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Die Wettervorhersage für die Hosentasche

Wetter-Apps im Test : Die Wettervorhersage für die Hosentasche

Fast jeder Deutsche hat eine Wetter-App auf seinem Smartphone installiert. Zwar sind die meisten davon zu empfehlen, aber nicht alle halten, was sie versprechen.

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung, heißt eine alte Weisheit. Kein anderes Thema ist unter Freunden und Bekannten als Gesprächseinstieg so beliebt wie das Wetter. Auch lässt sich über das Wetter nur schwer streiten. Die einen lieben Regen oder Schnee, andere ziehen einen heißen Sonnentag vor. Fast genauso zahlreich wie die Vorlieben beim Wetter sind mittlerweile Wetter-Apps, die, wenn sie nicht bereits auf dem Smartphone vorinstalliert sind, meist kostenlos heruntergeladen werden können. Die Fachzeitschriften Computerbild und Connect haben eine Reihe Wetter-Apps getestet, einige davon werden hier vorgestellt. Bei kurzfristigen Wettervorhersagen funktionieren alle Apps dabei in etwa gleich gut. Eine getestete App täuscht allerdings detaillierte Vorhersagen für die ferne Zukunft vor, eine andere ist nur für Menschen mit erweiterten meteorologischen Kenntnissen geeignet.

Die erste App, die hier genannt werden soll, ist die
WarnWetter-App, die vom Deutschen Wetterdienst (DWD) entwickelt wurde. Wie der Titel vermuten lässt, geht es den Entwicklern hier vor allem darum, vor heftigen Unwettern zu warnen und somit für mehr Sicherheit der Menschen zu sorgen. Die App warnt vor Gewittern, Stürmen, Hitze, Frost, Glätte und Schneefällen, sowie Tauwetter, Regen und Nebel. Auch die UV-Belastung wird angezeigt. Ab welcher Gefahrenstufe die App dem Nutzer Benachrichtigungen schicken soll, lässt sich einstellen. Doch WarnWetter bietet mit seinem eigenen Vorhersagemodell Icon noch einiges mehr. Icon ist ein vom DWD und dem Max-Planck-Institut entwickeltes Computerprogramm für detailgenaue Wettervorhersagen. Die App bietet zudem Karten, in die sich tief hineinzoomen lässt und Angaben und Prognosen zu Niederschlag, Temperatur und Wind liefert. Außerdem lässt sich der Zeitverlauf über einen Schieberegler simulieren. Allerdings beschränken sich die Vorhersagen auf Deutschland, im Ausland braucht es eine andere App.

Ursprünglich waren alle Funktionen der App kostenlos. Da die
WarnApp aber keine Werbung enthält, klagte die kommerzielle App Wetter Online, die ihrerseits Werbung schaltet, wegen eines unfairen Wettbewerbsvorteils. Im Dezember 2017 urteilte das Landgericht Bonn daher, dass der Deutsche Wetterdienst nur noch die Warnwetter-Funktion kostenlos anbieten darf. Seither kostet die werbefreie Vollversion mit allen Prognose-Möglichkeiten einmalig 1,99 Euro.

Die weitverbreitete App
Wetter Online
, die es seit dem Jahr 1997 gibt, verwendet ebenfalls ein eigenes Wettermodell. Sie punktet vor allem durch ihre Übersichtlichkeit und einfache Bedienbarkeit. Nach der Auswahl des gewünschten Orts zeigt die App die aktuelle Wetterlage, das Wetterradar sowie die detaillierte Vorhersage für acht, beziehungsweise 14-Tage als Grafik. Die Vorhersage für den aktuellen und den folgenden Tag findet der Nutzer stündlich, für die weiteren Tage erhält er zusammenfassende Bereiche wie morgens, mittags, abends und nachts. Eine Besonderheit sind die spezifischen Informationen für Skifahrer mit Schneehöhen und Pistenzuständen sowie detaillierte Pollenfluginformationen für Allergiker. In Videos können sich Nutzer von Reportern über bevorstehende extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen oder Stürme informieren lassen. Neben Wetterrückblicken und Klimaanalysen werden Unwetterwarnungen veröffentlicht. Auch verschiedene Einteilungen gibt es, beispielsweise kategorisiert nach Gesundheitswetter, Segelwetter und Sportwetter. Nutzern bietet die App die Möglichkeit, Bild- und Videomaterial zu senden, das teilweise auch veröffentlicht wird. Seit 2016 können Verbraucher über verschiedene Messengerdienste Wetternachrichten von WetterOnline versenden. Für Analyse und Vorhersage des Wetters, aktuelle Wetterinformationen, Satellitendaten, Radarmessungen und Blitzortung nutzt das Unternehmen Daten und Informationen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) sowie von verschiedenen Dienstleistern. Diese Daten werden bewertet, mit Daten globaler Wettermodelle kombiniert und zusammengefasst.

Eine weitere App ist Wetter.de. Sie wird von der RTL-Gruppe betrieben, die Daten stammen von der Meteogroup. Die App listet übersichtlich eine Vielzahl von Wetterparametern auf. Dass das Programm für volle 14 Tage im Voraus stündliche Vorhersagen mit genauen Angaben zu Temperatur, Regenrisiko, Windstärke oder Luftdruck liefert, erscheint unrealistisch und wenig glaubwürdig. Über einen so langen Zeitraum seien bestenfalls grobe Wettertendenzen vorhersehbar, befand auch die Zeitschrift Connect. Das Regenradar kommt etwas spartanisch daher, es steht zudem auch nur regional zur Verfügung. Für den Startbildschirm werden gleich sechs verschiedene Vorschauen angeboten. Ein besonderes Merkmal von Wetter.de sind die mehr oder weniger nützlichen Profile. Über diese lässt sich nicht nur nachverfolgen, welche Pflanzen gerade ihre Pollen auf die Reise schicken, sondern beispielsweise auch, ob es sich lohnt, abends den Grill anzuwerfen. Gartenfreunde werden zudem darüber informiert, ob sich das Wetter zum Säen von Pflanzen eignet oder eher bewässert werden soll.

Windy ist der Exot unter den Wetter-Apps. Das Programm richtet sich vor allem an Nutzer mit erweiterten meteorologischen Kenntnissen. Im Mittelpunkt steht ein Wetterradar, in dem sich über 30 verschiedene Datenebenen darstellen lassen – nicht nur gängige Größen wie Wind, Luftfeuchte oder Temperatur, sondern auch Parameter wie Frostgrenze, Staubgehalt oder Welleninformationen. In der Karte können Nutzer zudem beliebig hinein- und herauszoomen, bis hin zur Darstellung der Erde als Ganzes. Per Tipp in die Karte lässt sich der Wert für einen bestimmten Ort anzeigen. Auf Wunsch werden anschließend detaillierte Wetter- und Prognosedaten für den ausgewählten Standort angezeigt, die mit optisch aufwendigen Grafiken und Animationen aufgewertet sind. Natürlich kann man auch per Texteingabe nach bestimmten Orten suchen. Was Windy für Profis und Hobbymeteorologen zusätzlich interessant macht, ist die Möglichkeit, das Vorhersagemodell selbst auszuwählen. Zur Wahl stehen das sogenannte amerikanische Wettermodell (GFS), das europäische Wettermodell (ECMWF) und das deutsche Wettermodell (ICON).