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Der Traum vom großen Geld

Der Traum vom großen Geld

Für Jugendliche sind Internetvideos wichtiger als Fernsehen. Kein Wunder, dass so mancher Youtube-Filmer sechsstellige Summen verdient – Fußstapfen, in die viele Teenager nur zu gerne treten würden.

Nutzer, die auf die Videoplattform Youtube selbstgemachte Videos hochladen, haben nicht nur die Chance auf den schnellen Ruhm, sondern auch auf bares Geld. Seit 2007 gibt Youtube ihnen die Möglichkeit, über Werbeanzeigen in den Videos Einnahmen zu erzielen. Nach Schätzungen der Marktanalysten von emarketer erwirtschaftete die Google-Tochter im letzten Jahr mit Werbung knapp vier Milliarden Euro - so viel, wie alle deutschen TV-Sender zusammen im selben Zeitraum verdienten.

Berühmt und reich werden durch Klicks auf Youtube? "Warum nicht?", lachen Finn und Emma. Die 15-jährigen Schüler besuchen den Kurs der Landesmedienanstalt "Mein eigener Youtube Channel". Sie möchten ihren eigenen Kanal für Satire- und Schminkvideos gründen. "Wir würden schon gerne Geld damit verdienen", sagt Finn.

Kursleiter Jan Bubel spricht mit den 13- bis 16-Jährigen über Urheberrecht, Datenschutz und den Umgang mit öffentlicher Kritik. Fern sehen viele Jugendliche überhaupt nicht mehr: "Wir gucken nur Youtube", sagt der 14-jährige André. "Da kann man auf Pause drücken, frei wählen, was man sehen will, und man kann mitmachen." André sieht am liebsten sogenannte Let's-Play-Videos, bei denen man anderen zuguckt, wie sie Computer spielen. Der 14-jährige Sören findet den Youtube-Blogger LeFloid super. "Der ist auf jeden Fall ein Vorbild."

Auch wenn kaum jemand über 30 Jahren sie kennt, sind Videomacher wie LeFloid, Mr. Tutorial oder Y-Titty Sterne am deutschen Youtube-Himmel. Ihre Videos werden von Millionen abonniert, jedes Video von Hunderttausenden geklickt. Der Markt mit den Webvideos wird immer professioneller: Auch Agenturen und Netzwerke der Videomacher wollen ein Stück vom Youtube-Kuchen abbekommen. Mit seiner Agentur Mediakraft im Rücken zählt auch der 27-jährige LeFloid alias Florian Mundt zu den wenigen Videomachern, die von ihren Videos leben können. Der gut informierte Psychologie-Student mit der schiefen Baseballmütze und den dunklen Augenringen kommentiert in seinem Blog aktuelle Themen aus dem Weltgeschehen. Etwa 800 000 Klicks erreichen seine Videos im Schnitt, fast 1,7 Millionen Nutzer haben LeFloid abonniert.

Über die Summen, die sie verdienen, bewahren Videomacher wie LeFloid Stillschweigen, hält sich auch Youtube bedeckt. Ein "Großteil der Einnahmen" gehe direkt an die Partner. Wer im Selbstversuch einen "Partnervertrag" mit dem Unternehmen abschließt, erklärt sich bereit, satte 45 Prozent der Einnahmen an Youtube abzutreten. "Einige Videomacher verdienen bis zu sechsstellige Summen", heißt es von Youtube. Zusätzliche Einnahmen erzielen einige mit bezahlten Produktplatzierungen. So sorgten kürzlich das Comedytrio Y-Titty und ihre Agentur Mediakraft wegen des Vorwurfs versteckter Werbung für Schlagzeilen.

Doch während für das Fernsehen klar festgelegt ist, wo legale Platzierung von Produkten aufhört und Schleichwerbung anfängt, sind die Grenzen im Internet verschwommen: Noch fehlt im Telemediengesetz eine klare Regelung für Webvideos. Auch der Youtuber Mr. Tutorial alias Sami Slimani hält gerne und ausgiebig das neue Smartphone vor die Linse. Gut zehn Minuten jeweils referiert der 24-Jährige aus dem heimischen Kinderzimmer zu Themen wie "In fünf Minuten zur perfekten Haut" oder "Wie sehe ich auf Fotos gut aus?" Von der Mandelmilch bis zum Glitzer-Krönchen wird alles getestet - und dabei werbeträchtig in die Kamera gehalten.