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Der Benziner ist schlechter als sein Ruf

Der Benziner ist schlechter als sein Ruf

Schweizer Forscher fordern den Einbau von Rußpartikelfiltern auch in Benzinmotoren.

(np) Der Diesel ist der Buhmann unter den Verbrennungsmotoren. Die Diskussion dreht sich dabei derzeit vor allem um das Thema Stickoxide. Ist das Benzin-Auto also die umweltfreundlichere Alternative zu Diesel? Nein, antworten Ingenieure der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa auf diese Frage. Die Schweizer Wissenschaftler kommen nach einer Untersuchung des Schadstoffcocktails im Abgas moderner Benzin-Direkteinspritzer zum Ergebnis, dass diese Motoren erheblich mehr Rußpartikel in die Luft pusten als ein moderner Dieselmotor mit einem Partikelfilter. Bei den Benzinern bestimmen heute sogenannte Downsizing-Motoren das Bild. Diese Maschinen entwickelten dank Direkteinspritzung und Turboaufladung viel Leistung aus wenig Hubraum.

Die Schweizer Forschergruppe untersuchte sieben Benzin-Direkteinspritzer nach einem Testverfahren, das ab September dieses Jahres für neu zugelassene Modelle gilt. Die Resultate dieses Vergleichs seien ernüchternd gewesen. Die getesteten Benziner hätten bis zu hundertmal mehr feine Rußpartikel ausgestoßen als ein zum Vergleich gemessenes modernes Dieselauto mit Partikelfilter. Im Prinzip seien die Benzin-Direkteinspritzer in Sachen Rußpartikel auf dem Stand eines ungefilterten Diesels vor 15 Jahren. Die Rußpartikel im Abgas der Benzinmaschinen ähnelten außerdem denen, die einst den Dieselmotor in Verruf gebracht haben. "Einmal eingeatmet, bleiben solch kleine Partikel für immer im Körper", erläutert Empa-Forscher Norbert Heeb.

Auf der Oberfläche dieser winzigen Rußteilchen lagerten sich gefährliche Chemikalien aus dem Verbrennungsprozess ab. Ein Kubikmeter Abgas mache aus bis zu 1700 Kubikmetern sauberer Luft eine nach EU-Standards krebserregende Mischung. Die Schweizer Forscher fordern nun Partikelfilter auch für Benzinmotoren.