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Die Angst vor der virtuellen Pleite

Die Angst vor der virtuellen Pleite

Die Bitcoin-Tauschbörse Mt.Gox hat offenbar den Betrieb eingestellt. Im Internet kursieren Gerüchte, dem Portal sei aufgrund einer Panne virtuelles Geld im Wert von fast 400 Millionen Dollar abhanden gekommen.

Die Digitalwährung Bitcoin hat einen heftigen Rückschlag erlitten. Die große Handelsplattform Mt.Gox, wo Nutzer Bitcoins speichern und in echtes Geld umtauschen konnten, ist seit Dienstag nicht mehr aufzurufen - unter der Internetadresse mtgox.com sehen Nutzer nur noch eine leere Seite. Eine Stellungnahme des Unternehmens mit Sitz in Tokio gibt es nicht. Bereits vor zwei Wochen hatten die japanischen Betreiber den Handel wegen einer technischen Panne vorübergehend gestoppt.

Nachdem die Seite nun offenbar komplett verschwunden ist, wird im Netz über die Gründe spekuliert. Gemäß einem internen Dokument, das im Internet kursiert, dessen Echtheit aber nicht bestätigt ist, sollen aufgrund der technischen Panne in den vergangenen Jahren insgesamt 744 408 Bitcoins verschwunden sein, so das IT-Portal Heise. Angeheizt werden die Spekulationen durch den Rücktritt von Mt.Gox-Chef Mark Karpelès aus dem Vorstand der in Washington ansässigen Bitcoin-Foundation.

Die Community reagierte bestürzt. "Das dürfte es dann jetzt gewesen sein", kommentierte ein User im Forum bitcointalk.org. Sollten sich die Gerüchte bestätigen, erwarten Experten, dass die Akzeptanz der virtuellen Münzen weltweit zurückgehe. Die Wettbewerber Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China kritisierten Mt.Gox in einer gemeinsamen Stellungnahme scharf und bemühten sich, weiteren Schaden von der Branche abzuwenden. Mt.Gox habe das Vertrauen seiner Nutzer in tragischer Weise verletzt, doch es handle sich um einen Einzelfall. Es gebe hunderte vertrauenswürdiger und verantwortungsvoller Firmen.

Der Kurs der Digitalwährung war bereits massiv unter Druck, bevor Mt.Gox von der Bildfläche verschwand. Seit Jahresbeginn halbierte sich der Kurs beinahe. Zuletzt notierte der Bitcoin bei 533 Dollar. Die virtuelle Währung wurde im Jahr 2009 von einem bis heute anonym gebliebenen Computerspezialisten entwickelt. Nutzer können Bitcoins in geringer Menge selbst am Computer erstellen, indem mit hoher Rechnerleistung hochkomplexe mathematische Formeln gelöst werden. Das Geld ist an keine echte Währung gekoppelt, kann auf speziellen Portalen aber in Dollar oder Euro umgetauscht werden. Auch verschiedene Onlineshops akzeptieren den Bitcoin.