu bedienen und zu eingeschränkt in ihren Funktionen", urteilt Kröber. Daraufhin beschloss sie, selbst eine App für ihren Sohn Max zu entwickeln.

Über ihren Internetblog und den Kurznachrichtendienst Twitter mobilisierte sie freiwillige Helfer und fand in dem Programmierer Jens-Uwe Rumstich und dem Grafikdesigner Yoram Blumenberg Unterstützer. Auch Sohn Max wurde aktiv in die Konzeption der App eingebunden. "Er sagte uns, wie die App funktionieren und aussehen sollte", erzählt Kröber. "Er hat die Grafiken und Kategorien ausgesucht, die Betaversionen getestet und war unser größter Kritiker." LetMeTalk (zu Deutsch "Lass mich sprechen") nannte Kröber die über Spenden finanzierte Anwendung, die seit Dezember vergangenen Jahres kostenlos im Google Play Store heruntergeladen werden kann.

Die Applikation unterstützt die Kommunikation in allen Lebensbereichen. Dies funktioniert über eine Datenbank, die mehr als 9000 Bilder enthält. Zwölf Kategorien sind voreingestellt, darunter Satzbau, Essen, Gefühle und Krankheiten.

Will Max einen Apfel essen, klickt er auf die entsprechende Abbildung und eine Computerstimme liest seinen Wunsch vor. Ist er krank, kann er mit den Bildern mitteilen, wo ihn Schmerzen plagen. "Der Aufbau und die Handhabung sind sehr einfach gehalten, damit auch Menschen mit Lernschwierigkeiten die App nutzen können", sagt Kröber.

Eine Besonderheit von LetMeTalk ist die Personalisierung. Jeder Nutzer kann ein eigenes Profil anlegen, das auf seine Bedürfnisse zugeschnitten ist. So kann der Nutzer schnell auf häufig gebrauchte Piktogramme und Formulierungen zugreifen. Zudem ist es möglich, die Datenbank um eigene Bilder, etwa um Fotos von Freunden, und neue Kategorien zu ergänzen.

Das Profil auf dem Handy oder in einem Cloudspeicher zu sichern, hat weitere Vorteile. Einerseits können Nutzer ihr Profil auf verschiedenen Geräten aufrufen. Andererseits kann ein Gerät zu unterschiedlichen Zeiten von mehreren Personen genutzt werden. Letzteres kommt vor allem in Schulen, bei Ärzten und Therapeuten zum Einsatz.

Mit der Fertigstellung von LetMeTalk hat sich für Doreen Kröber ein Herzenswunsch erfüllt. Ursprünglich für Autisten konzipiert, ist das Einsatzgebiet der App nun wesentlich größer als gedacht. Auch Menschen mit Stimm-, und Sprachstörungen können die Anwendung nutzen, die mittlerweile in 16 Sprachen verfügbar ist.

letmetalk-app.blogspot.de