Wir möchten auf unserer Webseite Cookies und pseudonyme Analysetechniken auch unserer Dienstleister verwenden, um diesen Internetauftritt möglichst benutzerfreundlich zu gestalten.

Außerdem möchten wir und unsere Dienstleister damit die Besuche auf unserer Webseite auswerten (Webtracking), um unsere Webseite optimal auf Ihre Bedürfnisse anzupassen und um Ihnen auf unserer Webseite sowie auch auf Webseiten in verbundenen Werbenetzwerken möglichst interessante Angebote anzeigen zu können (Retargeting).

Wenn Sie dieses Banner anklicken bzw. bestätigen, erklären Sie sich damit jederzeit widerruflich einverstanden (Art. 6 Abs.1 a DSGVO).

Weitere Informationen, auch zu Ihrem jederzeitigen Widerrufsrecht, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

| 18:32 Uhr

Videoplattform Youtube
Der Kampf gegen die Gewalt im Netz

Die beliebte Videoplattform Youtube will sich für die Zukunft noch besser gegen gewalttätige Inhalte wappnen.
Die beliebte Videoplattform Youtube will sich für die Zukunft noch besser gegen gewalttätige Inhalte wappnen. FOTO: Britta Pedersen / dpa
Mountain View. Mit Künstlicher Intelligenz und mehr Personal will Youtube künftig stärker gegen extremistische Videos vorgehen. Von Andrej Sokolow (dpa)

Googles Videoplattform Youtube will nach massiver Kritik und politischem Druck härter gegen Gewalt und Extremismus vorgehen. Unter anderem werde die Zahl der Mitarbeiter, die Inhalte prüfen, im kommenden Jahr auf 10 000 erhöht, kündigte Youtube-Chefin Susan Wojcicki am Dienstag an.

Zugleich setzt das Unternehmen immer stärker auf Verfahren der Künstlichen Intelligenz: Computerprogramme sollen menschlichen Prüfern helfen, fast fünf Mal mehr Videos zu entfernen. Seit Juni seien 150 000 Videos wegen gewalttätigem Extremismus gelöscht worden. Inzwischen würden 98 Prozent davon von den selbstlernenden Maschinen aufgespürt. Das ermögliche es Youtube, solche Inhalte schneller zu löschen: Fast 70 Prozent seien binnen acht Stunden nach dem Hochladen entfernt worden, fast die Hälfte davon in nur zwei Stunden. Das Unternehmen gibt an, dass die Algorithmen seit Juni ein Volumen an Videos abgearbeitet hätten, für das 180 000 Mitarbeiter bei einer 40-Stunden-Woche gebraucht worden wären.

Gewalttätige Videos können besonders für Kinder und Jugendliche gefährlich werden, die beim Surfen zufällig auf solche Inhalte stoßen. Der Kinder- und Jugendpsychotherapeut Dr. Christian Lüdke warnt zum Beispiel, dass explizites Bild- und Videomaterial, beispielsweise von Terroranschlägen wie in Berlin oder Paris, beim Zuschauer Ängste bis hin zu Depressionen auslösen kann. Wissenschaftliche Studien hätten gezeigt, dass durch permanentes Anschauen solcher gewalttätigen Inhalte Traumata entstehen können – selbst wenn der Beobachter nicht selbst Teil des Geschehens gewesen ist.

Die VideoplattformYoutube wurde in diesem Jahr auch von Werbekunden massiv unter Druck gesetzt, nachdem deren Anzeigen im Umfeld extremistischer Videos gelandet waren. Wojcicki kündigte daraufhin einen neuen Ansatz für Werbung an, damit Anzeigen nur dort gezeigt werden, wo sie auch tatsächlich laufen sollen. Auch dazu solle es unter anderem mehr menschliche Kontrolle geben.

In Deutschland greifen zudem ab Januar die Vorschriften des sogenannten Netzwerkdurchsetzungsgesetztes, das die Betreiber sozialer Netzwerke wie Facebook und Youtube dazu verpflichtet, rechtswidrige Inhalte wie Hasskommentare oder gewalttätige Videos zu entfernen. Das Gesetz ist bereits seit Oktober mit einer Übergangsregelung in Kraft, ab 2018 sind Netzwerke dazu verpflichtet, offensichtlich strafbare Inhalte innerhalb von 24 Stunden, kompliziertere Fälle binnen einer Woche, zu löschen. Ab Januar können Nutzer dann auch beim Bundesamt für Justiz offiziell Beschwerde einlegen, wenn soziale Netzwerke innerhalb dieser Zeit nicht ordnungsgemäß auf ihre Beanstandungen eingegangen sind.

Kritiker des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes befürchten allerdings, dass soziale Netzwerke durch solche Fristen unter Druck geraten können, dass Inhalte, deren Rechtmäßigkeit nicht zweifelsfrei geklärt seien, aus Angst vor Sanktionen vorschnell gelöscht werden. Dies könne im Zweifelsfall zu einer Einschränkung der im deutschen Grundgesetz verankerten Meinungsfreiheit führen.