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Das Internet der unsicheren Dinge

Das Internet der unsicheren Dinge

Vernetzte Alltagsgegenstände geben viele Nutzerdaten preis

Vieles hat sich verändert seit den bescheidenen Anfängen des Internets in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Längst sind nicht mehr nur PCs, sondern alle möglichen Arten von sogenannten "intelligenten Gegenständen" miteinander vernetzt, vom Fitnessarmband für Jogger bis zur Straßenlaterne. Diesem Umstand trägt der Begriff "Internet der Dinge" Rechnung.

Im privaten Alltag treten die intelligenten Dinge zunehmend in den Vordergrund. Tragbare Computersysteme, sogenannte Wearables wie Smartwatches (deutsch: intelligente Uhren) oder Brillen mit integrierten Computerdisplays dienen nicht nur als mobile Navigationssysteme oder ständige Internetverbindung. Mit ihrer Hilfe können auch andere Geräte im Haushalt bedient und koordiniert werden. Außerdem besitzen sie medizinische Anwendungsmöglichkeiten wie die Messung des Herzschlages oder der gelaufenen Schritte und sie können sogar epileptische Anfälle erkennen und automatisch einen Rettungswagen verständigen. Alle diese Informationen können sie auch an andere Geräte weitergeben.

Doch genau darin liegt die Krux der Technologie. Stiftung Warentest hat zwölf Smartwatches getestet, keine davon erhielt eine gute Bewertung. Beanstandet wurde neben Bedienungsschwächen vor allem das "nicht immer unkritische Datensendungsverhalten". Zu einem ähnlichen Ergebnis kam eine Studie der deutschen Datenschutzbehörden. Wie der Deutschlandfunk berichtet, habe keines der 16 getesteten Geräte die Datenschützer restlos überzeugt. Unter anderem wurde kritisiert, "dass die Informationen zum Teil extern durch Dritte verarbeitet würden" und "Nutzer der Wearables keine Kontrolle darüber hätten, wer die Daten sonst noch bekomme und wie lange sie gespeichert würden".

Dennoch wächst der Privatsektor für Wearables rapide: Laut dem Digitalverband Bitkom wurden in Deutschland alleine mit Smartwatches 2015 Umsätze von ungefähr 170 Millionen Euro erzielt. Tendenz steigend.

Welche Risiken das birgt, wurde am 21. Oktober des vergangenen Jahres augenscheinlich, als eine großangelegte Cyberattacke auf die Server des Internetdienstleisters Dyn weite Teile der nordamerikanischen Internet-Infrastruktur für Stunden lahmlegte. Laut Allison Nixon, wissenschaftlicher Leiter des IT-Sicherheitsunternehmens Flashpoint, ging die Attacke zum Großteil von gehackten Webcams und Digitalvideorekordern einer chinesischen Firma aus. Wie viele Geräte genau betroffen waren und welche Daten die betroffenen Geräte aufgezeichnet haben, weiß niemand.

Dennoch kann sich jedermann selbst ein Bild von der prekären Situation machen. Internetsuchmaschinen wie Shodan, Thingful oder Censys durchsuchen das Netz nach Geräten, die kein oder nur ein schwaches Passwort besitzen. Deren Position und zum Teil auch die darauf gespeicherten Daten lassen sich anschließend abfragen. So können Spione im Ex-tremfall auf die Bilder von Überwachungskameras oder privaten Webcams zugreifen, berichtet die Datenschutzorganisation Digital Courage.

Zum Thema:

So können Nutzer ihre Geräte schützen Laut Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) schützen Nutzer sich am besten durch Deaktivierung der UPnP-Funktion am Router vor Angriffen auf ihre internetfähigen Geräte. Diese Funktion sorgt dafür, dass der Router den sogenannten Port, also den Verbindungsweg zum Internet, frei wählen kann. Das gilt als unsicher. Weitere Informationen und Tipps gibt es auf der Webseite des BSI. www.bsi-fuer-buerger.de