Das können Nutzer tun, wenn das Smartphone verlorengeht

Im Ernstfall : Sicherheits-Apps sind selbst ein Risiko

Wie nützlich sind Programme, die verlorene Smartphones orten können? Informatiker haben Zweifel.

Fast jeder vierte Smartphone-Besitzer hat schon einmal sein Telefon verloren, hat eine Umfrage des Digitalverbandes Bitkom ergeben. Doch ist das Smartphone weg, ist das nicht nur ein finanzieller Verlust, sondern auch wichtige Daten sind verloren. Wie finden der Besitzer und sein Handy wieder zusammen?

Sogenannte Anti-Diebstahl-Apps versprechen Hilfe bei der Suche nach dem Smartphone. Mit ihnen können Nutzer etwa bei Verlust den Zugang zum Smartphone per Fernzugriff sperren oder sensible Informationen löschen. Solche Programme mögen auf den ersten Blick als ideale Lösung erscheinen – doch Informatiker haben Bedenken. Wer sie auf seinem Handy installiert, gebe dem Hersteller der Software einen gewaltigen Vertrauensvorschuss, erklärt Oliver Schranz vom Helmholtz-Zentrum Cispa in Saarbrücken. Um aus der Ferne auf das Smartphone zugreifen zu können, müsse der Nutzer die App Gerätefunktionen nutzen lassen, etwa den Speicher oder die Kamera. Sie werte auch den Standort des Geräts aus. Besonders gefährlich wird es laut Schranz dann, wenn eine Anwendung die sogenannten Geräte-Administratorrechte, auf manchen Smartphones auch Geräteverwaltungsrechte genannt, einfordert. „Wer einer App diese Rechte einräumt, erlaubt der Anwendung weitgehenden Zugang zu Funktionen des Smartphones. Der App steht dann nichts mehr im Weg, wenn sie das Gerät sperren oder den Speicher löschen will“, so der Informatiker des Saarbrücker Zentrums für Informationssicherheit.

Smartphone-Besitzer können auf solche Angebote jedoch verzichten, da Google und Apple jeweils eigene Dienste zum Wiederfinden des Handys anbieten. Diese Dienste seien in den Betriebssystemen der Hersteller verankert. Allerdings müssen Nutzer dabei beachten, dass sie einige zusätzliche Daten an Google oder Apple weiterleiten. Dazu gehört vor allem die Information über den Standort, den das Gerät senden muss, damit es wiedergefunden werden kann. Das ist nur dann möglich, wenn das Handy per WLAN oder Mobilfunk mit dem Internet verbunden ist.

Auf iOS-Geräten ist Apples Funktion „Mein iPhone suchen“ bereits installiert, muss jedoch vom Nutzer eingerichtet werden. Dazu ist ein Nutzerkonto bei Apple, eine sogenannte Apple ID, erforderlich. Mit dieser muss der Anwender bei Apples Online-Speicherdienst ­iCloud angemeldet sein. Android-Nutzer können ihr Gerät über die Seite android.com/find suchen, sofern sie ein Google-Konto besitzen und mit diesem auf dem Gerät angemeldet sind. Der Konzern bietet zudem die App „Google Mein Gerät finden“ an, die Nutzer erst herunterladen müssen.

Sowohl der Google- als auch der Apple-Dienst erlauben es dem Nutzer, das Gerät nicht nur zu orten, sondern auch zu sperren und alle Daten vollständig zu löschen. Zudem können Nutzer auf dem Smartphone einen Ton in voller Lautstärke wiedergeben, um es etwa wiederzufinden, wenn sie es nur verlegt haben. Nach einer Sperrung des Handys kann eine benutzerdefinierte Nachricht mit einer Kontaktnummer auf dem Sperrbildschirm des Geräts angezeigt werden. Auch die auf dem Telefon hinterlegten Zahlungsmittel lassen sich sperren.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband rät Nutzern, bei Verlust zuallererst die SIM-Karte vom Mobilfunkanbieter sperren zu lassen. Handyrufnummer, SIM-Kartennummer, Kundennummer und Kundenkennwort sollen Nutzer immer zur Hand haben, um für den Ernstfall gewappnet zu sein. Wer auf seinem Handy seine Festnetznummer oder seine E-Mail-Adresse notiert habe, habe zudem die Chance, von einem ehrlichen Finder benachrichtigt zu werden, erklären die Verbraucherschützer.

Jedes Mobiltelefon könne durch seine elektronische Zulassungsnummer (IMEI-Nummer), identifiziert werden. Damit diese angezeigt wird, müssen Nutzer über die Telefontastatur die Tastenkombination *#06# eingeben. Diese sei notwendig, um das gestohlene Gerät eindeutig zu Identifizieren, erläutern die Verbraucherschützer. Sie empfehlen Nutzern außerdem, die Daten auf ihrem Smartphone regelmäßig auf einem Computer zu sichern und das Gerät mit einer PIN-Nummer zu sperren.

Mehr von Saarbrücker Zeitung