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Der Ton wird ernster

Der Ton wird ernster

Forscher der Technischen Universität Darmstadt haben untersucht, welche Nachrichten Internetnutzer in den letzten drei Jahren besonders häufig in sozialen Netzwerken weiterempfohlen haben. Ihr Ergebnis: Statt leichter Themen bewegten die Deutschen 2015 überwiegend ernste Nachrichten wie die Terroranschläge von Paris und die Flüchtlingspolitik.

Die Nutzer der sozialen Online-Netzwerke Facebook , Twitter und Google+ haben im vergangenen Jahr mehr als 123 Millionen Mal Nachrichtenartikel weiterempfohlen. Die Zahl steigerte sich gegenüber dem Vorjahr um 40 Millionen oder rund 48 Prozent, wie die Technische Universität (TU) Darmstadt am Mittwoch mitteilte. Die Leserinnen und Leser hätten diese Artikel 116,7 Millionen Mal über Likes auf Facebook , 4,3 Millionen Mal über Tweets auf Twitter und 2,8 Millionen Mal über One ups auf Google+ weitergegeben. Beherrschende Themen seien Skandale, die Terroranschläge in Paris und die Flüchtlingspolitik gewesen.

Die Empfehlungszahlen für das vergangene Jahr wurden im Rahmen der Langzeitstudie "Entwicklung der Nutzung sozialer Netzwerke in Deutschland seit 2012" von einem Forscherteam der Technischen Universitäten in Darmstadt und Dresden erhoben. Berücksichtigt wurden mehr als 487 000 Artikel, die auf den 15 beliebtesten Internetseiten veröffentlicht worden waren.

Im vergangenen Jahr sei der Ton in den sozialen Netzen "ernster" geworden ist, kommentierten die Forscher. Während 2014 überwiegend bunte Nachrichten wie der Mario-Götze-Transfer zu Bayern München oder die Betrachtungen der Poetry-Slammerin Julia Engelmann über Jugend und Alter geteilt worden seien, hätten 2015 der Terror in Paris, die Flüchtlingsdebatte, Politik und Skandale das Netz bewegt. Der mit Abstand am häufigsten geteilte Artikel stammte von Stern.de. Schauspieler Til Schweiger kommentierte die Affäre um den SPD-Politiker Sebastian Edathy - und 133 332 Facebook-Nutzer klickten den "Like"-Button. In der Top 10 der am häufigsten geteilten Artikel rangieren allein vier zum Thema Flüchtlinge, weitere häufig geteilte Themen waren rechte Hetze, islamistischer Terror und der Volkswagen-Skandal.

Marktbeherrschendes Medium für die Weitergabe von Nachrichten sei weiterhin Facebook mit einem noch wachsenden Marktanteil von 94 Prozent, sagte Irina Heimbach von der TU Darmstadt. 2014 waren es noch 90,8 Prozent. Dagegen verliere Twitter weiter an Boden. Nur noch 3,5 Prozent der Artikel seien über den Kurznachrichtendienst geteilt worden - gegenüber 6,9 Prozent in 2014.

"Twitter ist zudem die einzige Nachrichtenplattform, die auch in absoluten Zahlen weniger oft genutzt wird", ergänzte Heimbach. Der Kurznachrichtendienst habe im November die Zählerstände abgeschafft, die früher neben dem Twitter-Button angegeben gewesen seien. So werde man in Zukunft keine fundierten Angaben über die Zahl der via Twitter geteilten Nachrichten mehr machen können.

Die beliebteste Quelle für geteilte Nachrichten war wie schon im Vorjahr Bild.de. Focus Online, im vergangenen Jahr noch auf Platz vier, schaffte es auf Rang zwei. Spiegel Online verlor einen Platz und rutschte auf Platz drei. Bei Technik-Themen griffen die Nutzer am häufigsten auf die Quellen Heise.de und Chip.de zurück.

Den Forschern aus Darmstadt und Dresden geht es in der Langzeitstudie vor allem darum, verlässliche Zahlen für die Nutzung der sozialen Netzwerke zu gewinnen. Die reinen Nutzer-Statistiken seien wenig aussagekräftig, da viele Anwender beispielsweise mehrere Konten anlegten, sagte Professor Oliver Hinz, Leiter des Fachgebiets Electronic Markets der TU Darmstadt. Die wirkliche Nutzungs-Aktivität, die sich zum Beispiel am Teilen von Nachrichtenartikeln festmachen lasse, sei dagegen verlässlicher.