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Die Zeit der traditionellen SIM-Karte läuft ab

Neue Technologie für Mobilgeräte : Die Zeit der traditionellen SIM-Karte läuft ab

Wer seinen Mobil-Anbieter wechseln wollte, musste bislang umständlich ein Plastikplättchen im Smartphone wechseln. Computer-Chips, die fest in Geräten verbaut sind, sollen das ändern.

Seit Beginn des Handy-Zeitalters begleitet sie den Nutzer: die SIM-Karte. Sie ist zwar im Laufe der Jahrzehnte kleiner geworden, die zugrunde liegende Technik ist dabei aber dieselbe geblieben. Das soll sich jetzt ändern – mit der flächendeckenden Einführung der sogenannten eSIM-Karte. Das e im Namen steht für embedded (eingebaut). Der Name führt also in die Irre, denn eigentlich handelt es sich nicht mehr um eine lose Karte, sondern um einen im Handy fest verbauten Chip, auf dem die gleichen Informationen gespeichert sind wie auf einer traditionellen SIM-Karte. Der größte Vorteil für Mobilfunkanbieter liegt darin, dass sie nicht bei jedem Vertragsabschluss neue SIMs verschicken müssen.

Kunden müssen dementsprechend bei einem neuen Vertrag nicht mehr auf eine neue Karte warten. Es genügt, einen selbst ausgedruckten Barcode abzuscannen. Damit müssen Nutzer beim Vertragsabschluss auch nicht mehr darauf achten, eine SIM-Karte in der zum Mobilgerät passenden Größe zu ordern. Außerdem sollen mit den eingebauten SIMs „intelligente“ Gegenstände aus dem Internet der Dinge leichter auf den Besitzer registriert und miteinander verbunden werden können.

Die Idee ist nicht ganz neu. Schon 2010 wurde sie zum ersten Mal von der GSM Association, der Industrievereinigung der Mobilfunkanbieter, diskutiert, wie das US-Fachmagazin Bloomberg Technology berichtet. Bereits 2012 hat die EU-Kommission beschlossen, dass ab 2018 jeder in der EU gefertigte Wagen über eine solche eSIM verfügen muss. Im Falle eines Unfalls soll über sie eine direkte Verbindung zur nächsten Rettungsstelle aufgebaut werden. Außerdem soll sie es ermöglichen, ein gestohlenes Fahrzeug ausfindig zu machen.

Für Mobilgeräte setzt sich die neue Technologie aber erst jetzt langsam durch. Laut einer Untersuchung des Unternehmensberaters Iskander Business Partners (IPB) hat die stockende Entwicklung zwei Hauptursachen: So hätten die Telekommunikationsunternehmen ein grundsätzliches Interesse daran, Kunden den Anbieterwechsel möglichst schwer zu machen. Wenn Nutzer mit einem neuen Vertrag aber nicht mehr auf die neue SIM in der Post warten müssen, haben sie auch weniger Hemmungen, den Vertrag zu wechseln.

Werner Ballhaus, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC), bestätigt diese Ansicht: „Natürlich nehmen die Hürden beim Anbieterwechsel ab.“ Die Mobilfunkanbieter befänden sich derzeit in der komfortablen Situation, den alleinigen Zugang zu den Daten ihrer Kunden zu haben. „Diese Exklusivität geht künftig verloren“, so Ballhaus.

Der zweite Grund für die schleppende Einführung der eSiMs ist laut der IPB-Untersuchung, dass vernetzte Geräte, die mit der neuen Technologie leichter bedient werden könnten, immer noch nur zögerlich von Industrie und Privatkunden angenommen werden. Bisher seien auf dem deutschen Markt lediglich Samsungs „intelligente“ Uhr Gear S2 und einige Mobilgeräte von Apple nennenswerte Produkte mit eSIM-Technologie, sagt Werner Ballhaus. Amazons Kindle, mit dem digitale Bücher gelesen werden können, besitzt ebenfalls eine elektronische SIM, bei der der Mobilfunkanbieter allerdings nicht gewechselt werden kann.

Einzig Apple und Samsung hätten die eSIM-Entwicklung in letzter Zeit spürbar vorangetrieben, bestätigt Werner Ballhaus. Die beiden Unternehmen hätten dafür unterschiedliche Gründe: „Samsung will zwar genau wie Apple mit eSIMs in erster Linie Platz sparen. Die Vermutung liegt aber nahe, dass Apple außerdem verhindern möchte, dass Nutzer die Geräte zum Wechsel der SIM-Karte öffnen müssen“, so die Einschätzung von Ballhaus. Daher seien Apple lose SIM-Karten ein Dorn im Auge.

Laut Daniel Rottinger vom Telekommunikationsportal teltarif.de wird sich die zurückhaltende Haltung der Hersteller aber in naher Zukunft ändern. So werde Microsoft bei neuen Mobilgeräten verstärkt auf die neuen SIMs setzen. „Sofern sich ausreichend Hardware-Partner finden, könnte eine größere Verbreitung von eSIM-Hardware die Folge sein“, so der Experte. Das sei Teil einer neuen Microsoft-Strategie, bei der Besitzer der hauseigenen Mobilgeräte direkt im Windows-Store ihre Mobilfunkverträge abschließen und bezahlen sollen. Für Verbraucher sei das nicht unbedingt von Vorteil, da der Wettbewerb unter den Anbietern eingeschränkt werde und diese die von Microsoft erhobenen Store-Gebühren direkt an die Kunden weitergeben könnten. Einzig die bessere Vergleichbarkeit der Angebote direkt im Microsoft-Store könne für Nutzer einen Vorteil darstellen, so Rottinger.

Für Werner Ballhaus sind Mobilgeräte aber erst der Anfang: „Da sind noch viele andere Geräte denkbar“, so der IT-Fachmann. Er nennt „intelligente“ Geräte wie vernetzte Kühlschränke als Beispiel. Diese könnten Teil von komplett vernetzten Eigenheimen, sogenannten Smart Homes, werden.

Da auf allen Geräten mit eSIMS persönliche Nutzerdaten gespeichert sind, stellt sich die Frage, wie gut sie gegen Hackerangriffe geschützt sind oder was bei einem Verlust der Geräte passieren kann. „Grundsätzlich bedeuten mehr Geräte natürlich auch mehr Informationen“, so Werner Ballhaus. Das Thema Datenschutz auf eSIMs sieht er dennoch gelassen: „Wenn heute ein Mobilgerät verloren geht, kann der Dieb die SIM-Karte entnehmen und dann sogar einfacher auslesen“, sagt der Experte. In dieser Hinsicht sei die eSIM also eher sicherer als klassische Karten. Cyber-Kriminelle hätten demnach bessere Chancen, entweder die Mobilfunkanbieter direkt anzugreifen oder die Nutzerdaten auf anderem Wege zu erbeuten. „Auf SIM-Karten gespeicherte Daten sind generell besser geschützt als beispielsweise Fotos oder E-Mail-Konten“, sagt Ballhaus. SIM-Karten seien für Hacker daher ohnehin relativ unattraktive Ziele.