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Fitness-Armbänder
Der Spion am Handgelenk

Schritte, Kalorienverbrauch und Länge der Laufstrecke sind nur einige der Daten, die Smart-Uhren und Fitness-Armbänder speichern. Auch über den Aufenthaltsort wissen viele Geräte Bescheid. Im Kleingedruckten räumen sich viele sogar das Recht ein, diese Daten an Dritte weiterzugeben.
Schritte, Kalorienverbrauch und Länge der Laufstrecke sind nur einige der Daten, die Smart-Uhren und Fitness-Armbänder speichern. Auch über den Aufenthaltsort wissen viele Geräte Bescheid. Im Kleingedruckten räumen sich viele sogar das Recht ein, diese Daten an Dritte weiterzugeben. FOTO: Kay Nietfeld / dpa
Saarbrücken. Die Stiftung Warentest hat bei einer Untersuchung von Fitness-Armbändern erhebliche Mängel entdeckt: Die Anbieter der meisten Geräte räumen sich das Recht ein, sensible Kundendaten an Drittfirmen zu senden. Von Nina Scheid

Aus dem Alltag von Hobby-Sportlern und Fitness-Fanatikern sind sie fast nicht mehr wegzudenken: die sogenannten Fitness-Tracker. Die Armbänder informieren den Träger stets darüber, wieviele Schritte und Kilometer er zurückgelegt hat, mit welcher Geschwindigkeit er unterwegs ist, wie viele Kalorien er dabei bereits verbrannt hat und wie seine Herzfrequenz ausschaut. Doch informieren die Armbänder nicht nur ihre Besitzer. Wie die Stiftung Warentest herausgefunden hat, räumen sich zwölf von 13 getesteten Geräten zu viele Rechte im Bezug auf sensible Kundendaten ein. Nur ein Modell des Herstellers TomTom konnte mit dem Urteil „Gut“ überzeugen.


Das Feld der smarten Armbänder ist breitgefächert. Neben reinen Fitness-Trackern und Laufuhren gibt es auch die sogenannten Smart-Watches. Das Spektrum dieser intelligenten Uhren ist größer, zusätzlich zur Anzeige von Leistung und Herzfrequenz übernehmen sie meist auch Aufgaben des Smartphones und zeigen beispielsweise eingehende Anrufe oder Nachrichten an. Auch beim Preis gibt es große Unterschiede: Die von der Stiftung Warentest getesteten Modelle liegen zwischen 132 und 395 Euro.

Sie unterzog verschiedene Modelle der Hersteller Garmin, Polar, Fitbit, Samsung, TomTom, Apple und Huawei Tests, um herauszufinden, welche Funktionen es gibt, wie robust die Geräte sind und welche Rechte sich die Anbieter im Bezug auf Kundendaten einräumen. Im Bereich der einfachen Fitness-Tracker, die sich an Gelegenheitssportler und Menschen, die wissen wollen, wie viel sie sich am Tag bewegen, richteten, schnitten die Modelle Vivosmart 3 von Garmin sowie A370 von Polar mit „befriedigend“ am besten ab. Die Pulsmessfunktion neige bei bewegungsintensiven Übungen jedoch zu ungenauen Ergebnissen.



Für genauere Angaben sollen die etwas teureren Laufuhren sorgen. Am besten schnitt in dieser Kategorie der Gesamtsieger TomTom mit dem Modell Spark 3 Cardio + Music ab. Das Gerät enthalte als einzige Laufuhr einen Musikspieler, und auch die Fitnessfunktionen konnten überzeugen.

Unter den Premiummodellen der Smart-Watches wurde die Apple Watch Series 3 GPS mit „befriedigend“ ausgezeichnet. Sie funktioniere allerdings nur in Kombination mit einem iPhone und einem speziellen Telefonvertrag.

Mit Fitnessfunktionen wie Pulsmessung und Schrittzähler konnten alle Modelle punkten und wurden von den Warentestern im guten Mittelfeld eingestuft. In punkto Haltbarkeit , beispielsweise bei der Stoß- und Fallfestigkeit, glänzten zehn Modelle mit „sehr gut“ und drei mit „gut“.Zudem enthalte keines der getesteten Modelle Schadstoffe.

Kritisch sehen die Warentester hingegen die gravierenden Mängel im Kleingedruckten: Alle Modelle außer das Siegergerät von TomTom räumten sich umfangreiche Rechte an Kundendaten ein. Die Datenschutzerklärung des Apple-Geräts besage beispielsweise: „Apple gibt personenbezogene Daten an Unternehmen weiter, die Dienstleistungen erbringen, wie zum Beispiel die Kreditgewährung.“ Fitbit behalte sich vor, persönliche Daten wie Name, Gewicht und sportliche Aktivitäten an andere Firmen zu senden. Für die Stiftung Warentest waren solche Mängel der Grund, ihr Qualitätsurteil um eine ganze Note abzuwerten. Das kostete der Smart-Watch von Apple, die in den übrigen Kategorien am besten abschnitt, sogar den Testsieg.