Der Daten-Tsunami

Das Internet der Dinge verbindet Alltagsgegenstände. Dabei entstehen Unmengen von Informationen. Die Industrie verspricht dadurch mehr Komfort, Datenschützer warnen vor Kontrollverlust.

Das Internet der Dinge ist eine riesige Datenschleuder. Und sie nimmt immer mehr Fahrt auf. Millionen von Sensoren sollen künftig Geräten Augen und Ohren verleihen. Das bedeutet auch, dass immer mehr Informationen digital gesammelt werden.

"Die Herausforderung ist, dass das Internet der Dinge sich über die nächsten Jahre zur größten Datenquelle auf dem Planeten entwickeln wird", sagt Harriet Green, die bei IBM das Geschäft mit dem Internet der Dinge leitet. "Im vergangenen Jahr haben wir mehr Daten gesammelt als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte." Künftig würden weitere unstrukturierte Daten wie Geräusche, Gerüche und Geschmack hinzukommen. "In wenigen Jahren wird ein Brontobyte an Daten zusammengekommen sein", so Green. Das ist eine unvorstellbare Zahl mit 27 Nullen.

Mit dem System Watson arbeitet IBM daran, alle Arten von Daten zu analysieren und die Interaktion zwischen Mensch und Maschine über die natürliche Sprache zu ermöglichen. Einer breiteren Öffentlichkeit war Watson 2011 durch einen Auftritt in der Quiz-Sendung Jeopardy bekannt geworden, bei dem das System erstmals zwei menschliche Gegner schlagen konnte. Das System könne inzwischen aus strukturierten und unstrukturierten Daten lernen und die menschliche Sprache verstehen, sagt Green.

Geschäftspartner könnten auf Basis dieses Systems ihre Geräte für das sogenannte Smart-Home entwickeln. So stelle der Haushaltsgeräte-Hersteller Whirlpool auf der diesjährigen Elektronikmesse IFA eine Waschmaschine vor, die über das Internet direkt mit dem Trockner kommuniziert und anzeigt, um welche Art von Wäsche es sich handelt. Der japanische Elektronikhersteller Panasonic zeige eine intelligente Gebäudesicherung, die den Nachbarn erkennt und erst Alarm schlägt, wenn zum Beispiel ein Fremder über den Zaun klettert. Das deutsche Start-up Bragi präsentiere Ohrhörer, die nicht nur Klänge wiedergeben, sondern auch über 27 Sensoren biometrische Daten erfassen und zum Beispiel den Blutdruck und den Herzschlag messen.

Während Green davon überzeugt ist, dass die so erzeugte Datenflut "zum Wohl der Menschen" genutzt werden könne, warnen Verbraucherschützer vor Datenschutzproblemen. Unbefugte könnten die Geräte ausspionieren und aus den Daten beispielsweise Informationen über die Alltagsgewohnheiten und den Tagesablauf der Bewohner erhalten. Aus diesem Grund empfiehlt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen Nutzern, Smart-Home-Systeme nicht ans Internet anzubinden, sondern es bei einem internen Informationsfluss zu belassen.