Die Stunde der Computer-Uhren

Die Stunde der Computer-Uhren

Computer-Uhren, Fitness-Tracker und Datenbrillen zählen zu den Trends der Internationalen Funkausstellung. Bislang ist der Markt noch weit entfernt davon, die Erwartungen zu erfüllen. Das könnte sich aber bald ändern.

Auf der Internationalen Funkausstellung (Ifa) standen in der jüngsten Vergangenheit immer größer werdende Flachbild-Fernseher im Mittelpunkt - in diesem Jahr drängen kleine Computer-Uhren ins Rampenlicht. Auch die gesamte Geräteklasse der sogenannten Wearables - Technik, die man direkt am Körper tragen kann - zählt zu den heißen Trends . Marktbeobachter sagen ihnen eine goldene Zukunft voraus.

Samsung zeigt in Berlin seine neue Uhr Gear S2, bei der sich der Smartphone-Marktführer erstmals für ein rundes Display entschied, das ein Nutzer aus 26 integrierten Vorlagen selbst wählen kann. Der Bildschirm hat einen Durchmesser von 1,2 Zoll (3 cm). Für den Zugang zu Apps wie Kalender und E-Mail oder Online-Netzwerken ließ sich Samsung etwas Besonderes einfallen: Man steuert sie über einen Ring wie bei einer Taucheruhr am Display-Rand an.

Der Chiphersteller Intel will Sportler anlocken. Die Software des Basis Peak genannten Fitnessarmbandes stammt von der zugekauften Firma "Basis" und funktioniert sowohl mit Android-Handys als auch mit Apples iPhones. Marktforscher sagen den sogenannten Fitness-Trackern eine große Zukunft voraus. Die Geräte messen Körperfunktionen wie Herzfrequenz und Kalorienverbrauch und zählen, wie viele Schritte ihr Nutzer am Tag tut. Zur Verbreitung der Fitnessarmbänder könnten nach Einschätzung von Timm Lutter vom IT-Branchenverband Bitkom auch Krankenkassen beitragen. Die Versicherer diskutierten derzeit über Subventionen für solche Geräte.

Erste Computer-Uhren kamen bereits vor einigen Jahren auf den Markt. Lange blieben die hohen Erwartungen an die Smartwatches unerfüllt. Richtigen Schwung ins Geschäft brachte erst im April die Apple Watch. Sie gilt Marktbeobachtern inzwischen als Messlatte. Nach Berechnungen der Analysefirma IDC setzte Apple im zweiten Quartal 3,6 Millionen Geräte ab, Samsung verkaufte dieser Zeitspanne den Marktforschern zufolge 600 000 seiner Gear-Modelle.

Wer das Rennen letztlich macht hängt längst davon ab, wie einfach die Uhren bedient werden können, wie viel Zusatznutzen sie im Alltag tatsächlich bieten. Und mit welchen Smartphones die Uhren Kontakt aufnehmen können. Nach Einschätzung von IDC hatte sich Samsung seine potenzielle Reichweite selbst eingeschränkt, da die Gear bislang nur mit einigen Top-Smartphones aus dem eigenen Haus läuft. Mit dem Modell Gear S2 ist Samsung über seinen Schatten gesprungen: Sie arbeitet mit allen modernen Android-Smartphones ab Version 4.4 zusammen.

Google trägt den Wettbewerb auf das Feld von Apple und lässt mehrere neue Modelle mit seinem System Android Wear erstmals auch mit iPhones zusammenspielen. Der Funktionsumfang bleibt dabei allerdings schmaler als bei der Ap- ple Watch.

Viele Verbraucher treibe jedoch die Sorge um Datenschutz um, sagte Klaus Böhm von der Beratungsgesellschaft Deloitte. Nach Erhebungen des Bitkom haben 30 Prozent der potenziellen Nutzer von Smartwatches oder Fitness-Trackern Angst vor Datenmissbrauch.

Datenbrillen wie Google Glass sind vom Sprung in den Massenmarkt nach Einschätzung von Bitkom noch weiter entfernt. Abgeschrieben ist die Kategorie aber nicht. Bitkom erwartet bis 2017 weltweit einen Umsatz von etwa drei Milliarden Euro mit den Geräten. Computer-Uhren stehen derzeit im Fokus der Telekommunikationsunternehmen. Am Rande der Internationalen Funkausstellung präsentierte die Lenovo-Tochter Motorola diese Woche die neue Generation der runden Moto 360 in zwei Größen mit 42 und 46 Millimeter Durchmesser. Zusätzlich gibt es eine Frauen- und eine Sport-Version. Das Modell Moto 360 Sport verfügt über einen eingebauten GPS-Empfänger und ermöglicht Sportlern, ihre Aktivität auch ohne ein Smartphone in der Nähe aufzuzeichnen. Motorola tritt mit der Moto 360 in verschärfte Konkurrenz zur Apple Watch.

Die Uhren laufen mit dem Google-Betriebssystem Android Wear. Die Motorola-Entwickler hielten am runden Display fest, weil das die typische und sinnvollste Form für eine Uhr sei, sagte Marketing-Manager Lally Narwal.

Ein halbes Jahr nach ihrer Ankündigung findet nun auch die Smartwatch des Unternehmens Huawei ihren Weg in den Handel. Huawei nennt den 23. September als Verkaufsstart. Die Uhr mit kratzfestem Saphirglas läuft mit Android Wear, das nun auch mit iOS-Geräten kompatibel ist.