1. Leben
  2. Internet

Die Provider sind sicher, dass das Internet den Datenlasten standhält

Internet bleibt stabil : Die Datennetze trotzen der Corona-Krise

Die Telekommunikationsprovider sehen sich für eine deutlich höhere Auslastung des Internets in der Krise gerüstet.

() Die Ansteckungsgefahr durch das Corona-Virus wächst. Immer mehr Menschen arbeiten deshalb von zu Hause aus. Um das Virus auszubremsen, gehen die Menschen auf Abstand zueinander – und kommunizieren immer häufiger auf elektronischem Weg. Mit anderen Worten: Das Internet ist wichtiger denn je. Doch halten die Netze den Ansturm aus, wenn viele Menschen nun von zu Hause arbeiten? Die Telekommunikationsprovider in Deutschland sehen sich für eine deutlich höhere Auslastung der Datennetze in der Coronavirus-Krise gut gerüstet. „Aus jetziger Sicht wird die Zunahme von Homeoffice und Streamingdiensten zu keiner Situation führen, in der die Netzkapazitäten an ihre Grenzen geraten“, sagt ein Sprecher der Deutschen Telekom.

Auch wenn Vodafone Deutschland ähnlich wie die Telekom bisher „keine deutliche Steigerung des Datenverkehrs in den Netzen“ feststellen kann, geht das Unternehmen in der nächsten Zeit von einer stärkeren Auslastung des Netzes aus, erklärt Vodafone-Sprecher Volker Petendorf. Mehr Homeoffice und Schüler, die zu Hause bleiben, würden vor allem zu einer stärkeren Festnetznutzung führen. „Hier sehen wir uns gut gerüstet, insbesondere für die klassischen Anwendungen.“ Allerdings zeigten Nachbarländer, wie eine massive Spiele- und Streaming-Nutzung zusätzliche Last auf Netze bringen kann. „Spezielle Teams beobachten daher die Situation Tag und Nacht sehr genau und können zeitnah Maßnahmen auf den Weg bringen, um bei Bedarf gegenzusteuern“, sagt Petendorf.

Telefónica Deutschland kündigte an, in den kommenden Wochen die Grundversorgung aller O2-Privat- und -Geschäftskunden verbessern zu wollen. Dafür werde die Surf-Geschwindigkeit nach Verbrauch des vereinbarten Datenvolumens auf 384 Kbit/s angehoben. Die Aktion gilt zunächst bis Ende April – auch für die Kunden der Zweitmarke Blau.

Zuvor hatte die spanische Konzernmutter Telefónica zusammen mit anderen europäischen Providern wie Movistar, Orange und Vodafone die Anwender vor einer Überlastung der Netze gewarnt und zu einem verantwortungsvollen Umgang mit den Netzkapazitäten aufgefordert. „Sowohl das Fest- als auch das Mobilfunknetz erlebten in den vergangenen Tagen eine Explosion des Datenaufkommens.

So habe der Verkehr über Internetverbindungen um fast 40 Prozent zugenommen, während die Mobilfunknutzung bei den Sprachdiensten um etwa 50 Prozent sowie rund 25 Prozent bei den Daten zugenommen hat. Auch der Verkehr von Kurznachrichtendiensten wie WhatsApp habe sich in den vergangenen Tagen verfünffacht.

Die europäischen Provider appellierten an die Kunden, sich bei der Netznutzung zurückzunehmen. Sie rufen Verbraucher dazu auf, nur Dokumente und Dateien herunterzuladen, die tatsächlich benötigt werden. Daten, die nicht dringend sind, sollten in den sogenannten „Nebenverkehrszeiten“ mit weniger Datenverkehr (zwischen 14 und 16 Uhr nachmittags und zwischen 20 Uhr abends und acht Uhr morgens) oder nachts heruntergeladen werden. Die Anwender sollten auch darauf verzichten, E-Mails mit großen Anhängen zu verschicken. Konferenzdienste wie Microsoft Teams und Slack sollten ohne ständige Videoverbindung genutzt werden.

Das sieht die Telekom anders. Ihr Sprecher erklärte, durch die Verlagerung der Arbeit in ein Homeoffice an der Datenmenge ändere sich nichts, sie werde nur verlagert. Allerdings könnten mehr Video- und Audiostreamingdienste und Online-Spiele das Datenvolumen in die Höhe treiben. „Oberstes Ziel bleibt, die kritische Infrastruktur sicherzustellen.“ Ein Sprecher von Telefónica Deutschland betonte, man erwarte grundsätzlich eine Zunahme der mobilen Datennutzung und Telefonie, insbesondere jedoch eine Steigerung des Verbrauchs im Festnetzbereich, da viele Kunden vor allem Zuhause über ihre Festnetzinfrastruktur ins Netz gehen. „Wir sind überzeugt, dass unsere Netzkapazitäten ausreichend dimensioniert sind.“

Wie schnell die Internetverbindung aktuell ist, lässt sich mit einem sogenannten Speedtest wie www.speedtest.net messen.

www.speedtest.net

(dpa)