Die Museumswelt wird digital

Die Museumswelt wird digital

Museen müssen mit der Zeit gehen, wenn sie ein junges Publikum anlocken wollen. Wie das geht, zeigt das Städel-Museum: Die Frankfurter Institution startet zu ihrem 200. Geburtstag die „Digitale Sammlung“. Andere Museen setzen auf virtuelle 3-D-Rundgänge.

Kunstinteressierte können sich die Bilder des Frankfurter Städel-Museums anschauen, ohne in die Mainmetropole zu reisen. Zu seinem 200. Geburtstag hat das Städel die "Digitale Sammlung" gestartet. In den kommenden Monaten will das Museum Stück für Stück seine Kunstwerke online stellen. So kann jeder bequem vom heimischen Sofa aus mit Laptop oder Tablet durch die Kunstsammlung stöbern.

Wer stattdessen gezielt nach einem Bild suchen möchte, dem hilft die Suchfunktion auf der Internet-Plattform weiter. Und natürlich können Nutzer ihre eigene Pinnwand mit den Lieblingsbildern anlegen und diese über Facebook oder Twitter verbreiten. Damit Besucher nicht vergessen, wo sie schon überall waren, bekommen sie auf der Startseite ihren "Schlenderweg" angezeigt.

Zwei Jahre hat das Städel mit Internetexperten an der neuen virtuellen Plattform gebastelt. Mit der digitalen Offensive soll das Museum fit für die Zukunft gemacht werden. 600 Werke sind bisher auf dieser neuen Plattform erfasst.

Die neue Exponate-Datenbank bietet Kunstfreunden allerlei Zusatznutzen zum klassischen Museumsbesuch: Neben den gängigen Informationen zu den einzelnen Kunstwerken gibt es jede Menge Videos und Hörbeiträge. Ein bisschen Zeit braucht es allerdings schon, bis der Besucher sich mit dem neuen Online-Angebot des Städel-Museums vertraut gemacht hat.

Schaut er etwa Sandro Botticellis "Weibliches Idealbildnis" an, so erscheinen rechts davon viele weitere Kunstwerke, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Erst bei näherem Hinsehen erkennt er, dass sie durch gemeinsame Merkmale wie "Stimmung", "Bildelemente" oder "Motiv" doch irgendwie zusammengehören. So strahlt Botticellis Frauen-Bildnis genauso wie Johann Tischbeins berühmtes "Goethe in der römischen Campagna" Harmonie, Ruhe und Erhabenheit aus. Auch die Suchfunktion ist mit Schlagworten wie "Wirkung auf den Betrachter", "Künstlerbezug" oder "Bildelemente" recht unkonventionell.

Das Frankfurter Städel ist nicht das einzige Museum in Deutschland, das durch digitale Zusatz-Angebote den Weg in die Zukunft meistern will. Beliebt sind virtuelle 3-D-Rundgänge, bei denen der Besucher auf dem Bildschirm eine 360-Grad-Ansicht der jeweiligen Ausstellungsräume gezeigt bekommt. So haben etwa die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ihre neun prunkvollsten Säle ins Netz gestellt. Mit der Computermaus können Besucher hier zum Beispiel durch die barocke Schatzkammer im grünen Gewölbe "wandern". In der Navigationsleiste kann der Anwender den gewünschten Standort im Raum auswählen. Ein Klick auf die roten Info-Punkte im Bild verrät Details zum jeweiligen Ausstellungsstück.

Museumsübergreifend ist schließlich das "Google Art Projekt". Die 2011 gestartete Google-Anwendung ermöglicht aktuell einen virtuellen Rundgang durch über 500 Museen auf der ganzen Welt. Außerdem können fast 88 000 Kunstwerke in hoher Auflösung und mit Zoomfunktion betrachtet werden. An dem Projekt machen unter anderem die Staatlichen Museen zu Berlin und das Museum Kunstpalast Düsseldorf mit.

digitalesammlung.

staedelmuseum.de

skd.museum/de

googleartproject.com