1. Leben
  2. Internet

Der Weg zur Meerjungfrau

Der Weg zur Meerjungfrau

Google schlägt bei jedem Suchvorgang mögliche Satzvervollständigungen vor. Welche Faktoren die Vorschläge beeinflussen und welche Risiken diese Funktion birgt, erklärt der IT-Experte Gerhard Weikum.

Kann man Teebeutel rauchen? Warum ist es nachts dunkel? Sind wir alle Afrikaner? Und kann man eigentlich eine Meerjungfrau werden? Diese Fragen scheinen die deutschsprachigen Internetnutzer zu beschäftigen. Denn sobald man die ersten Buchstaben der Fragen in die Suchmaschine Google eintippt, erscheinen die oben genannten Vorschläge. Ein Klick auf die grau hinterlegten Sätze genügt und die Ergebnisse werden aufgerufen.

Die automatische Vervollständigung trägt den Namen Google Suggest - was auf Deutsch "Google schlägt vor" bedeutet - und soll ihren Nutzern die Suchvorgänge erleichtern. Als größten Vorteil nennt der Internet-Riese die Zeitersparnis. Denn das Eintippen der gesamten Anfrage koste mehr Zeit als ein einzelner Mausklick auf die Vorschläge. Außerdem soll die Funktion, die bereits seit 2008 existiert, dabei helfen, Rechtschreibfehler zu vermeiden.

Welche Vorschläge bei der Suche angezeigt werden, hängt laut Google von mehr als 200 Faktoren ab. Diese werden in einen Algorithmus miteinbezogen, der letztendlich bestimmt, welche Vervollständigungen Google ausspuckt. "Um dem Nutzer schnell die gewünschten Ergebnisse liefern zu können, sammelt Google alle Anfragen und generiert daraus Statistiken", sagt Gerhard Weikum, Forschungsdirektor am Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken. Wenn viele Menschen nach einem bestimmten Zusammenhang stöbern, dann ist es wahrscheinlich, dass auch ein weiterer Nutzer auf der Suche danach ist. Die Suchhäufigkeit spielt demnach eine wichtige Rolle für die Auswahl der Vorschläge. Aber auch das Nutzerverhalten beeinflusst den Algorithmus. Denn die Suchmaschine erfasst außerdem, welche Aktion die Nutzer nach der Anfrage durchführen - beispielsweise welches Ergebnis sie anklicken - und von welchem Ort aus die Suche durchgeführt wird.

Dass Google hin und wieder äußerst seltsame Vorschläge liefert, hat laut Weikum drei Gründe. Zunächst einmal sei nicht zu unterschätzen, dass die Leute tatsächlich sehr oft merkwürdige Anfragen stellen. Des Weiteren spielt Diversifikation eine wichtige Rolle. "Diversifikation heißt, die Suchvorschläge absichtlich zu streuen", so Weikum. Deckt Google bei der Vervollständigung möglichst viele Themen ab, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Nutzer auch bei der Suche nach einem ungewöhnlichen Zusammenhang einen passenden Vorschlag erhält. Zudem gebe es eine Trendverstärkung. Dazu kommt es, wenn sich die Nutzer von den angezeigten Vervollständigungen leiten lassen. Stößt man bei seiner Nachforschung auf einen ungewöhnlichen Vorschlag, sei man eher dazu geneigt, diesen anzuklicken. Dadurch steigt die Suchhäufigkeit der Anfrage und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Vorschlag wieder erscheint.

"Trendverstärkung kann jedoch zum Problem werden, wenn falsche oder irreführende Vorschläge verbreitet werden", sagt Weikum. Das wohl prominenteste Beispiel dafür ist der Fall von Bettina Wulff, die den Internet-Riesen im Jahr 2012 verklagte, weil die Suche nach ihrem Namen mit den Worten Prostitution und Escort in Verbindung gesetzt wurde.

Aber Google Suggest hat auch einen unterhaltsamen Faktor. Ausgehend von einer zufälligen Entdeckung des Finnen Sampsa Nuotio sammeln Internetnutzer derzeit sogenannte Google-Gedichte. Die entstehen, indem man die Vorschläge der Suchmaschine wie Verse eines Gedichts liest. Mittlerweile gibt es die ungewöhnliche Online-Poesie in 13 verschiedenen Sprachen. Die deutsche Version finden Interessierte auf der Webseite deutsch.googlepoetics.com.