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Damit Kinder keine Horrorfilme schauen können, müssen Eltern Profile absichern.

Jugendschutz bei Netflix, Disney Plus und Co. : Kindersicherung für Streaming-Dienste

Damit Kinder nicht einfach Horrorfilme schauen können, müssen Eltern ihre Profile absichern. Das klappt mit wenigen Klicks.

Videostreaming-
Dienste sind spätestens seit der Pandemie auf dem Vormarsch – auch bei Kinder und Jugendlichen. Laut der aktuellen Studie „Jugend, Information, Multimedia“ (JIM) des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest haben 84 Prozent der Heranwachsenden zwischen zwölf und 19 Jahren in Deutschland über einen Dienst wie Netflix oder Amazon Prime Zugang zu Filmen und Fernsehserien in Hülle und Fülle.

Und in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen und Heimunterricht verbringen viele Jugendliche mehr Zeit vor dem Fernseher als draußen. Doch auch einige Eigenproduktionen dieser Dienste haben keine Altersfreigabe der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) oder Fernsehen (FSF), die beispielsweise regelt, ob Kinder einen Film schauen dürfen oder wann er ausgestrahlt werden darf.

Die Altersfreigabe wird bei Streaming-Diensten angezeigt, aber auch Kinder können zu jeder Tageszeit einen Film schauen, der nicht altersgerecht ist. Eltern, die vermeiden wollen, dass der Nachwuchs Beiträge streamt, die erst ab 16 oder 18 Jahren freigegeben sind, müssen sich deshalb die Jugendschutzeinstellungen der Streaming-Dienste genauer anschauen, rät die EU-Jugenschutz-Initiative
klicksafe.de.

Netflix bietet seinen Nutzern mehrere Möglichkeiten zur Kindersicherung an. Im Menü „Profile verwalten“ können Eltern ein neues Profil für ihre Kinder anlegen. Dazu muss das Feld „Kind“ aktiviert werden, bevor das Profil hinzugefügt wird. Damit kann der Nachwuchs ausschließlich Filme mit der Altersfreigabe FSK null oder sechs anschauen. Wer weitere Details des Profils einstellen möchte, fährt mit der Maus über das Bild und klickt auf den Stift, der eingeblendet wird. Damit lässt sich dann die Altersfreigabe auf FSK zwölf erhöhen. Netflix weist den Nutzer dann darauf hin, dass es sich nicht mehr um eine „kindgerechte Netflix-Kids-Umgebung“ handele. Halten Eltern einzelne Filme für ungeeignet, können sie auch diese Titel sperren.

Jeder, der Zugang zu einem Netflix-Konto hat, kann auf alle angelegten Profile zugreifen. Das kann auf Kinder sehr verlockend wirken. Sie können so sehen, welche Filme die Eltern schauen. Damit der Nachwuchs am Ende keinen Horrorfilm startet, können Profile mit einem Code gesichert werden. Außerdem können Eltern im Menü einstellen, dass die Vorschau eines Films oder die nächste Folge einer Fernsehserie nicht automatisch abgespielt wird. Letzteres soll verhindern, dass der Nachwuchs mehrere Folgen einer Serie am Stück schaut. Viele Serien werden bei Streaming-Diensten in kompletten Staffeln veröffentlicht.

Beim Mitbewerber Amazon Prime Video können Eltern Kinderprofile über die Seite „Wer schaut gerade?“ anlegen. So können nur Filme und Serien mit einer Altersfreigabe von zwölf Jahren oder jünger gestreamt werden. Unter „Profile bearbeiten“ klicken Eltern auf das Plus-Zeichen und aktivieren die Auswahl „Kinderprofil“. Die Jugendschutz-Initiative Klicksafe warnt jedoch, dass Filme, die über das Profil für der Eltern heruntergeladen wurden, auch über das Kinder-Konto angesehen werden könnten.

Ähnlich wie bei Netflix können auch Amazon-Prime-Video-Kunden ihre Erwachsenen-Profile mit einem Code vor neugierigen Kindern absichern. Außerdem kann damit in Kinder-Konten vermieden werden, dass sich der Nachwuchs Titel ansieht, die über der eingestellten Altersbeschränkung liegen. Die PIN sichert das Konto auch vor unbeabsichtigten Käufen, wenn beispielsweise ein Film nicht zum Prime-Video-Angebot gehört und Extrakosten mit sich bringen würde.

Seit einem Jahr ist auch der Streaming-Dienst Disney+ in Deutschland verfügbar. Das Angebot startete zunächst ausschließlich mit Filmen und Serien, die eine Altersfreigabe bis maximal zwölf Jahren haben. Ende Februar kamen auch Titel dazu, die für Zuschauer ab 18 Jahren freigeben wurden. Bereits vorher konnten Eltern auch hier Kinder-Profile einrichten. Das funktioniert auf dem gleichen Weg wie bei Amazon. Hier sind Kinder-Konten ausschließlich für Filme mit der FSK 6-Einstufung freigegeben. Jedoch weist klicksafe.de darauf hin, dass aus diesem Grund auch jüngere Kinder Filme mit einer Altersfreigabe für Sechsjährige anschauen könnten, falls die Eltern nicht aufpassen.

Auch bei Disney+ kann in den Einstellungen eines Kinder-Profils sowohl Dauer-TV unterbunden werden, als auch die automatische Wiedergabe einer Vorschau, die bei diesem Dienst Hintergrundvideos genannt werden. Klicksafe.de rät zudem, im Menü erneut zu prüfen, ob das Kinder-Profil tatsächlich aktiviert wurde. Die Einstellung könnte dort auch rückgängig gemacht werden und stattdessen eine Altersfreigabe eingestellt werden.

Bei Disney+ wird ein Wechsel zwischen einem Kinder- und einem Erwachsenen-Konto mit der aktiven Einstellung „Kindersicherung-Profilwechsel“ erschwert. „Dabei wird durch die Einblendung einer einfachen Frage oder Aufgabe das Wechseln des Profils für jüngere Kinder, die noch nicht lesen können, erschwert“, erklären die Jugendschützer. Sie raten zudem, eine vierstellige PIN für jedes Profil einzurichten.

Im September vergangenen Jahres löste der Dienst Joyn+ seinen Vorgänger Maxdome als Streamingportal ab. Maxdome dient seitdem nur noch als Online-Videothek, über die Filme und Serien in digitaler Form gekauft oder geliehen werden können. Beide Dienste haben keine gesonderten Kinder-Profile wie die Konkurrenten. Joyn+-Inhalte können mit dem Jugendschutzprogramm Jusprog gesichert werden. Die Software für Computer und Smartphones wird auf dem Gerät des Kindes installiert. Wenn eine Altersstufe ausgewählt wurde, können Filme, die eine höhere Einstufung haben, nicht abgespielt werden. Das Programm kann jedoch nicht auf dem Fernseher installiert werden und bietet damit ein Schlupfloch für Kinder.

FSK-18-Inhalte können auch bei Joyn+ und Maxdome mit einer PIN gesichert werden. Um diesen Code einzurichten, müssen sich Nutzer mit ihrem Personalausweis als volljährig verifizieren. Wer den Nachweis nicht erbringt, für den bleiben nicht jugendfreie Filme bei den beiden Anbietern generell gesperrt. Bei Maxdome gibt es daneben noch die Möglichkeit, wenn eine PIN eingerichtet wurde, auch Inhalte jeglicher Altersfreigaben zu sperren. Zusätzlich können sich Eltern per E-Mail informieren lassen, wenn Filme mit FSK 16 oder 18 bestellt und angeschaut werden.

www.klicksafe.de