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Der Mond bereitet nur Forschern schlaflose Nächte

Der Mond bereitet nur Forschern schlaflose Nächte

Beeinflusst der Mond unseren Schlaf?` Keineswegs, erklären Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie. Das zeigten wissenschaftlichen Untersuchungen. Doch die sind niemals veröffentlicht worden.

München. Seit Jahrhunderten sind viele Menschen überzeugt, dass ihre Gesundheit durch den Mond beeinflusst wird. Eine Ansicht, die heute auch auf zahlreichen Internet-Seiten Ausdruck findet. Gesundheits- und Beziehungsprobleme - alles Mögliche wird dem negativen Einfluss des Erdtrabanten zugeschrieben.

Am hartnäckigsten hält sich aber die Meinung, der Vollmond sei schuld an schlechtem Schlaf. Doch dafür fehle der Beweis, erklären nun Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München. Die Mondforschung tauge derzeit vor allem für die Beschäftigung der Wissenschaft mit sich selbst. Die Experten des Max-Planck-Instituts fanden heraus, dass es mehrere Untersuchungen zum Einfluss des Mondes auf den Menschen gibt. Sie hätten keine klaren Effekte feststellen können, seien allerdings auch niemals veröffentlicht worden.

Die Forscher betrachten dies als Beispiel für ein als Schubladenproblem in der Forschung bekanntes Phänomen. Viele Studienergebnisse verschwänden für immer in den Archiven der Forscher, wenn sie nicht zur vorherrschenden Tendenz der Wissenschaft passten, vor allem positive oder eindeutige Resultate zu veröffentlichen. Die niemals publizierten Mondstudien seien dagegen zu negativen oder zumindest nicht eindeutigen Ergebnissen gekommen.

Bisher sei der Einfluss des Mondes auf den Schlaf oft durch nachträgliche Analysen von Schlaf-Studien untersucht worden, die eigentlich zu anderen Zwecken durchgeführt wurden. Nach einigen von ihnen scheinen sich Mondphasen besonders auf Frauen auszuwirken, nach anderen wiederum auf Männer. Zwei Auswertungen mit Daten von 30 und 50 Teilnehmern zeigten, dass sich die Schlafdauer bei Vollmond verkürzt. In anderen Punkten seien sie dagegen zu widersprüchlichen Ergebnissen gelangt. Nach der einen kann der REM-Schlaf (die Traumphase) bei Neumond, nach der anderen bei Vollmond verzögert sein.

20 000 Nächte

Um Zufallsergebnisse zu vermeiden, die bei Untersuchungen mit sehr wenigen Teilnehmern möglich sind, hätten die Forscher daraufhin Daten von 1265 Testschläfern aus 2097 Nächten und dazu weitere, unveröffentlichte Analysen aus über 20 000 Nächten ausgewertet, so der Neurowissenschaftler Martin Dresler vom Münchner Max-Planck-Institut. Hier habe sich dann herausgestellt, dass der Mond keinen Einfluss auf den Schlaf hat. Dresler empfiehlt deshalb "gut überlegte und genau auf den Zweck abgestimmte Experimentreihen mit vielen Probanden" zu diesem Thema.