Die dunkle Seite des Internets

Die dunkle Seite des Internets

Das Internet ist voller geheimnisvoller Orte. Sie bilden zusammen das sogenannte Darknet. Hier tauschen sich Regime-Kritiker totalitärer Staaten aus. Hier ist aber auch der Tummelplatz der Online-Kriminalität.

Die Welt besteht nicht nur aus dem, was man sieht. Das gilt sowohl für das Universum, als auch für das Internet , von dem die meisten Nutzer glauben, es umfasse nur das so genannte Klarnetz mit den Webseiten, die wir alle kennen. Weit gefehlt. Jenseits davon existiert das "Deepweb", das für die normalen Browser wie Firefox, Explorer und Chrome nicht sichtbar ist und rund 500 Mal mehr Daten transportieren soll als sein bekanntes Pendant. Und innerhalb dieses Deepwebs, so beschreibt es Cornelius Kopke, existiert das so genannte Dark-net. Kopke ist Jurist und Referent für Öffentliche Sicherheit und Wirtschaftsschutz beim Branchenverband Bitkom in Berlin .

Firefox und Co. finden keine Seiten des Darknets, weil es mit anderen Adresslisten arbeitet als das Klarnetz. Wer sich im Darknet bewegen möchte, muss auf einen speziellen Browser zurückgreifen. Der bekannteste unter ihnen heißt Tor. Jeder, der möchte, kann ihn sich ohne großen Aufwand über das Klarnetz beschaffen. Selbst die Computer-Zeitschrift Chip bietet ihn als modifizierten Firefox zum kostenlosen Download an. Das hat einen einfachen Grund: An Tor ist nichts Illegales, genauso wenig wie am Darknet selbst. Das Illegale sind die Inhalte.

"Die ursprüngliche Idee des Darknets war positiv, nämlich, dass man anonym surfen kann", sagt Cornelius Kopke von Bitkom. Tor verschlüsselt die Kommunikation über mehrere Server. Damit bleiben sowohl Seitenanbieter als auch Nutzer unerkannt. Das können zum Beispiel Regime-Kritiker totalitärer Staaten nutzen. Diese Anonymität hat sich im Laufe der Zeit aber auch die organisierte Cyberkriminalität zunutze gemacht. Und das lässt das Darknet so düster erscheinen: Kinderpornografie, Waffenhandel, Auftragsmorde, Drogen, Falschgeld, Menschenhandel gibt es hier. Gleichzeitig ist es extrem gefährlich, sich im Darknet zu bewegen. Dort wimmelt es von verseuchten Portalen, über die Unbekannte Angriffe fahren.

Kopke kennt das Darknet von der Arbeit des Bundeskriminalamtes: Die Seiten wirken rudimentär, optisch wenig ansprechend. Und doch locken sie immer mehr Leute an. "Nach den neuesten Erkenntnissen des BKA geht der Nutzerkreis quer durch die Gesellschaft", sagt er. Bisher haben Kriminelle einschlägige Kontakte gebraucht, wollten sie beispielsweise einen Auftragskiller anheuern. Im Darknet sei das viel einfacher. Ein 18-Jähriger leitet von seinem Kinderzimmer aus einen Waffenring, der Kollege aus dem Nachbarbüro ordert Aufputschmittel. Alles ist denkbar. Auch Terroristen nutzen das Darknet.

"Das Darknet wird von den Geheimdiensten inzwischen ziemlich engmaschig überwacht", sagt Kopke. Was genau kommuniziert wird, sei aber schwierig zu ermitteln, und wer von wo aus chattet, kaum noch. Dazu müsse man die Zielperson direkt überwachen, so Kopke.

Was ist vom positiven Grundgedanken des Darknets und des Browsers Tor geblieben? Sie bieten Nutzern in totalitären Staaten die Möglichkeit, Kontakt nach außen zu finden und Kritik zu üben. Regime-Kritiker im Iran nutzen Tor. Und selbst Facebook ist beteiligt: Die soziale Plattform ist seit Oktober 2014 über eine Tor-geeignete Adresse für alle erreichbar, die die Zensuren in ihrem Heimatland umgehen möchten.Im internationalen Vergleich sei die Zahl der Teilnehmer gering - doch die sind dafür hochspezialisiert. So beschreibt der Untersuchungsbericht "Der Deutsche U-Markt - Eine Nische im weltweiten Schwarzmarkt" der Internet-Firma Trend Micro deutsche Marktplätze im Darknet. Anders als die großen Gegenspieler aus Russland, die sich auf eine internationale Kundschaft mit fast allen Produkten eingeschossen haben, bieten deutsche Foren besonders gefälschte Ausweise, gestohlene Kreditkarten und gehackte Konten für heimische Online-Betrüger an.

Trend Micros Forscher fanden zehn große Foren und mindestens zwei Marktplätze, die auf Schadsoftware und Fälschungen für deutsche Kundschaft spezialisiert sind. Foren dienen hierbei zum Informationsaustausch und Kennenlernen, während Marktplätze ausschließlich als Handelsorte für Kreditkarten , gehackte Konten, und Fälschungen fungieren. Nahezu 70 000 registrierte Nutzer tummeln sich dort, so Trend Micro.

Einen relativ hohen Anteil am deutschen Untergrundmarkt haben die Produktion und der Verkauf von gefälschten Ausweisdokumenten wie Reisepässen oder Führerscheinen. Die Kunden dieser Angebote benötigen gefälschte Identitäten in der Regel, um sich zu registrieren, ihr Alter zu fälschen oder neue "digitale Identitäten" zu erstellen, so die Forscher.

Üblich sei auch der Wiederverkauf gescannter Ausweiskopien. Sie werden dazu genutzt, um Bankkonten zu eröffnen. Ebenfalls gefragt sind erbeutete Konto-Daten. Laut Studie kosten die je nach Kontostand und Informationen über den Besitzer zwischen 10 und 2000 Euro. Auch Zugangsdaten bei den Online-Händlern Amazon und Zalando werden gehandelt.

Zum Thema:

Auf einen BlickDer Browser Tor ist ein Open-Scource-Projekt. Das heißt, dass sein Programm öffentlich zugänglich ist. Jeder kann diesen Code bearbeiten und erweitern, das ist auch nicht verboten. Dadurch erscheinen auch regelmäßig neue Versionen. Wer die Urheber sind, muss nicht offengelegt werden, sagt Cornelius Kopke vom Digitalverband Bitkom. avmbitkom.org

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