Die Wundertüte aus dem Internet

Was mag wohl drin sein? : Die Wundertüte aus dem Internet

Kosmetik, Kleidung, Lebensmittel – immer mehr Anbieter im Netz spezialisieren sich auf Überraschungspakete.

Online-Shopping gehört für viele Menschen mittlerweile zum Alltag. Ganz selbstverständlich bringt der Postbote wenige Tage nach der Bestellung nicht nur Kleider und Schuhe, sondern auch Pflegeprodukte und sogar Lebensmittel an die Haustür. Interessanter wird das Einkaufserlebnis, wenn der Kunde vorher nicht genau weiß, welche Produkte in seinem Paket landen werden – eine Wundertüte für Erwachsene sozusagen.

Was bei Kindern Euphorie auslöst, funktioniert ganz offensichtlich bis ins Erwachsenenalter. Der Anbieter „Glossybox“, der Kunden jeden Monat Pflegeprodukte und Kosmetik zusammenstellt, hat seit der Gründung in Berlin 2011 in zehn Länder expandiert und verschickt monatlich an über 100 000 Abonnenten. Modomoto, ein Anbieter für Kleidungskisten, hat nach eigenen Angaben über 250 000 Kunden. Und im April dieses Jahres hat die Financial Times ermittelt, dass der Anbieter von „Hello Fresh“, einer Box für Nahrungsmittel, das europäische Unternehmen ist, das in den vergangenen Jahren am meisten an Umsatz zugelegt hat.

In der Modebranche heißt das Prinzip der Wundertüte „Curated Shopping“ (etwa: „betreutes Einkaufen“). Nachdem der Kunde online einige Grunddaten wie beispielsweise Körpergröße, Gewicht und Kleidungsgröße angegeben hat, kann er dem Anbieter meist auch persönliche Vorlieben mitteilen. Zum Beispiel, ob er eher nach Business- oder Freizeit-Kleidung sucht, ob er Muster mag oder sich lieber leger kleidet oder ob bestimmte Farben von vorneherein ausgeschlossen sind. Nachdem alle Angaben gemacht wurden, stellt ein Stylist verschiedene Kleidungsstücke und Accessoires zu einer Box zusammen. Sobald der Kunde die Kiste erhalten hat, kann er die Produkte anprobieren und entscheiden, welche ihm zusagen. Er bezahlt dann nur diese, der Rest kann zumeist kostenfrei zurückgesandt werden. In Deutschland bieten beispielsweise modomoto.de, outfittery.de (beide nur für Männer), kisura.de (nur für Frauen) und zalon.de Curated Shopping an.

Selbst frische Lebensmittel können mittlerweile über das Internet bestellt werden. Einige Anbieter stellen ganze Koch-Boxen zusammen, die neben Rezepten alle Zutaten für bestimmte Gerichte enthalten. Diese gehen dabei weit über Standardkost wie Spaghetti Bolognese hinaus. So werden beispielsweise „Provenzalisches Ratatouille“ oder „Gebackener Feta in Sesamkruste“ angeboten. Trotzdem sollen alle Gerichte einfach und schnell zubereitet sein.

Diese Koch-Boxen gibt es beispielsweise bei marleyspoon.de, hellofresh.de, kochhaus.de und kochzauber.de. Die meisten Vertriebe bieten ihren Service als Abo an, Nutzer bekommen also regelmäßig Koch-Boxen zugeschickt. Die Lieferung kann aber auch nach der ersten Kiste wieder gekündigt werden. Damit niemand Gerichte bekommt, die er nicht mag, wird der Überraschungsfaktor bei Koch-Boxen kleiner gehalten: Bei Bestellung wird meist gezeigt, welche Gerichte derzeit versendet werden. Die genauen Zutaten und Informationen zur Zubereitung erhält der Kunde jedoch erst beim Öffnen der Kiste.Die Anbieter versichern, dass frische Zutaten gekühlt und gut verpackt geliefert werden, sodass sie beim Transport weder verderben noch beschädigt werden.

Auch in anderen Bereichen gibt es solche Überraschungsangebote. In sogenannten Beauty-Boxen werden beispielsweise in regelmäßigen Abständen Pflege- und Kosmetikprodukte kombiniert. Diese Schönheitskuren werden meist im Abo angeboten. So erscheinen die Kisten der Anbieter glossybox.de, pinkbox.de und fairybox.de etwa einmal pro Monat.

Weitere Anbieter von Online-Shopping im Überraschungskisten-Prinzip führen unter anderem kulinarische Kleinigkeiten aus aller Welt (vernaschediewelt.de), verschiedene Kaffee- und Teesorten (cuppabox.de) oder Kinderbücher (librileo.de).

Auch wenn die meisten Anbieter einmalige Lieferungen anbieten, sollten Nutzer auf die Geschäftsbedingungen achten, damit nicht versehentlich ein längerfristiges Abonnement abgeschlossen wird. Oft kann dafür bereits ein unachtsamer Klick auf der Webseite ausreichen.

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