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Totgesagte leben länger
Ein Relikt aus der Steinzeit des Internet

Zu einer Zeit, als Angela Merkel noch mit Guido Westerwelle und Karl-Theodor zu Guttenberg debattierte, wurden Trickfilme und Videos im Internet meist mit der Software Flash Player abgespielt. Angela Merkel ist zwar immer noch Kanzlerin, der Flash Player aber ist ein Auslaufmodell.
Zu einer Zeit, als Angela Merkel noch mit Guido Westerwelle und Karl-Theodor zu Guttenberg debattierte, wurden Trickfilme und Videos im Internet meist mit der Software Flash Player abgespielt. Angela Merkel ist zwar immer noch Kanzlerin, der Flash Player aber ist ein Auslaufmodell. FOTO: dpa / Tajo Gross;scopas Medien Ag
München/Hannover. Der Flash Player von Adobe brachte einst Bewegung in die Online-Welt. Heute ist er vor allem ein Sicherheitsrisiko. Von Maximilian Konrad (dpa)

Internetseiten haben jahrelang Videos, Animationen, Spiele und Werbeanzeigen mit dem Flash Player von Adobe abgespielt. Mittlerweile macht die Software für Multimedia-Inhalte aber hauptsächlich durch ständige Sicherheitslücken von sich reden. Das Programm ist ein beliebter Weg für Kriminelle, Schadsoftware auf Computer zu schmuggeln. Immer wieder warnen Browserhersteller und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) deswegen vor dem Flash Player. „Das Programm ist momentan ein großes Sicherheitsrisiko, da es einen großen Raum für Angriffe schafft“, sagt Ronald Eikenberg vom Computermagazin c’t. „Daher sind Nutzer besser beraten, den Flash Player nicht zu aktivieren.“


Besonders wer veraltete Versionen des Players installiert hat, ist angreifbar. Schon der Besuch einer Webseite mit manipulierten Flash-Inhalten reicht schlimmstenfalls aus, um schädliche Software auf den Computer zu laden, persönliche Daten auszuspionieren oder den Rechner für andere unlautere Aktivitäten zu missbrauchen. Auch aus Datenschutzgründen kann man Flash kritisch sehen: Sogenannte Flash Cookies erlauben es, das Nutzerverhalten auszuspionieren und lassen sich nur schwer entfernen. Und auch der Zugriff von Flash auf Webcam und Mikrofon lässt sich nur schwer regeln.



Viele Nutzer haben den Flash Player als Zusatzprogramm für einen Browser auf ihrem Computer installiert, als sogenanntes Plug-in. Neben den häufig auftretenden Sicherheitslücken gibt es da ein weiteres Problem: Nicht alle Browser halten Flash von allein auf dem neuesten Stand, Nutzer müssen selbst dafür sorgen. Aber es geht auch anders: „Für Google Chrome, den Internet Explorer und Microsoft Edge ist das weniger brisant“, so Eikenberg. „Diese Browser aktualisieren den Flash Player automatisch.“ Bei Windows 10 gehört der Flash zur Grundausstattung.

Für Apple-Nutzer stellt sich die Situation etwas anders dar: Das iPhone, iPad und der iPod touch unterstützen überhaupt kein Flash. Und auf den Mac-Computern des Unternehmens müssen Nutzer Flash in Eigenregie einrichten, wenn sie es denn haben wollen. Dabei stoßen Windows- und Mac-Nutzer aber regelmäßig auf Unannehmlichkeiten: Etwa, dass unachtsame Nutzer bei der Installation von Flash noch weitere Software untergeschoben bekommen.

Meistens geht es auch ohne die Software. Einige Browser blocken gar Flash-Inhalte in den Standardeinstellungen. „Bei Google Chrome und Microsoft Edge werden die meisten Flash-Inhalte erst mal blockiert und bei Firefox kann man diese Funktion zumindest einschalten“, erklärt Ronald Eikenberg. Das BSI rät dazu, den Flash standardmäßig zu deaktivieren.

Aber was ist, wenn man einmal eine Webseite aufruft, die noch nicht ohne Flash funktioniert? „Sollte man wirklich eine Webseite haben, die man unbedingt nutzen will und die es nur mit Flash gibt, dann würde ich die in Chrome oder einem Chrome-basierten Browser angucken“, rät Informatiker Jörg Geiger vom Fachmagazin Chip. Dort kann man Flash dann für diese Seite ausnahmsweise erlauben. Microsoft Edge unter Windows 10 bietet diese Funktion auch.

Aber wenn so viele Stellen von Flash abraten: Wieso ist die Software dann noch so verbreitet? „Letztlich kann man sagen, dass der Adobe Flash Player zur Steinzeit-Technologie gehört“, sagt Ronald Eikenberg. Der Nachfolger ist mit HTML 5 längst da und breitet sich immer weiter aus. HTML 5 wird bereits auf vielen Webseiten für Videos, Audio oder dynamische Grafiken genutzt. Youtube etwa ist ganz ohne Flash nutzbar. Auch Jörg Geiger von Chip sagt: „Die Betreiber von Webseiten haben in den letzten Jahren schon ganz gut auf HTML5 umgestellt, das macht Flash eigentlich überflüssig.“

Kann man Flash also einfach vom Rechner entfernen? Ja, sagt Jörg Geiger. Entwickler Adobe hält dafür ein Deinstallationsprogramm zum Download bereit. Probleme, abgesehen davon, dass manch eine Webseite nicht mehr vollständig funktionieren könnte, bekomme man dadurch nicht. „Flash ist heutzutage für die meisten Anwender nicht mehr notwendig, weil es moderne Webseiten kaum noch einsetzen“, sagt auch Ronald Eikenberg. Eine große Zukunft hat das seit den 90er Jahren aktive Flash ohnehin nicht mehr vor sich. Entwickler Adobe will die Unterstützung für die Plattform Ende 2020 auslaufen lassen.