Das Smartphone raubt den Schlaf

Forscher schlagen Alarm : Das Smartphone raubt den Schlaf

Abends im Bett noch Bilder und Videos auf dem Handy zu schauen oder Nachrichten zu verschicken, kann die Nachtruhe beträchtlich stören.

Wer ständig auf sein Smartphone starrt, schläft schlecht. Das zeigt zum Beispiel eine Untersuchung der Universität Basel, bei der Psychologen 360 Schüler im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren befragten. Wer im Bett vor dem Einschlafen Videos schaut oder Nachrichten verschickt, habe häufiger Schlafprobleme und „depressive Symptome“, so die Wissenschaftler.

Neben der Ablenkung durch die Bilder, Filme und Texte steht auch die LED-Hintergrundbeleuchtung im Verdacht, den Schlaf-Wach-Rhythmus zu verändern. Denn das kurzwellige LED-Licht ähnelt in der Farbe dem Tageslicht und unterdrückt die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin, berichtete auch das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart.

Das führt dann dazu, dass Menschen, die dank eines leistungsfähigen Internetzugangs bis spät abends vor dem Computer, Smartphone, Fernseher oder der Playstation sitzen, deutlich weniger schlafen und „insgesamt weniger zufrieden mit ihrem Schlaf sind“, berichtet das Deusche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin.Dort werden die Daten der umfangreichsten sozialwissenschaftlichen Langzeitstudie Deutschlands, des Sozio-Ökonomischen Panels (SOEP) verwaltet. Es umfasst Daten von 30 000 Menschen in 15 000 Haushalten. Die jüngste Auswertung, bei der Daten von 5600 Besitzern eines DSL-Anschlusses einflossen, zeigt nun, dass junge Internetnutzer im Alter zwischen 18 und 30 Jahren mittlerweile einen so ausgeprägten Schlafmangel haben, dass zumindest ihr Wohlbefinden darunter leidet. Nach den SOEP-Daten schläft in Deutschland der durchschnittliche Erwachsene im Alter von 18 bis 59 Jahren unter der Woche knapp sieben Stunden, am Wochenende sind es fast acht Stunden. Sieben Stunden gelten als minimale Schlafdauer, die von Medizinern als gesund eingestuft wird.

Wer ständig am Internet daddelt, schläft im Schnitt dagegen fast eine halbe Stunde weniger, fanden die Ökonomen Francesco Billari, Osea Giuntella und Luca Stella bei der Analyse der Daten heraus. Das sei mehr als nur eine statistische Aussage. Die nächtlichen DSL-Nutzer hielten ihre Nachtruhe nach der Umfrage selbst für zu kurz und klagten, ihr Schlaf sei nicht erholsam. „Besonders der Schlaf jüngerer Menschen unter 30 Jahren ist gefährdet“, sagt Luca Stella von der Bocconi-Universität in Mailand.

In dieser Altersgruppe sei der Unterschied zu Menschen, die keinen Internet-Anschluss haben, besonders ausgeprägt. Im Durchschnitt sei ihre Bettruhe über eine Stunde kürzer als bei Gleichaltrigen ohne einen Zugang zu den Verlockungen des Internets. Die wesentlichen Schlafverhinderer sind nach dieser Untersuchung Computer und Smartphone. Wer länger als eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen vor diesen Geräten verbringe, erhöht die Wahrscheinlichkeit für Schlafstörungen und eine maximal nur noch sechs Stunden dauernde Nachtruhe um ein Drittel, fanden die italienischen Wissenschaftler heraus. Als Schlafstörer wirke das Smartphone allerdings nur bei Frühaufstehern. Wer morgens ausschlafen kann, sei durch die Mediennutzung zu später Stunde weit weniger stark betroffen.

(np)
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