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Online-Shopping
Der Supermarkt bleibt weiterhin offline

Ob Kleidung, DVDs, Videospiele oder elektronische Geräte: 96 Prozent aller deutschen Internetnutzer haben im letzten Jahr online eingekauft. Ihre Lebensmittel bestellen bislang aber nur die wenigsten im Netz.
Ob Kleidung, DVDs, Videospiele oder elektronische Geräte: 96 Prozent aller deutschen Internetnutzer haben im letzten Jahr online eingekauft. Ihre Lebensmittel bestellen bislang aber nur die wenigsten im Netz. FOTO: Jens Büttner / dpa
Berlin/Düsseldorf. Die meisten deutschen Internetnutzer kaufen regelmäßig im Netz ein. Ihre Lebensmittel bestellen hingegen nur die wenigsten online. Von Nina Scheid (SZ) und Erich Reimann (dpa)

Ob Kleidung, Elektronik oder sogar Möbel: Mittlerweile kann man im Internet fast alles kaufen. Und dieses Angebot nehmen die Deutschen auch dankend an. Jeder Fünfte bestellt bereits mehrmals pro Woche online. Die Bereitschaft, im Netz einzukaufen, gilt jedoch nicht für alle Bereiche. Der Online-Lebensmittelhandel läuft nicht so, wie es sich die Anbieter wünschen.



Knapp 20 Prozent der deutschen Internetnutzer kaufen mehrmals pro Woche im Netz ein, fünf Prozent davon sogar täglich. Das hat eine Befragung des Digitalverbands Bitkom unter 1152 Internetnutzern herausgefunden. Besonders häufig nutzen junge Erwachsene zwischen 14 und 29 Jahren das Online-Angebot. Mehr als 40 Prozent von ihnen gaben an, mindestens einmal pro Woche im Netz zu bestellen. Ab 50 nimmt das Interesse an Online-Shops hingegen deutlich ab: Von den Befragten dieser Altersklasse kaufen nur noch zwölf Prozent mehrmals pro Woche im Internet ein.

Der Digitalverband hatte in einer früheren Befragung herausgefunden, dass viele Deutsche das Internet dem stationären Handel sogar vorziehen. Jeder Dritte gab an, seine Einkäufe lieber per Mausklick zu tätigen. Im vergangenen Jahr haben 96 Prozent aller deutschen Internetnutzer im Netz eingekauft. Verglichen mit einer früheren Befragung des Bitkom aus 2014 zeigt sich auch, dass deutsche Internetnutzer immer häufiger online einkaufen. Vor drei Jahren bestellten anstatt fünf nur ein Prozent täglich im Internet, mehrmals pro Woche anstatt 14 nur acht Prozent.



Die Bereitschaft, online seine Einkäufe zu tätigen, gilt allerdings nicht für Lebensmittel. Eine Studie des Beratungskonzerns EY hat ergeben, dass bislang gerade einmal jeder 70. Befragte, also weniger als zwei Prozent, seine Nahrungsmittel mindestens zur Hälfte online einkauft. Nur jeder Achte plant, diese künftig häufiger im Internet bestellen zu wollen.

Die Zahlen schlagen sich auch auf die Anbieter nieder. „Im Lebensmittelhandel ist eine Ernüchterung zu beobachten, was das Online-Geschäft angeht. Viele haben einen Gang zurückgeschaltet, was den Ausbau ihrer Internet-Aktivitäten angeht“, beobachtet Kai Hudetz vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH). So stagniere bei Rewe die Zahl der vom Lieferservice abgedeckten Regionen schon seit geraumer Zeit bei 75, Konkurrent Edeka beschränke sich mit seinem Lieferservice auf Berlin und München und Lidl und Kaufland hätten ihr Online-Geschäft mit Lebensmitteln weitgehend aufgegeben. Aldi habe bisher in Deutschland ganz die Finger davon gelassen.

Auch Online-Riese Amazon kündigte vergangenen Mai an, seinen Lebensmittel-Lieferdienst Amazon Fresh auf Deutschland auszuweiten. Bislang kann dieser nur in Berlin, München und Hamburg genutzt werden. In der Hauptstadt habe sich die Zahl der angebotenen Produkte nach eigenen Angaben immerhin von rund 85 000 beim Start auf über 300 000 erhöht.

Kai Hudetz vom IFH glaubt, dass viele Händler das Marktpotenzial des Online-Handels mit Lebensmitteln überschätzt haben. Bei den meisten Verbrauchern fehle die Bereitschaft, die Kosten für den teils sehr teuren Lieferservice extra zu bezahlen. Bei Anbietern wie beispielsweise allyouneedfresh.de oder mytime.de, die auch gekühlte Ware per Online-Lieferservice anbieten, müssen Kunden zusätzlich zu den regulären Lieferkosten eine Frischepauschale von rund fünf Euro bezahlen, damit ihre Einkäufe direkt an die Haustür geliefert werden.