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Der Spion wird ausgesperrt

Der Spion wird ausgesperrt

Kameras an Computern, die mit dem Internet verbunden sind, können angezapft werden. Damit sie nicht heimlich beobachtet werden, kleben viele Nutzer sie ab. Wie halten es die Saarländer damit?

Als Mark Zuckerberg im Juni ein Bild von sich auf der Internet-Plattform Instagram hochlud, wollte er dem Foto-Netzwerk eigentlich nur zu 500 Millionen monatlichen Nutzern gratulieren. Aufmerksame Instagram-Nutzer entdeckten jedoch ein interessantes Detail. Im Hintergrund des Bildes ist zu erkennen, dass an Zuckerbergs Notebook die Kamera zugeklebt ist. Anscheinend befürchtet er, beobachtet zu werden.

Nicht nur Firmenchefs wie Zuckerberg ergreifen diese Maßnahme. Die Internetredaktion der Saarbrücker Zeitung hat auf Facebook und in der Stadt bei Nutzern nachgefragt, wie sie es mit der Sicherheit halten. Wer klebt seine Kamera ab?

Facebook-Nutzerin Anna Kern hat einen guten Grund, warum sie es tut: "Die Tochter eines Bekannten hat von der Schule gegen Leihgebühr einen Laptop bekommen", schreibt sie. "Nach Monaten stellte sich heraus, dass als Diebstahlschutz ein Programm installiert war, das alle paar Minuten ein Foto mit der integrierten Kamera geschossen hat. Weil das aber weder Schülern noch Eltern gesagt wurde, stand der Laptop meist im Schlafzimmer, in dem das Mädchen sich auch umgezogen hat. Seither ist meine Kamera mit einem schwarzen Punkt abgeklebt."

Auch Michelle Schäfer (20) klebt ihre Laptopkamera ab. Die Saarbrückerin hat gehört, dass Hacker Internetkameras anzapfen können. Sie möchte verhindern, dass sie jemand unbemerkt beobachtet. "Die Kamera abzukleben ist ja kein großer Aufwand", meint Schäfer. Außer einem installierten Antivirenprogramm nutzt sie jedoch keine weiteren Sicherheitsmaßnahmen.

Seit er erfahren hat, dass selbst Mark Zuckerberg das tut, klebt auch Jan Philipp Kramme (20) aus Saarbücken seine Kamera ab. Hinsichtlich des Datenschutzes im Internet ist Kramme nicht vorsichtig. Er glaubt jedoch, dass er womöglich jegliche Kontrolle über seine Daten verloren hat. "Google und Facebook kennen mich ja sowieso, ich bin längst ein gläserner Bürger", sagt er. "Ich bin durchsichtig und ich weiß es. Deswegen tue ich nix."

Obwohl er sich der Gefahren im Internet bewusst ist, unternimmt Jan Philipp Kramme kaum etwas, um seine Daten zu schützen. Diese Haltung ist in der Gesellschaft weit verbreitet, wie eine Studie der Initiative Deutschland sicher im Netz e.V. zeigt. Demnach klaffen das Wissen um Schutzmaßnahmen im Internet und tatsächliches Handeln weit auseinander. Außerdem stellt die Studie fest, dass Verbraucher sich im Netz immer unsicherer fühlen.

Ayse Yavuz (19) aus Saarbrücken kennt dieses Gefühl und klebt aus Angst vor Hackerangriffen die Kamera ihres Notebooks ab. Im Internet gehe sie außerdem sehr vorsichtig mit ihren Daten um. "Gerade wegen des Datenschutzes habe ich mich nie auf Facebook oder Instagram angemeldet", sagt sie. Zudem ist sie nicht mit den neuen Datenschutzrichtlinien des Messengerdienstes Whats-app einverstanden, der inzwischen Informationen über Nutzer an Facebook weitergibt. Yavuz überlegt deshalb, auf die alternative Anwendung Threema umzusteigen.

Auch Laila Gulaif (27) aus Saarlouis ist im Internet vorsichtig unterwegs. "Ich habe auf Facebook weder Familienmitglieder noch meinen Arbeitgeber verlinkt." Um ihre Daten zu schützen, verwendet Gulaif eine alternative Suchmaschine zu Google , die angeblich keine Daten speichert. Ihre Laptopkamera klebt sie jedoch nicht ab.