Die Schattenseite der Windräder

Die Schattenseite der Windräder

Erneuerbare Energien sind die Zukunft der Menschheit. Doch für die heimischen Fledermausarten entwickelt sich der Traum vom sauberen Strom zum Albtraum. Die Tiere verenden zu Tausenden bei Kollisionen mit den riesigen Rotoren.

Saarbrücken. Die Fledermaus hat hierzulande in den vergangenen Jahrhunderten einen Imagewandel durchlebt. Galt sie im Mittelalter noch als dämonischer Blutsauger und Überträger von Krankheiten, wird sie heute als schützenswerter Teil der heimischen Natur gesehen. Und diesen Schutz hat der fliegende Säuger auch bitter nötig. Denn von den 25 in Mitteleuropa heimischen Arten gelten in Deutschland 17 als gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Das geht aus der Roten Liste der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen hervor.

Diese Bedrohung gefährdet ganze Ökosysteme, da sich die hier vorkommenden Fledermausarten hauptsächlich von Insekten ernähren und einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Nutzpflanzen liefern. Nicht nur durch die Zerstörung ihrer Lebensräume, auch von der ungünstigen Platzierung und Nutzung von Windkraftanlagen kann Gefahr für die nachtaktiven Tiere ausgehen. Das haben jetzt Forscher des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin herausgefunden.

Experten des deutschen Naturschutzbundes schätzen, dass jährlich mehr als 250 000 Fledermäuse nach Kollisionen mit den Rotorblättern der Windräder sterben. Besonders die Weibchen scheinen regelrecht von diesen Windparks angezogen zu werden. Die Gründe hierfür sind noch kaum untersucht. "Eine Erklärung dafür ist, dass die baumbewohnenden Tiere nach der Aufzucht ihrer Jungen neue Quartiere suchen und die Anlagen fälschlicherweise für große, abgestorbene Bäume halten", sagt Christian Voigt, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Leibniz-Instituts.

Um die Jagdausflüge der Fledermäuse untersuchen zu können, statteten er und sein Team ausgewachsene Tiere mit GPS-Sendern aus. Sie fanden heraus, dass sich die Flugrouten von Männchen und Weibchen deutlich unterscheiden. So bevorzugen Männchen eher Waldgebiete, während Weibchen lieber auf offenen Agrarflächen nach Beute suchen. Das ist fatalerweise genau dort, wo die Bedingungen für Windkraftanlagen besonders günstig sind.

Die Forscher haben herausgefunden, dass die Tiere ihren Bau in der Regel bei Windgeschwindigkeiten unter 29 Kilometer pro Stunde verlassen. Bei derartig schwachem Wind arbeiten Windkraftwerke ohnehin wenig effektiv. Damit könnte das Risiko für die Tiere, nicht nur durch eine bessere Standortwahl der Anlagen, sondern auch dadurch, dass Windräder bei schwachem Wind abgeschaltet werden, verringert werden. Die Technologie, mit der diese Abschaltung automatisiert werden kann, existiere bereits.

Mehr von Saarbrücker Zeitung