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Gegen Fake News
Die Ampel für die Datenautobahn

 Falschnachrichten machen immer wieder Schlagzeilen. News Guard kämpft in den USA für die Einhaltung journalistischer Standards.
Falschnachrichten machen immer wieder Schlagzeilen. News Guard kämpft in den USA für die Einhaltung journalistischer Standards. FOTO: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa / Jens Kalaene
Hamburg. Grün für vertrauenswürdige Nachrichtenseiten, Rot für solche, die oft Falschmeldungen zeigen. Kann es so einfach sein? Von Annabelle Theobald

Die mobile Version des Edge-Browsers von Microsoft hat eine neue Funktion: Er bewertet Nachrichten und soll vor Falschmeldungen warnen. Bei der „Bewertung von Nachrichten“ handelt es sich um eine Art Frühwarnsystem vor verdächtigen Internetseiten. Microsoft arbeitet hierfür in den USA mit News Guard zusammen. News Guard ist ein Projekt, das von Journalisten ins Leben gerufen wurde, die es sich laut eigener Angabe zur Aufgabe machen, Falschnachrichten im Internet aufzudecken.


Anhand neun verschiedener Kriterien will News Guard Nachrichtenseiten hinsichtlich ihrer Vertrauenswürdigkeit und Transparenz bewerten. Bekommt eine Seite ein grünes Etikett, bedeutet das, dass sie den von News Guard gesetzten Kriterien entspricht. Ist die Markierung hingegen rot, werden solche Standards auf der Seite nicht eingehalten. Kriterien von News Guard sind beispielsweise, ob auf den bewerteten Seiten in der Vergangenheit wiederholt Falschmeldungen aufgetaucht sind, ob Fehler berichtigt wurden und ob persönliche Meinungen klar von den Nachrichten getrennt sind. In die Ampel-Bewertung von News Guard fließt auch mit ein, wie transparent die Seiten sind. Zu diesen Kriterien gehört etwa, wie die Seite sich finanziert sowie ob sie angibt, wer die Herausgeber sind und wer im Einzelnen für den Inhalt verantwortlich ist. Die Kriterien werden unterschiedlich gewichtet und führen dann zu einem Gesamturteil.

Dr. Cornelius Puschmann, Medien- und Kommunikationsforscher am Hans-Bredow-Institut in Hamburg, hält den Ansatz solcher Dienste für richtig. Einzelne Falschmeldungen seien für Nutzer kaum zu erkennen. „Das Vertrauen in bestimmte Quellen ist heute notwendiger denn je“, so Puschmann. Werkzeuge wie das Bewerten von Nachrichten können laut Aussage des Medienforschers dabei helfen, Nutzern die Bewertung der online angebotenen Nachrichtendienste zu erleichtern. Die Integration einer solchen Funktion jedoch erfordere vom Nutzer eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Thema. Sich uneingeschränkt auf die Bewertung zu verlassen, sei nicht empfehlenswert, erklärt Puschmann.



Die Bewertung von Seiten ist im Edge-Browser auf iOS- und ­Android-Smartphones unter den Einstellungen zu finden und nach der Installation zunächst ausgeschaltet. Das von News Guard vergebene Symbol wird in der Adresszeile der Seite abgebildet, die gerade aufgerufen wird.

Wer weitere Informationen zu den Gründen der Bewertung und zur Seite wünscht, kann sich die sogenannten „Nährwerte“ genauer ansehen. Hinter der Option steckt eine detaillierte Übersicht über die Kriterien und warum die Seite diese Kriterien nach Ansicht von News Guard erfüllt. Dort finden Nutzer auch Informationen dazu, wer hinter dem Angebot steht und welche Art von Inhalten auf der Seite angeboten wird. Laut Angaben von News Guard wurden 96 Prozent der englischsprachigen Online-Nachrichtenseiten in den USA bewertet. Auf deutschen Seiten war News Guard bislang kaum aktiv.

Wie gefährlich sind falsche Nachrichten tatsächlich für die Gesellschaft? Das Thema Falschnachrichten werde heiß diskutiert, aber die Effekte seien nicht so groß wie angenommen, so Puschmann. „Große Mengen von Falschnachrichten bedeuten noch nicht, dass diese auch von vielen Menschen gesehen werden“, sagt der Medienforscher. Tatsächlich ergebe sich auch aus aktuellen Studien aus den USA, dass es häufig kleine Gruppen mit extremen Ansichten seien, die Falschmeldungen weiterverbreiteten. Dennoch sei es ein Problem, dass im Netz häufig tendenziös berichtet werde.

Auch hierzulande gibt es den Versuch, Falschmeldungen zu widerlegen. Zum Beispiel von Correctiv, dem laut eigener Aussage ersten gemeinnützigen Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum. ­Correctiv stellt neben aktuell recherchierten Themen einen Faktencheck zu Verfügung. Dieser kommt auch in Kooperation mit Facebook zum Tragen. Erscheint auf der Seite von Correctiv ein Faktencheck-Artikel zu einer Meldung, kann das Recherchezentrum diesen mit der Behauptung auf Facebook verknüpfen. Es erfolgt eine Einordnung, ob der Artikel von Correctiv als „wahr“ gemischt“ oder „falsch“ eingestuft wird. Nutzer können dann den Artikel auf der Internetseite von ­Correctiv einsehen, wenn sie weitere Informationen zu dem Thema wünschen.