Das digitale Leben nach dem Tod

Das digitale Leben nach dem Tod

Angehörige bekommen oft keinen Zugang zu Online-Konten von Verstorbenen. Ein Testament kann helfen.

Graues Titelbild, schwarz-weißes Porträt-Foto und Rosen-Emoticons in der Kommentarspalte: Auf der Facebook-Gedenkseite nehmen Freunde Abschied. Die Verstorbene hat sich das so gewünscht, die Eltern haben es umgesetzt. Die Digitalisierung macht das möglich - aber auch notwendig. Zu einem Erbe gehört heute auch, den digitalen Nachlass zu verwalten. Das erweist sich aber oft schwieriger als gedacht.

Wie lautet das Passwort? Welche Accounts sind noch aktiv? Im Internet abgeschlossene Rechte und Pflichten gehen auf den Erben über. So könnte noch eine Online-Auktion oder eine Urlaubsrechnung ausstehen. "Die wenigsten Verträge enden mit dem Tod automatisch", sagt Eugenia Zobel-Kowalski von Stiftung Warentest.

Um den Angehörigen Mühen zu ersparen, raten Experten dazu, regelmäßig die eigenen Online-Aktivitäten zu kontrollieren. Dazu zählt, ungenutzte Dienste, Newsletter oder Verträge zu beenden. Jeder sollte von Zeit zu Zeit Daten löschen, die nicht mehr benötigt werden. Besonders private E-Mail-Postfächer müssten demnach aufgeräumt werden.

Außerdem sei es sinnvoll, sich darüber klar zu werden, wie nach dem eigenen Tod mit Inhalten umgegangen werden soll. Häufig helfe es schon, wenn Zugangsdaten aufgelistet und sicher hinterlegt würden, heißt es im Ratgeber-Heft Finanztest von Stiftung Warentest, das Formulare dafür beinhaltet, die auch online auf der Internetseite test.de/nachlassformulare-pdf abrufbar sind. Praxisnahe Hilfestellungen hat auch das Portal Silver Tipps ins Internet gestellt. Der Bundesverband Deutscher Bestatter verweist zudem auf das elektronische Abmeldungsportal, das viele Bestatter anbieten, damit es Angehörige später leichter haben.

Laut den Finanztest-Experten lässt sich der digitale Nachlass am sichersten per Testament regeln. Der Nutzer könne so bestimmen, welche Konten gelöscht, welche Daten nicht zugänglich gemacht werden sollen oder wer auf die persönlichen Konten im Internet Zugriff erlangen darf. Wichtig ist dabei, die Regeln für ein korrektes Testament einzuhalten: handschriftlich verfassen, klar formulieren und unterschreiben. Bei komplexen Wünschen sollte die Ausgestaltung mit Hilfe eines Anwalts oder Notars erfolgen.

Ohne eine solche Hinterlassenschaft tauchen schnell Probleme auf: Nutzerkonten können zum Beispiel nicht gelöscht werden. Die Erben müssen sich dann an den Dienstleister wenden. "Ein stichprobenartiger Marktcheck hat gezeigt, dass meist eine Kopie der Sterbeurkunde und ein Erbschein eingereicht werden müssen", erklärt Barbara Steinhöfel von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Das Problem: Einen Erbschein gibt es nur für das komplette Erbe - und nicht nur beispielsweise für den Twitter-Nachlass. "Außerdem erkennt man das ganze Erbe an, wenn man einen Erbschein beantragt", so die Expertin.

Aber selbst mit den richtigen Unterlagen kann es passieren, dass man nicht weiterkommt: "Nach geltendem Recht ist unklar, ob der Erbe einen Anspruch hat, E-Mails einzusehen", heißt es im Finanztest-Ratgeber. Der Provider könne das mit dem Hinweis auf das Telekommunikationsgeheimnis verweigern, um die Personen zu schützen, mit denen der Verstorbene Kontakt hatte.

Die Verbraucherschützer raten Erben, die Zugriff auf E-Mails des Verstorbenen haben, diese zu sichern und das Postfach erst nach dem Ende der Verjährungsfrist zu löschen, da auch posthum noch Rechnungen oder wichtige Dokumente ankommen könnten.

Laut Verbraucherzentrale wird die Problematik des digitalen Nachlasses zukünftig noch komplexer, weil immer mehr Verträge und Inhalte digitalisiert würden. Wer soll die Bilder erhalten, die einmal in der Cloud gespeichert wurden? Wem soll der Blick ins eigene Paypal-Konto erlaubt werden? "Die Politik und auch die weltweit agierenden Anbieter müssen sich mit den unterschiedlichen Aspekten des digitalen Nachlass befassen und sie regeln", fordert Steinhöfel. Bisher werde der Nutzer mit der Aufgabe, sein Online-Leben nach dem Tod zu regeln, weitgehend allein gelassen.

www.test.de/nachlassformulare-pdf

www.silver-tipps.de

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