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Die Stiftung Warentest hat 15 Wörterbuchprogramme getestet.

Test : Übersetzer-Apps verstehen nur Bahnhof

Stiftung Warentest hat 15 Wörterbuchprogramme getestet. Die beste Software erhielt die Note befriedigend.

Keine Frage in Corona-Zeiten: Bis man wieder in Länder außerhalb Deutschlands reisen darf, wird es sicherlich noch einige Zeit dauern. Doch wer schon jetzt von fernen Zielen träumt, kann aus der Not eine Tugend machen. Wie wäre es damit, schon einmal seine Fremdsprachen-Kenntnisse aufzufrischen? Oder sich parallel mit digitalen Hilfen vertraut zu machen? Viele Übersetzungsapps versprechen jedenfalls schnelle und unkomplizierte Unterstützung beim Übersetzen und das sogar in mehr als 90 Sprachen. Stiftung Warentest, die 15 Apps geprüft hat, ist mit dem Ergebnis allerdings nicht gerade zufrieden. „Die meisten tragen wenig zur Völkerverständigung bei“, lautet das Fazit.

Alle Apps im Test, darunter auch Pons und Google Übersetzer, lassen sich gratis verwenden, einige bieten ihren vollen Funktionsumfang aber nur in der Bezahlvariante. Testbasis waren typische Urlaubsdialoge, die ins Englische, Französische, Italienische, Spanische und Türkische übersetzt wurden. Doch schon bei einfachen Sätzen haperte es oft. Keine App kam über die Note „befriedigend“ hinaus, zudem gab es Probleme mit dem Datenschutz.

Wer sich bislang im Ausland nur mit kleinen gelben oder grünen Übersetzungsbüchern herumgeschlagen hat oder wer beim Essengehen vergebens die Namen der Gerichte in seinem Wörterbuch gesucht hat, erlebt im digitalen Zeitalter eine ganz neue Dimension. Denn wer eine entsprechende App auf seinem Smartphone oder Tablet heruntergeladen hat, ist nur noch einige wenige Berührungen vom fertigen „Übersetzungsprodukt“ entfernt. Ganz gleich in welcher Sprache und in welcher Richtung übersetzt werden soll.

Hinzu kommt, dass auch das Eintippen, das bei längeren Texten recht aufwändig sein kann, nicht erforderlich ist. Denn alle Apps, die von der Stiftung Warentest geprüft wurden, waren in der Lage, sowohl geschriebene Texte als auch ins Handy gesprochene Wörter und Sätze zu übersetzen. Außerdem können einige der Apps wie Google Übersetzer oder iTranslate sogar Texte in Fotos erkennen. Die installierte Kamera ermöglicht es, dass man sein Handy nur noch über den fremden Text bewegen muss und schon erscheinen an selber Stelle die Wörter quasi simultan übersetzt vor demselben Hintergrund. Wer möchte, kann sich die Sätze auch gleich vorlesen lassen, um die richtige ­Aussprache zu erfahren. Oder aber, der Nutzer überlässt bei einem persönlichen Gespräch das Sprechen gleich seinem Mobiltelefon. Dafür einfach den Satz in Deutsch sagen und nahezu zeitgleich erscheint er in der gewünschten Sprache als Text. Oder aber gesprochen in der Landessprache. Dazu reicht es aus, das Mikrofon-Symbol anzutippen.

Als praktisch bewerteten die Tester auch den Offline-Modus. Wenn gerade kein Mobilfunknetz und kein WLAN zur Verfügung stehen oder das Surfen außerhalb der EU sehr teuer wäre, ist es hilfreich, dass manche Apps auch ohne Internetverbindung jeden beliebigen Text übersetzen können.

Doch Stiftung Warentest zeigt auch, wo die Grenzen dieser Übersetzungsangebote sind. Die Tester entdeckten sowohl Beispiele für schwache Grammatik als auch sinnentstellende Übersetzungen. So machte eine App aus dem deutschen Satz „Ich wurde bestohlen“ etwa den englischen Satz „I was stolen“, was allerdings bedeutet: „Ich wurde gestohlen“. Eine andere App übersetzte den Fußball-Begriff „Foul“ mit „Phallus“ – und aus der „Schwalbe“ (dem vorgetäuschten Foul) wurde ein „simulierter Phallus“.

Außerdem stoßen die Apps bei Witzen, bildlicher Sprache und Redewendungen an ihre Grenzen. „Da bist du aber auf dem Holzweg“ übersetzt Google zwar noch gut mit „But you’re on the wrong track“, aber bei der Aussage: „Ich verstehe nur Bahnhof“ und der Übersetzung „I only understand train station“ dürfte ein englischsprachiges Gegenüber zumindest ins Grübeln kommen.

„Niemals kann eine Maschine diesen Job so erfüllen wie ein Mensch“, ist Diplom-Übersetzerin Ilka Schlüchtermann aus Neckargemünd überzeugt. Teilweise denke sie eine Stunde oder auch mal einen Tag über einen Satz oder eine spezielle Wendung nach. Dafür greife sie dann unter anderem auf ihr Kulturwissen und ihren Erfahrungsschatz zurück, um im übersetzten Buch den Sprach- und Kulturraum der Autoren zu bewahren, den Text aber gleichzeitig auch für den Leser in der Zielsprache verständlich zu machen.

Für ihre Übersetzung des Psychothrillers „Verfolgung“ („Pursuit“) der amerikanischen Autorin Joyce Carol Oates 2019 hatte sie für den ersten Satz „What were you telling yourself when it happend?“ fünf unterschiedliche Sätze im Kopf. Erst am Ende des Buches, nach drei Monaten, habe sie gewusst, dass nur der eine Satz wirklich passte, und zwar: „Was ging dir durch den Kopf, als es passierte?“ Zum Vergleich: Die Google-App übersetzt wortwörtlich: „Was hast du dir gesagt, als es passierte?“

Nicht immer helfe daher ein Wörterbuch, ganz gleich ob in guter alter Papierform oder digital. Das zeigte sich, als sie ein passendes Wort für das englische „terrible“ suchte. Allein zehn Vorschläge stehen beim Internetwörterbuch leo.org. „Daher lasse ich mich bei meiner Arbeit auch treiben vom Ton des Autors, vom Stil, von der Zeit – und von meinem Gefühl“, sagt Ilka Schlüchtermann. Das unterscheide Menschen von Maschinen.

Die Autoren von Stiftung Warentest kommen zu dem Ergebnis, dass die Apps trotz enttäuschender Leistungen grundsätzlich nützlich seien. Denn eine mittelmäßige Übersetzung sei schließlich oft besser als gar keine. Allerdings könnten selbst einfache Sätze zur Falle werden, etwa weil den Apps der soziale Kontext fehle oder manche Begriffe doppeldeutig seien. Ein Straßenschild mit der Aufschrift „Fine for Parking“ kann nämlich „Gut zum Parken“ bedeuten. Oder auch: „Geldstrafe fürs Parken.“