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Das schnelle Geld mit geklonten Apps

Das schnelle Geld mit geklonten Apps

Apps für Smartphones und Tablets zu programmieren, ist ein gutes Geschäft. Doch was erfolgreich ist, wird auch gerne kopiert: Die Nachahmer hoffen, dass ein wenig vom Glanz des Originals auf die Kopie abfärbt.

Ein paar grüne Rohre auf blauem Grund und ein winziger gelber Vogel, der den Rohren ausweichen soll. Damit begann der Siegeszug des Spiels "Flappy Bird", das innerhalb weniger Monate an die Spitze der App-Charts schoss. Es folgten unzählige Nachahmer. Ob Fische, Schweine, Ponys oder sogar eine "Flappy Dragqueen" - meist wurde der Vogel einfach ausgetauscht. Noch Wochen nachdem sein Erfinder das Spiel aus den Download-Plattformen entfernt hatte, überschwemmten "Flappy-Bird"-Klone die App-Stores.

Der Markt für mobile Spiele ist groß: Nach Zahlen des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) spielen mittlerweile allein in Deutschland fast 21 Millionen Menschen auf Smartphones oder Tablets. Gleichzeitig gibt es mehr Konkurrenz. Die Berliner Spielefirma Wooga schätzt, dass jeden Monat etwa 1000 neue Spiele auf den großen App-Plattformen auftauchen. Wer da einen Hit landen will, braucht eine gute Idee, Zeit, Geld und viel Glück - oder ein gutes Vorbild. Kein Wunder also, dass sich das Nachbauen von Apps zu einem eigenen Markt entwickelt hat. Um eine App zu kopieren, nutzen die Nachahmer verschiedene Methoden. Manche imitieren einfach das Aussehen oder den Namen einer App und hoffen darauf, dass sie der Nutzer mit dem Original verwechselt. Andere tauschen die Werbeanzeigen einer App durch eigene Werbung aus und verdienen so an ihrer Kopie. Das Grundproblem sei, dass der Programmcode einer App relativ leicht zu knacken sei, sagt der Software-Ingenieur Candid Wüest, der für die Sicherheitssoftware-Firma Symantec Bedrohungen im Internet analysiert. Den Programmcode der Apps zu knacken, sei "eine Sache von fünf Minuten". Und es brauche keine großen Programmierkenntnisse, um sie in Details zu verändern und als neue App auf den Markt zu bringen. Im Internet kursieren die Anleitungen dafür. Vor allem Android-Apps seien davon betroffen, sagt Wüest. "Bei Apple werden Apps rigoroser geprüft. Zudem werden sie ausschließlich im iTunes Store angeboten, für Android-Apps gibt es dagegen neben dem Google Play Store viele kleine Anbieter." Gerade über die kleinen Download-Shops kämen oft bösartige Apps auf die Geräte, sagt Wüest. Kriminelle nutzen die App-Klone, um mit den Kopien Schadsoftware auf die Geräte der Nutzer zu schleusen. Einmal installiert, späht der Klon im Hintergrund Daten aus oder verschickt überteuerte Textnachrichten.

Sich von anderen Apps inspirieren zu lassen, ist nicht prinzipiell verboten. Viele Künstler hatten Vorbilder. "Im Grundsatz gilt: Ideen sind frei", sagt Maximilian Schenk vom Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware. Doch auch Programmierer genießen Urheberrechte, deswegen gebe es Grenzfälle. Wer ein Datenpaket einfach kopiere, handle womöglich rechtswidrig und schade den ursprünglichen Entwicklern. "Für die Original-Entwickler hat ein Plagiat natürlich Nachteile: Sie verlieren Umsatz und vielleicht sogar ihren guten Ruf", sagt Tobias Arns vom Branchenverband Bitkom.

Die Spielefirma Wooga meldet Spiele, die zu nah an den eigenen Entwicklungen sind, den App-Stores von Google oder Apple. Die Erfolgsaussichten, dass ein Klon über kurz oder lang entfernt werde, seien in der Regel gut, so der Spieleentwickler. Allerdings ist manchmal gar keine direkte Kopie notwendig, um Nutzer zu täuschen. Die App "Virus Shield" schoss kürzlich auf den ersten Platz der Downloadcharts - bei einem Preis von knapp drei Euro. Der Virenschutz schien denkbar einfach zu funktionieren. Erschien auf dem Bildschirm ein grünes Häkchen, sollte das Smartphone sicher sein. Das Problem: Die App war gar kein Virenschutz, wie die Technik-Webseite "Android Police" berichtet. Ihre einzige Funktion war: Sie konnte ein Häkchen anzeigen.