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Datenschützer haben Threema, Signal und Co. unter die Lupe genommen

Messenger im Überblick : Kurznachrichtendienste auf dem Prüfstand

Whatsapp steht wegen seiner Datenschutzrichtlinien in der Kritik. Daher suchen Nutzer nach Alternativen.

Nachdem der Kurznachrichtendienst Whatsapp Anpassungen seiner Datenschutzrichtlinien angekündigt hatte, suchten viele Nutzer nach einer Alternative. In den Appstores von Google und Apple finden Smartphone-Besitzer einige Möglichkeiten. Doch sind sie wirklich die bessere Wahl mit Blick auf den Datenschutz?

Der Kurznachrichtendienst Threema ist laut der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW) die einzige Alternative zu Whatsapp, die wirklich Anonymität verspricht. Dafür werden die Nutzer zur Kasse gebeten. Im Appstore von Apple kostet die Software 3,99 Euro. Besitzer eines Android-Gerätes zahlen 2,99 Euro. Nutzer erhalten ein Pseudonym, eine sogenannte ID, unter dem sie für andere sichtbar sind. Wer einen eigenen Namen vergeben will, kann dies laut der Verbraucherzentrale auch tun. Um einen Freund zu den Threema-Kontakten hinzuzufügen, werde nur die ID benötigt. Alle Daten aus dem Adressbuch werden verschlüsselt nur auf dem Gerät des Nutzers und nicht auf dem Server des Dienstes gespeichert. Nachrichten werden nach Angaben der Entwickler nur solange auf den Servern gespeichert, bis sie zugestellt wurden. Dann würden sie verschlüsselt auf dem Gerät des Empfängers gesichert. Die Softwareentwickler erklären, dass Nutzer nicht sehen, ob andere gerade online sind oder wann sie zuletzt die App benutzt haben.

Die Messenger-App Signal erlebte nach der Ankündigung von Whatsapp einen wahren Nutzeransturm. Über Nacht erklomm sie die Downloadcharts der Appstores. Die kostenlose Software verlangt im Gegensatz zu Threema nach einer Telefonnummer und einem Benutzernamen. Dabei genügt dem Dienst jedoch ein Pseudonym – sogar ein Emoji wird akzeptiert. Um Freunde zur Kontaktliste hinzuzufügen, kann entweder der Zugriff auf das Adressbuch des Smartphones freigeben werden oder der Nutzer muss die Telefonnummer selbst eingeben. Wie auch bei Threema zeigt Signal keinen Online-Status einzelner Nutzer an. Der Messenger punktet jedoch mit Nachrichten, die sich selbst löschen. Doch wie auch bei anderen Programmen könne der Empfänger eine Bildschirmaufnahme machen, bevor die Nachricht gelöscht wird, warnt die Verbraucherzentrale NRW. Sie bemängelt auch, dass es keine Datenschutzerklärung auf Deutsch gebe, obwohl das für Dienste, die in der Europäischen Union angeboten werden, verpflichtend ist.

Die App Telegram belegt derzeit den vierten Platz der Downloadcharts des Google Playstores. Und auch bei iOS-Nutzern ist die Software unter den Top 10 (Stand: 29. Januar). Doch die Verbraucherzentrale NRW kritisiert den Datenschutz des Programms. Es fehle die Datenschutzerklärung auf Deutsch. Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sei nur bei sogenannten Secret Chats (geheime Chats) möglich. Bei dieser Verschlüsselungstechnik werden Daten so codiert, dass nur der Empfänger sie öffnen kann. Damit soll verhindert werden, dass der Telekommunikationsanbieter oder die Software-Entwickler mitlesen können. Für Gruppengespräche entfalle diese Option. Außerdem verlange die App Zugriff auf das Adressbuch des Smartphones. Verweigern das die Nutzer des Apple-Betriebssystems, können sie keinen Chat beginnen. Die Android-Version könne uneingeschränkt verwendet werden. Wie auch Signal bietet Telegram selbstlöschende Nachrichten an, die aber wie auch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nur in geheimen Chats zur Verfügung stehen. Während bei den Konkurrenten die Lesebestätigung von Nachrichten abgeschaltet werden kann, ist das bei Telegram nicht möglich.

Der Kurznachrichtendienst Skype gehört zum Softwareunternehmen Microsoft. Wer diesen Messenger nutzen will, benötigt ein Microsoft-Konto, für das eine E-Mail-Adresse oder eine Handynummer erforderlich ist. Auch hier stehe die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nur eingeschränkt in privaten Unterhaltungen zur Verfügung, erklären die Verbraucherschützer. Inhalte von normalen Chats würden auf den Servern von Skype gespeichert. Microsoft erkläre in der Datenschutzerklärung nicht, ob die Informationen verschlüsselt gesichert werden und wo sich die Server befinden, bemängelt die Verbraucherzentrale.