Die Onlinewachen im Saarland und in Rheinland-Pfalz werden oft genutzt

Onlinewachen der Polizei im Saarland : Tausende Strafanzeigen via Internet

Im Saarland und in Rheinland-Pfalz wird die Onlinewache der Polizei rege genutzt. Sie soll Bürger und Beamte entlasten.

Die seit Dezember vergangenen Jahres bestehenden Onlinewachen im Saarland und in Rheinland-Pfalz werden von den Bürgern gut angenommen. In den ersten sechs Monaten seien im Saarland 1333 Strafanzeigen und Hinweise über das Internetportal der Polizei eingegangen, erklärt das saarländische Landespolizeipräsidium (LPP). In Rheinland-Pfalz waren es im selben Zeitraum mehr als 6500 Anzeigen und Hinweise via Internet, sagt das rheinland-pfälzische Landeskriminalamt (LKA).

Als der Service gestartet wurde, gingen in Rheinland-Pfalz im Schnitt 27 Hinweise und Anzeigen pro Tag ein, heute seien es um die 40. Auch das saarländische Polizeipräsidium spricht von „konstant wachsenden Nutzungszahlen“.

Die meisten Anzeigen erfolgten in Rheinland-Pfalz wegen Betrugsdelikten (knapp 39 Prozent), gefolgt von Diebstahl (13 Prozent) und Sachbeschädigung (10 Prozent). Das erklärt das LKA in Rheinland-Pfalz. Die Onlinewache ist hier an den Lage- und Dauerdienst des LKA angeschlossen.

 Im Saarland fällt die Statistik ähnlich aus. Fast 500 Betrugsfälle seien zur Anzeige gebracht worden, gefolgt von Diebstahl und Sachbeschädigung. Fälle von Beleidigung und Nötigung seien ein weiterer Anzeigenschwerpunkt, so das LPP. Im Saarland laufen die Anzeigen in der Führungs- und Lagezentrale des LPP ein und werden von dort an die zuständigen Dienststellen verteilt.

Die beiden Bundesländer waren die Schlusslichter bei der Einführung des Dienstes, den es in Brandenburg schon seit 15 Jahren gibt. Einzig Thüringen hat bis heute keine Onlinewache. Nach der Einführungsphase ist jetzt aus dem saarländischen Polizeipräsidium zu hören, dass die Onlinewachen die Polizeibeamten bei der Aufnahme von Strafanzeigen entlasteten und die Erfahrungen damit durchweg positiv seien. David Maaß, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), relativiert: „Eine Entlastung der Dienststellen ist nur bei der Anzeigenaufnahme zu erkennen“ Durch die Online-Anzeigen entstünde allerdings ein großer Ermittlungsaufwand. Ungenaue Angaben im Formular müssten recherchiert werden. Das werde den Beamten erschwert, weil die Anzeigenerstatter nicht mehr wie früher auf der Wache seien und direkt gefragt werden könnten. Zudem seien sie oftmals nur schwer erreichbar, so Maaß.

Ob der Service der Onlinewache zu einem Anstieg von Strafanzeigen geführt hat, kann noch nicht beantwortet werden. LKA und LPP sagen, eine Auswertung der Daten stünde noch aus. Erst Ende 2020 seien im Saarland genauere Zahlen, auch zur Be- und Entlastung des Personals zu erwarten, so Maaß. Das LKA in Rheinland-Pfalz hat erste Zahlen schon für Ende 2019 in Aussicht gestellt.

Der Dienst würde aber über alle Altersgruppen hinweg genutzt. Von Jugendlichen wie Senioren aus allen Landkreisen und kreisfreien Städten seien bereits Online-Anzeigen eingegangen, erklärt das LKA Rheinland-Pfalz.

Über das Internet kann grundsätzlich nur angezeigt werden, was kein sofortiges Handeln der Polizei erfordert. Gewaltstraftaten und Verkehrsunfälle etwa können daher auf diesem Weg nicht angezeigt werden. Neben einer Zeitersparnis für die Beamten solle die Onlinewache auch zu mehr Bürgernähe führen, sagte der saarländische Innenminister Klaus Bouillon bei der Einführung im vergangenen Jahr (wir haben berichtet).

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