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Das soziale Netzwerk will staatlich kontrollierte Medien kennzeichnen

Kennzeichnung staatlich kontrollierter Medien : Facebook geht gegen Propaganda vor

Staatlich kontrollierte Medien sollen gekennzeichnet und damit mehr Transparenz für Nutzer geschaffen werden.

() Facebook ergreift weitere Maßnahmen, um die Verbreitung von Propaganda und gefälschten Nachrichten in seinem Online-Netzwerk einzudämmen. Unterdessen wird deutlich, dass auch die nächste US-Präsidentenwahl Ziel von Propaganda aus Russland wird. Facebook hat bereits mehrere Dutzend Accounts bei seiner Fotoplattform Instagram gelöscht, die einem bewährten Muster folgten: Sie gaben sich als Amerikaner aus, viele priesen US-Präsident Donald Trump an, andere versuchten, Wähler der Demokraten zu spalten.

Daraus zieht das Unternehmen nun Konsequenzen. So sollen künftig staatlich kontrollierte Medien wie etwa der russische Fernsehsender Russia Today gut sichtbar als solche gekennzeichnet werden. Zudem wird das Online-Netzwerk bei Beiträgen, die von unabhängigen Faktenprüfern für falsch erklärt wurden, prominenter darauf hinweisen.

Vorbild könnte dabei Youtube sein. Die Videoplattform kennzeichnet bereits seit Februar 2018 in den USA Videos, „die von Nachrichtensendern hochgeladen wurden, die eine gewisse staatliche oder öffentliche Finanzierung erhalten“. Das erklärte der Produktmanager Geoff Samek in einem Blogbeitrag des Unternehmens. Ziel sei es, dass Zuschauer Inhalte besser nachvollziehen könnten. Seit August gibt es diese Kennzeichnung auch in Deutschland, wie das Nachrichtenportal TechCrunch berichtet. Laut Youtube handele es sich dabei ausschließlich um eine Information für die Zuschauer und nicht um eine Wertung seitens der Plattform. Neben Deutschland und den USA hat Youtube die Funktion in sechs weiteren europäischen Ländern und Indien eingeführt

Eine Analyse von 50 gelöschten Instagram-Accounts durch die Firma Graphika ergab, dass elf von ihnen sich als Konservative ausgaben, die Trump lobten. Neun posierten als Anhänger der Bewegung für die Rechte von Afroamerikanern. Andere wiederum veröffentlichten Streitthemen wie das Recht auf Waffenbesitz oder Feminismus.

Facebook sei in den vergangenen Jahren deutlich besser im Kampf gegen Propaganda und gefälschte Nachrichten geworden, betonte der Gründer und Chef Mark Zuckerberg in einer Telefonkonferenz. Zugleich sei das Online-Netzwerk immer ausgeklügelteren Attacken aus Ländern wie Russland, Iran und China ausgesetzt.

Neben der Kampagne aus Russland entdeckte und stoppte Facebook drei weitere aus dem Iran. Die Aktivitäten hätten auf Menschen in den USA, Lateinamerika und Nordafrika gezielt. Anfang Oktober wurden Hunderte gefälschte Konten aus Ländern wie den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten und Indonesien gelöscht. Über die Accounts seien unter anderem kritische Beiträge über den Iran, die Türkei sowie Katar veröffentlicht worden.

Facebook war unter massive Kritik geraten, weil das Online-Netzwerk im Umfeld der US-Präsidentenwahl 2016 für groß angelegte Kampagnen aus Russland missbraucht wurde, die darauf zielten, die Spannungen in der US-Gesellschaft zu verschärfen. Das soziale Netzwerk verstärkt seitdem massiv die Anstrengungen, Beiträge von Propaganda- oder Fake-News-Netzwerken unter den Milliarden von Postings zu finden.

Accounts von gewählten Politikern, Wahl-Kandidaten und deren Mitarbeitern sollen in einem Programm mit dem Namen „Facebook Protect“ verstärkt abgesichert werden, hieß es weiter. Schärfer will das Unternehmen gegen Versuche vorgehen, Wähler einzuschüchtern oder zum Beispiel über Ort und Ablauf der Abstimmung falsch zu informieren. Zuckerberg betonte, dass bei der Wähler-Einschüchterung auch die Toleranz für irreführende Informationen in Politiker-Beiträgen aufhöre.

Zuvor hatte er in einer Rede an der Georgetown-Universität in Washington deutlich gemacht, sich nicht in inhaltliche Aussagen von Wahlkampfspots einzumischen, selbst wenn die Werbeanzeigen irreführende Inhalte oder gar glatte Lügen enthalten. „Ich denke nicht, dass die meisten Menschen in einer Welt leben wollen, in der man nur Dinge veröffentlichen kann, von denen Tech-Unternehmen glauben, dass sie zu 100 Prozent stimmen“, sagte Zuckerberg. „Wir denken, dass die Leute die Möglichkeit bekommen müssen, zu sehen, was Politiker sagen.“

(dpa)