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Die App Corona-Datenspende arbeitet mit den Daten von Fitnesstrackern

Neue App vom RKI Institut : Computer-Uhren im Kampf gegen Corona

Das Robert-Koch-Institut ruft Träger von Fitnessarmbändern und Smartwatches auf, ihre Daten zur Verfügung zu stellen.

() Das Robert Koch-Institut (RKI) will mit Hilfe von Fitnessarmbändern und Computeruhren neue Erkenntnisse zur Ausbreitung von Coronavirus-Infektionen in Deutschland gewinnen. Dafür veröffentlichte das RKI die App „Corona-Datenspende“, die auf Daten aus den Geräten zugreifen kann. Binnen weniger Stunden hätten sich mehr als 30 000 Nutzer registriert, erklärte das Institut über den Kurznachrichtendienst Twitter und freute sich über eine „überwältigende Resonanz“. Allerdings wurden auch technische Probleme offenbar.

Das RKI will sich zunutze machen, dass Smartwatches und Fitnessarmbänder unter anderem den Ruhepuls sowie Informationen zum Schlaf und der sportlichen Aktivität ihrer Nutzer aufzeichnen können. „Bei einer akuten Atemwegserkrankung ändern sich diese Vitalzeichen in den meisten Fällen deutlich. Daher können auch typische Covid-19-Symptome wie Fieber durch die App erkannt werden“, erläuterte das Institut. Die Nutzung der App sei freiwillig.

Die Software diene nicht der Verfolgung von Kontaktpersonen, betonte das RKI. Sie solle helfen, Infektionsschwerpunkte besser zu verstehen. Das RKI kenne zu keinem Zeitpunkt persönliche Daten wie Name oder Anschrift der App-Nutzer. Sie müssten lediglich einmalig die Postleitzahl eingeben. Ortungs- und Standortdaten aus den Geräten würden nicht abgefragt. Die Teilnehmer werden auch gebeten, Geschlecht, Alter sowie Größe und Gewicht anzugeben auf fünf Zentimeter beziehungsweise Kilogramm genau.

Das RKI hofft darauf, dass zehn Prozent der schätzungsweise zehn Millionen Nutzer von Fitness-Bändern und Computeruhren in Deutschland die App verwenden. Aber auch schon eine kleinere Stichprobe – mit 10 000 Nutzern – wäre gut, sagte Dirk Brockmann, Physiker und Biologe an der Humboldt-Universität.

Die freiwillig zu nutzende App kann bisher auf Daten der Plattformen AppleHealth, wo auch Daten der Apple Watch landen, und Google Fit zugreifen sowie auf Daten aus Geräten und Diensten der Anbieter Fitbit, Garmin, Polar und Withings. Auch zusätzliche Daten wie Blutdruck, Temperatur oder Herzratenvariabilität werden aus den Plattformen abgerufen. Die Informationen werden unter einem Pseudonym, einer langen Folge von Buchstaben und Zahlen, gespeichert.

Die App wurde für das RKI von der Berliner Firma mHealth Pioneers programmiert, die auch die Gesundheitsdaten-Plattform Thryve betreibt. Die Fitnesstracker-Daten werden vom Smartphone verschlüsselt zu ausschließlich in Deutschland laufenden Servern übertragen, wie das RKI betonte. Personenbezogene Daten würden spätestens nach zehn Jahren gelöscht.

Am Dienstagvormittag gab es angesichts der vielen Zugriffe zunächst technische Probleme unter anderem bei der Eingabe der Postleitzahl, wie das RKI bei Twitter einräumte. Wenig später funktionierte die Anmeldung reibungslos. Am Nachmittag berichtete das RKI von weiteren Einschränkungen und bat Nutzer um „etwas Geduld“. Bei einigen Anbietern, darunter Google Fit, sei es aktuell nicht möglich, Armband oder Uhr mit der App zu verbinden und die Daten weiterzugeben. Man stehe in Kontakt mit den betroffenen Herstellern und bemühe sich um Behebung des Problems.

In Deutschland und anderen europäischen Ländern ist auch eine andere App im Gespräch, die Coronavirus-Verbreitungswege nachzeichnen soll. Dabei geht es darum, zu registrieren, wer in der Nähe von Infizierten war und sich angesteckt haben könnte. Dafür sollen nach bisherigen Plänen Bluetooth-Funksignale oder GPS-Ortungsdaten genutzt werden.

IT-Unternehmer Chris Boos, der gemeinsam mit dem RKI und dem Frauenhofer-Heinrich-Hertz-Institut das Projekt leitet, betonte, bislang gebe es noch keine fertige Tracking-App, sondern ein offenes technisches Konzept, das drei Ziele verfolge. Zum einen müsse das System eine saubere Messung ermöglichen. Das zweite Ziel sei die Sicherung der Privatsphäre. „Wir verwenden keinerlei Ortungsdaten und auch keine Daten, die einen Menschen identifizieren können.“ Dabei setze man auf eine komplette Anonymisierung und reine Freiwilligkeit. Der dritte Punkt sei der Datenaustausch zwischen den Ländern. „Wir haben dann eine Art Roaming, damit man auch wieder wirklich die Grenzen öffnen und trotzdem informiert Infektionsketten nachverfolgen kann.“

(dpa)