Das soziale Netzwerk Instagram kann auch Inspiration schaffen

Inspiration statt Stress : Instagram ist besser als sein Ruf

Mainzer Studie: Soziale Netzwerke können viele Inspirationen liefern – falls man sie sinnvoll zu nutzen weiß.

Dass soziale Netzwerke wie die Fotoplattform Instagram viele Nutzer psychisch herunterziehen, weil sie sich in der dort präsentierten Glitzerwelt der angeblich Reichen und Schönen wie das sprichwörtliche hässliche Entlein fühlen, haben mehrere Untersuchungen belegt. Doch es geht auch anders. Das Netzwerk kann die Stimmung heben, wie Adrian Meier, Kommunikationswissenschaftler an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz herausgefunden hat.

Wenn sich der Betrachter mit dem Profil einer anderen Person identifizieren kann, wird er durch deren Fotos eher inspiriert, statt zum Neid angestachelt, wie Meier und seine Kollegen herausgefunden haben.

Den Teilnehmern ihrer Studie wurden erfundene Instagramprofile, die einen durchschnittlichen Nutzer darstellten, gezeigt. Dort waren idealisierte Naturaufnahmen oder Schnappschüsse von Reisen zu sehen. Sieht der Betrachter solche Bilder, sieht er das als Inspiration. Der Kommunikationswissenschaftler berichtet, dass die Betrachter dadurch unter anderem überlegt hätten, ob der abgebildete Ort als mögliches Urlaubsziel in Frage komme. Laut eigenen Angaben sind jeden Monat weltweit eine Milliarde Menschen bei Instagram online. Dazu gehören auch 38 Prozent der Deutschen, die regelmäßig soziale Netzwerke besuchen. Das zeigt eine Umfrage des Portals Statista. Die Mainzer Forscher geben Instagram-Nutzern folgende Ratschläge:

Hinterfragen, wem man folgt: Auf Instagram scheint, jede noch so kleine Nische bedient zu werden. Von Katzenfotos bis zu neuen Sporttrends. Für jeden gibt es das passende Foto. Wichtig sei, so Meier, dass jeder Nutzer vor einem Klick auf die Schaltfläche „Folgen“ überlegt, warum er genau diesem Profil folgen will. Folgt er einem anderen Instagrammitglied nur, weil das alle Anderen auch machen, ist das nicht als Begründung ausreichend. Es bringt nichts, jemandem, dessen Themen einen eigentlich nicht interessieren, zu folgen.

Influencer, Personen, die sich selbst und auch Produkte in sozialen Medien vermarkten, könnten andere Mitglieder des Netzwerks negativ beeinflussen. Sie stellten in der Regel ausschließlich die positiven Seiten ihres Lebens dar, erklärt Meier. Gerade Profile von Fitnessinfluencern lösten Neid aus, da die Vorbilder meist unerreichbar auf den Betrachter erscheinen, so Meier. In einem gesunden Maß und aus persönlichem Interesse heraus widerspreche aber Nichts, auch solchen Profilen zu folgen.

Instagram entspricht nicht immer der Realität:Wer die Plattform besucht, sollte sich bewusst sein, dass viele Fotos bearbeitet sind und nicht die Realität abbilden. Hinter einer hochgeladenen Aufnahme steckt häufig noch stundenlange Arbeit mit Bildbearbeitungsprogrammen.

Viele Betrachter verglichen sich automatisch mit dem Influencer, erläutert Meier. Doch dessen Bildergeschichten geben die Wirklichkeit immer durch die rosarote Brille wieder. Negative Aspekte eines Themas werden gezielt ausgeblendet. So entstehe Neid, da der Besucher des Profils nur die bearbeiteten, vermeintlich perfekten Aufnahmen sieht. Das Vorbild scheint, daher unerreichbar zu sein, erklärt Meier.

Aussortieren, was einem schadet: Wer Profilen folgt, die ein schlechtes Gefühl auslösen, muss sie wieder aus seiner Liste löschen. So vermeidet er, dass ihm weiterhin Fotos gezeigt werden, die Missgunst oder ein niedriges Selbstwertgefühl verursachen. Stattdessen sollten Profile gewählt werden, die inspirieren und mit denen man sich identifizieren kann.

Digitale Entgiftung:„Wenn alles zu viel wird, ist Digital Detox sinnvoll“, befürwortet Meier die digitale Entgiftung. Dabei verzichten Nutzer über einen gewissen Zeitraum komplett auf ihren Netzzugang. Auch die Techniker Krankenkasse rät zum ­digitalen Abschalten mit Einschränkungen: „Der radikale Verzicht aufs Smartphone, zum Beispiel im Urlaub, wird auf Dauer nicht viel bringen, wenn man danach seine Gewohnheiten nicht verändert.“ Ähnlich sieht das der Mainzer Kommunikationswissenschaftler: „Wenn ich das Gefühl habe, etwas zu verpassen, ist es auch nicht sinnvoll.“

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