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Der Computer für die Hosentasche

Der Communicator von Nokia wurde 1996 vorgstellt. Er kostete damals 2700 D-Mark. Foto: dpa
Der Communicator von Nokia wurde 1996 vorgstellt. Er kostete damals 2700 D-Mark. Foto: dpa FOTO: dpa
Berlin. Das Smartphone ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Chatten, Fotografieren, im Internet surfen: Es ist ein kleines, nützliches Gerät für jedermann. Das erste Smartphone war noch als mobiles Büro mit Fax-Anschluss konzipiert. dpa-Mitarbeiter Christoph Dernbach

Ein typischer Smartphone-Nutzer in Deutschland sieht im Schnitt 88 Mal täglich aufs Handy. Das ist zumindest das Ergebnis einer Studie des Bonner Wissenschaftlers Alexander Markowetz. 35 Mal überprüft der Anwender nur, ob eine Mitteilung eingetroffen ist oder will wissen, wie spät es ist. Immerhin 53 Mal am Tag entsperrt der Nutzer das Gerät, um eine Nachricht zu schreiben, ein Foto aufzunehmen, eine App zu starten oder im Internet zu surfen.


Welche Bedeutung das Gerät im Alltag der Menschen einmal annehmen würde, war zu Beginn der Smartphone-Ära vor 20 Jahren noch nicht absehbar. Dieses Zeitalter begann im Jahr 1996, über zehn Jahre vor dem ersten iPhone . Auf der Cebit in Hannover kündigte der finnische Mobilfunkkonzern Nokia den "Nokia 9000 Communicator" als "Büro im Westentaschenformat" an, das dann am 15. August 1996 in die Läden kam.

Als eine der wichtigsten Funktionen wurde damals angepriesen, dass der aufklappbare "Communicator" auch Faxe senden und empfangen konnte. Außerdem brachte das rund 400 Gramm schwere Gerät, das für 2700 D-Mark verkauft wurde, auch einen elektronischen Kalender, ein digitales Adressbuch, eine Notizanwendung und einen Taschenrechner mit. Und man konnte im Web surfen, was für die meisten Technik-Historiker den Begriff "Smartphone" mitdefiniert.



Es blieb aber der amerikanischen Firma Apple überlassen, dem Smartphone-Markt den entscheidenden Impuls zu geben. In einer Präsentation zum Auftakt der Messe MacWorld am 9. Januar 2007 versprach Apple-Chef Steve Jobs dem Publikum gleich drei Geräte in einem: einen Musikplayer mit Touch-Bedienung, ein revolutionäres Telefon und einen grundlegend neu konzipierten Internet-Kommunikator.

Die damaligen Mobilfunkpioniere Nokia , Motorola und Blackberry wurden von der iPhone-Ankündigung kalt erwischt und hatten selbst Jahre später noch große Schwierigkeiten, eine angemessene Antwort zu geben. Nur Google mit seinem damaligen Chef Eric Schmidt war gut vorbereitet. Schmidt saß seit 2006 auch im Verwaltungsrat von Apple und hatte wohl mitbekommen, in welche Richtung sich der Zukunftstrend im Mobilfunk bewegen wird. Schon im Sommer 2005 hatte Google das Start-up Android übernommen, um eine Steuerungssoftware für Kameras zu entwickeln. Im Oktober 2008 kam mit dem HTC Dream das erste Android-Smartphone auf den Markt. Apple-Chef Jobs tobte, weil die Android-Oberfläche dem iPhone so sehr ähnelte. Es gelang Apple allerdings nicht, das Google-System vor Gericht stoppen zu lassen. Neben Google kann sich Samsung als Gewinner des danach einsetzenden Android-Booms fühlen. Im ersten Quartal 2012 lösten die Südkoreaner Nokia als weltgrößten Mobilfunkhersteller ab. Diese Spitzenposition hatte Nokia seit 1998 innegehabt.

Der Abstieg der Finnen beschleunigte sich ab 2011, weil die Nokia-Entwickler nicht in der Lage waren, ihr Symbian-System zu einer attraktiven Alternative zu Apples iOS oder Android von Google zu erneuern. Der damalige Nokia-Chef Stephen Elop beschwor im Februar 2011 seine Mitarbeiter: "Wenn man auf einer brennenden Öl-Plattform steht, hat man zwei Möglichkeiten: Entweder zu bleiben und zu verbrennen, oder ins kalte Wasser zu springen."

Nokia wagte den Sprung ins Wasser und wurde vom Rettungsboot Microsoft mit seinem Windows-System aufgenommen. Doch konnte das Manöver die Nokia-Smartphone-Sparte nicht vor dem Untergang bewahren. Dieser Geschäftsbereich von Nokia sowie die Patente der Finnen landeten im April 2014 für 5,4 Milliarden Euro bei dem US-Konzern. Nach einer Serie von schlechten Quartalsergebnissen wurde die Sparte von Microsoft-Chef Satya Nadella aber schon wieder abgewickelt.