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Deutschland steht für Datenschutz

Deutschland steht für Datenschutz

SMS und Whatsapp zum Trotz ist die E-Mail in Deutschland ein unverzichtbares Kommunika- tionsmittel. Doch wie sicher sind E-Mail-Anbieter und lohnt es sich in kostenpflichtige Dienste zu investieren?

Im vergangenen Jahr schrieben nach Angaben des Portals statista.com 81 Prozent der Deutschen E-Mails, das sind acht Prozent mehr als vor fünf Jahren. Weltweit beträgt das E-Mail-Aufkommen inzwischen 205,6 Milliarden pro Tag. Tendenz steigend.

Leider ist der Anteil sogenannter Spam-Mails, die Nutzer mit fragwürdigen Angeboten nerven, äußerst hoch. Nach Auswertungen der auf Internetsicherheit spezialisierten Firma symantec.com lag deren Anteil im weltweiten Datenverkehr im Januar dieses Jahres bei 54 Prozent. Etwa 0,1 Prozent dieser Mails fällt der Erhebung zufolge in die Kategorie "Phishing": Mit dem vom englischen Wort für "Angeln" abgeleiteten Kunstwort werden Versuche bezeichnet, durch betrügerische E-Mails die persönlichen Daten von Nutzern abzugreifen. Etwa ein Prozent der Mails enthielt sogar Schadsoftware.

Ein anderes Sicherheitsproblem ist erst in den vergangenen Jahren durch Enthüllungen über Aktivitäten von Geheimdiensten ins Bewusstsein vieler Nutzer getreten: die Gefahr der Ausspähung. Die Sensibilität für dieses Thema dürfte nach Einschätzung von Jan Oetjen, Geschäftsführer des Unternehmens United Internet , das unter anderem GMX, web.de und 1&1 betreibt, auch ein wichtiger Grund dafür sein, dass deutsche Kunden einheimische Anbieter bevorzugen: "Die Datenschutzdebatte hat die deutschen E-Mail-Anbieter weiter gestärkt." Dafür sprechen Zahlen einer Umfrage, die die Agentur Convios Consulting im Auftrag von United Internet unter 1006 deutschen Internetnutzern durchgeführt hat: 97 Prozent finden Datensicherheit wichtig und 74 Prozent hätten darum Bedenken gegenüber US-Unternehmen. Dieses Misstrauen schlägt sich im Nutzerverhalten in Deutschland nieder: 27 Prozent führen ein Konto bei GMX, 26 Prozent bei web.de. Den dritten Platz belegt T-Online mit zwölf Prozent.

Doch sind die Marktführer aus deutschen Landen auch wirklich sicher? Die Stiftung Warentest hat dazu im letzten Jahr 14 Mail-Anbieter getestet. Die beliebtesten Firmen landen dabei nur im hinteren Mittelfeld (GMX: Platz sieben, Telekom: Platz zehn, Web.de: Platz zwölf). Positiv vermerkt die Stiftung Verbesserungen in Sachen Datensicherheit : Die Initiative "E-Mail made in Germany" ermöglicht Verschlüsselung per SSH (Secure Sockets Layer, Transportwegverschlüsselung). Auf dem Weg zwischen den Konten wird die Mail verschlüsselt, so dass Dritte sie nicht abgreifen und mitlesen können. Auf den Servern der Anbieter selbst liegen die Mails allerdings im Klartext vor und können durchleuchtet werden.

Dafür gibt es aber auch einen Grund, der durchaus im Sinne des Kunden ist: Auf diese Art können die Anbieter Spam-Mails und Schadsoftware erkennen. Die verdächtigen Mails landen in speziellen Ordnern und werden nach ein paar Tagen automatisch gelöscht.

Der Nutzer selbst kann Spam-Meldungen verhindern, indem er seine Korrespondenz nur mit vertrauenswürdigen Personen pflegt. Oder er kann sich ein zweites Konto unter einem Pseudonym anlegen, über das er öffentliche Angebote im Netz nutzt. Auch Wegwerf-Mail-Adressen können eine Lösung sein. Bevor man eine Mail öffnet, sollte man auf jeden Fall den Absender genau prüfen und vor allem niemals auf Aufforderung persönliche Daten, Passwörter oder Kontodaten verraten.

Die zurzeit besten Mail-Anbieter laut Stiftung Warentest sind übrigens kleine Unternehmen: nämlich die Berliner Start-ups Mailbox.org und Posteo. Bei ihnen steht der Datenschutz an oberster Stelle. Denn sie erheben so gut wie keine Kundendaten. Dafür sind sie aber nicht kostenlos. Pro Monat bezahlt der Nutzer für den E-Mail-Dienst jeweils ein Euro.